mz_logo

Regensburg
Sonntag, 25. September 2016 22° 1

Interview

„Die Kinder sind zufriedener“

Dr. Ralf Girg forscht am Lehrstuhl für Schulpädagogik. MZ-Autorin Marion Koller spricht mit ihm über die Waldorfschule.

Ralf Girg, Akademischer Direktor am Lehrstuhl für Schulpädagogik, Universität Regensburg Foto: Girg

Regensburg.Herr Dr. Girg, begrüßen Sie es, dass die Waldorfschule kommt und das private Angebot von Montessori, Pindl, Domspatzen etc. ergänzt?

Natürlich ist es aus schulpädagogischer Perspektive erfreulich, wenn sich das Regensburger Schulspektrum mit der Waldorfschule erweitert. Ein derart langjährig und international anerkanntes Schulkonzept bringt interessante pädagogische Impulse in den Bildungsstandort ein.

Sehen Sie Vorteile für die Kinder im Vergleich zu staatlichen Schulen?

Allein schon die Tatsache, dass es keine Noten gibt, wirkt, da Interessen, die vom Kind her wachsen, nicht einer standardisierenden Norm unterworfen werden. Studien belegen, dass Kinder an Waldorfschulen zufriedener sind und sich auch konkret in ihrem ganz persönlichen Lernprozess wahrgenommen und unterstützt fühlen.

Profitieren bestimmte Persönlichkeiten besonders von der praktischen und musischen Orientierung?

Waldorfschulen gehen von einem ganzheitlichen und dynamischen Begabungsbegriff aus. Jedes Kind wird in seinem persönlichen Potenzial gefördert. Die Stärke der Waldorfschulen im musisch-ästhetischen Bereich ist nur eine Facette. Genauso anzusprechen wären naturwissenschaftliche Studien oder Förderung ökologischen Denkens. Beides wird in mehrwöchigen Themeneinheiten ermöglicht.

Inwieweit sollten Eltern den anthroposophischen Hintergrund teilen?

Aus meiner Sicht sind Waldorfschulen heute weltanschaulich und religiös offen. Eltern werden sich sowohl mit dem konkret angebotenen Schulkonzept befassen als auch mit den philosophischen Hintergründen. Das Leitbild der deutschen Waldorfschulen orientiert sich an Schulstandards, die international diskutiert werden.

Findet sich ein Waldorf-Kind besser im Arbeitsleben zurecht? Oder kann es zu Anpassungsschwierigkeiten kommen?

Alle Studierenden mit einem Waldorfabschluss, die ich in den letzten Jahren an der Uni Regensburg kennengelernt habe, waren hochgebildete und feinsinnige Menschen. Keine Spur von weltfremd – ganz im Gegenteil, sie waren sehr reflektiert, den Menschen zugewandt und schätzten gesellschaftliche Gegebenheiten sehr differenziert ein.

Kommt auf die Eltern zeitintensive Mitarbeit zu?

An Waldorfschulen existieren Arbeitsgruppen, in denen Eltern für Teilbereiche die Verantwortung mit übernehmen können. Gerade in einer Gründungsphase ist es für Eltern wichtig, partizipieren zu können, da die konkrete Gestalt der Schule sich ja im Aufbau befindet. Die Selbstverwaltung mit Elternbeteiligung ist eines der Kennzeichen einer Waldorfschule.

Kommentare (0) Regeln Unsere Community Regeln

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht