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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Digital

Die Gamer: Es ist mehr als nur ein Spiel

22 Computerfans gründen in Regensburg einen Verein für eGames. Sie sehen sich als moderne Interpretation des Schützenvereins.
Von Daniel Geradtz, MZ

  • Besucher der Computerspiele-Messe Gamescom testeten in Köln (Nordrhein-Westfalen) das Computerspiel Gigantic. Foto: dpa-Archiv
  • Die Vorstandsmitglieder Markus Landsberger, Florian Beinte und Patrick Sommer zusammen mit Geschäftsführer Dardan Diugan (hinten rechts) Foto: Geradtz

Regensburg.„Und welches Game zockst du“, fragt Markus Landsberger. „Smite. Das ist ein Moba“, antwortet sein Gegenüber. Er ist neu in der Runde. Moba ist eine Abkürzung und steht für eine bestimmte Art von Strategiespielen für den Computer oder die Spielekonsole. Landsberger hört begeistert zu und lässt sich erklären, dass die Perspektive des Spielers einer der Besonderheiten an dem Spiel ist.

Es ist der Gamer Verein Regensburg, der sich zum ersten Mal trifft. Zur Gründungsversammlung kommen 22 Mitglieder – unter ihnen sind drei Frauen. „Etwa die Hälfte sind neue Gesichter“, sagt Dardan Diugan, der die Idee zu dem Verein hatte. „Man hat einige davon aber schon im Internet kennengelernt und mit ihnen gespielt.“ Im Verein spielen sie zum Beispiel Grand Theft Auto, Minecraft oder Counter Strike.

20 stationäre Computer als Ziel

Diugan hat sich zum Ziel gesetzt, die „Gamer“ wieder zusammenzubringen. „Wir haben alle noch Erinnerungen an die Zeit, als man zu zweit an der Konsole saß und gemeinsam gezockt hat“, berichtet er. Doch mit der Verbreitung des Internets hat sich dies geändert. Die Spieler duellieren sich zwar mit Freunden, nur sitzen sie heute getrennt voneinander. Vielleicht nur zwei Häuser weiter, vielleicht aber auch in Amerika, Afrika oder Australien.

Der Verein sucht derzeit nach einer passenden Unterkunft, die genügend Platz zum Spielen und Zusammensein bietet. Geschäftsführer Dardan Diugan schwebt vor, 20 stationäre Computer anzuschaffen, so dass auch in größerer Runde gespielt werden kann. Alleine dafür müssten jedoch 30 000 Euro einkalkuliert werden. „Ein guter Gamer-PC kostet abzüglich aller Rabatte rund 1500 Euro“, weiß er. Bis zum Herbst soll eine passende „Location“ gefunden werden.

Auch Markus Landsberger, der an diesem Abend zusammen mit Florian Biendl und Patrick Sommerer in den Vorstand gewählt wird, bekommt leuchtende Augen, wenn er über „Retro-Games“ für das Super Nintendo oder die Playstation spricht. „Für das Vereinsheim planen wir auch einen Raum, in dem alte Konsolen stehen sollen. Wenn man sich gegenseitig beim Spielen sieht, macht es mehr Spaß“, findet er.

„Ich habe zu einer Zeit begonnen, als es noch Disketten gab“, erinnert sich Biendl an diese Zeit. Sein Vorstandskollege Patrick Sommerer „hat mit dem Gameboy angefangen. Ich zocke schon, seitdem ich klein bin“, sagt er.

Die klischeehafte Vorstellung der einsamen Computerspieler hat sich gewandelt. In Norwegen soll an einer Schule ab dem Sommer ein Wahlfach „eSport“ angeboten werden. Die Schüler sollen lernen, im Team zu kooperieren. Viele Spiele erfordern das Zusammenarbeiten in einer Mannschaft. Es ist in der Welt der eGames wichtig, um Erfolg zu haben. In den USA hätten die Spieler zum Teil eine hohe Popularität, sagt Diugan, der die sogenannten Ego-Shooter ablehnt. Die Besten würden gar so viel verdienen wie Fußballprofis.

„Man kann uns als modernes Internetcafé in Kombination mit einer Art Fußball- oder Schützenverein sehen“, bringt es Diugan auf den Punkt. Dazu zählen auch gemeinsame Unternehmungen außerhalb der späteren „Location“. Am Abend der Vereinsgründung wird über eine Fahrt zur Gamescom, der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele, abgestimmt. Sie findet jeden Sommer in Köln statt. Im vergangenen Jahr kamen an den fünf Messetagen 345 000 Besucher. Auch über die Möglichkeit, einen Kickertisch aufzustellen oder gemeinsam Fußball zu spielen, diskutieren die Vereinsmitglieder.

Die Gründungskosten kalkuliert Diugan auf 56 000 Euro. „Hier zahlt sich das Wirtschaftsabitur aus“, witzelt der 22-Jährige, der hauptberuflich eine Filiale einer Einzelhandelskette leitet. Etwa die Hälfte davon möchte er selbst tragen. Hinzu kommen später laufenden Kosten im Vereinsheim. Um das erste Jahr bei einem moderaten Mitgliedsbeitrag von 20 Euro finanzieren zu können, bräuchte der Verein 50 Mitglieder, sagt der Geschäftsführer. In Regensburg gebe es eine potentielle Zielgruppe von 15 000 Zockern.

Nachdenken über eigene Währung

Schon im Vorfeld haben einige Sponsoren Interesse gezeigt, den Verein zu unterstützen. So sind bereits Geldbeträge zusammengekommen. Über die Homepage können Unternehmen oder Privatpersonen ebenfalls spenden. Einige Angebote hat Dardan Diugan aber ausgeschlagen. Die Sponsoren wollten zu viel Einfluss nehmen. Zum Beispiel einen Platz im Vorstand für sich beanspruchen. Das lässt Diugan nicht zu. Der Verein war von Beginn an seine Idee. Auch weil er sein Privatkapital einfließen lässt, möchte er die Zügel nicht aus der Hand geben.

Bei der Vereinsgründung beschließen die Mitglieder neben der Höhe der monatlichen Beiträge oder dem Eintrittsalter eine weitere Entscheidung, die für sie wichtig ist: Es soll eine eigene Währung eingeführt werden. „Die Namensfindung obliegt dem Vorstand“, beschließt Diugan die Sitzung. Die Mitglieder verabreden sich für den folgenden Tag. Dann wollen sie sich im World Wide Web treffen und noch einmal über die Eindrücke der Versammlung sprechen.

Ein Verein formiert sich

  • Eigene Spiel-Wettbewerbe geplant

    Interessenten können sich bei den Dienstagstreffen über den Verein informieren. Sie finden an wechselnden Orten statt. Das Mindestalter zum Vereinseintritt beträgt 15 Jahre.

  • Der Verein will eigene Wettbewerbe für die Mitglieder veranstalten, bei denen die virtuelle Währung als Gewinn ausgeschüttet werden soll.

  • 15 000 Euro Spenden als Ziel Wer das Crowdfunding-Projekt des Vereins unterstützt, erhält abhängig von der Spendenhöhe verschiedene Sachpreise als Danksagung. Das Spendenziel liegt bei 15 000 Euro. Auf der Homepage des Vereins stehen weitere Information über den Verein zur Verfügung.

  • www.gamer-verein.de

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