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Regensburg
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Inklusion

Die Meinung sagen – und das laut

Claudia Roth hat das Büro für Leichte Sprache besucht. Mit Sags-Einfach-Reportern sprach sie über das, was sie bewegt.
Von sags-einfach-Reporterin Lisa Krämer

Claudia Roth (rechts) stellte sich den Fragen. Foto: Olga Baranowska

Regensburg.Frau Roth, warum sind Sie Politikerin
geworden?

Der wichtigste Grund dafür ist meine Familie. Meine Eltern haben sich sehr für Politik interessiert und zuhause immer darüber gesprochen. Und sie haben immer zu mir gesagt: Es ist wichtig, dass du eine eigene Meinung hast und dass du sie auch laut sagst. Auch wenn das manchmal zu Streit führt. Wir haben zuhause wirklich geübt zu streiten. Meine Oma hat aber auch etwas dafür getan, dass ich Politikerin geworden bin. Sie hat mich oft mit zu einem Kloster genommen. Und dort habe ich einen Satz gehört, der sehr wichtig für mich geworden ist: Mir geht es nicht gut, wenn es meinem Nachbarn nicht gut geht.

Um welche Menschen wollen Sie
sich denn besonders kümmern?

Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und da steht nicht: Die Würde des weißen Menschen ist unantastbar. Oder die Würde des heterosexuellen Menschen ist unantastbar. Oder die Würde des christlichen Menschen ist unantastbar. Da steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich will mich für alle Menschen einsetzen, deren Würde verletzt wird.

Was halten Sie vom Bedingungslosen Grundeinkommen?

Bei uns in der Partei diskutieren wir dieses Thema sehr heftig. Manche Menschen in der Partei wollen das Grundeinkommen unbedingt haben, weil sie glauben, dass Deutschland dadurch gerechter wird. Und dass es allen Menschen dadurch besser geht. Ich selbst bin mir nicht sicher, ob das Grundeinkommen gut für uns wäre. Ich habe Angst, dass der Staat dann weniger Verantwortung für die sozial schwächeren Menschen übernimmt. Der Staat könnte zum Beispiel sagen: Ich gebe den Menschen jetzt ein bestimmtes Einkommen, egal ob sie arbeiten oder nicht – dann muss ich mich aber nicht mehr um neue Arbeitsplätze kümmern. Wir streiten in der Partei seit Jahren darüber, ob wir das Grundeinkommen haben wollen. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt: Wir wollen es gerne einmal ernsthaft ausprobieren.

Wollen Sie die konventionelle
Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von schädlichen Spritzmitteln stoppen?

Wir müssen diese Art von Landwirtschaft unbedingt stoppen! Meine Partei will die Landwirte unterstützen. Und zwar nicht nur die ökologischen Landwirte, sondern auch die konventionellen Landwirte. Ich sage nicht, dass jeder konventionelle Landwirt es falsch macht. Aber wir sind gegen die Agro-Industrie, also gegen große Landwirtschafts-Firmen, die sehr viele Felder haben. Sie benutzen Spritzmittel wie zum Beispiel Glyphosat, und diese Spritzmittel sind sehr gefährlich für die Natur. Wir haben jetzt schon um 80 Prozent weniger Bienen, Insekten, Schmetterlinge! Wir brauchen diese Tiere aber zum Überleben. Oder wollen wir bald wie in China die Blüten mit der Hand bestäuben, weil es überhaupt keine Bienen mehr gibt? Wenn wir so weitermachen, dann vergiften wir uns selbst.

Ökologische Lebensmittel sind teuer. Was machen die Grünen dafür, dass sich auch Menschen mit niedrigem Einkommen diese Lebensmittel kaufen können?

Jeder Mensch hat ein Recht auf gesunde Lebensmittel. Es fängt natürlich mit der Frage an, wie viel Geld Sie für Ihr Leben zur Verfügung haben. Und in Deutschland gibt es leider sehr große Unterschiede zwischen sehr reichen und armen Leuten. Eine gute Wohnung, eine gute medizinische Versorgung und gute und gesunde Lebensmittel, aber auch Zugang zu Kunst und Kultur, das darf kein Luxus sein. Wir setzen uns aber auch dafür ein, dass gute Lebensmittel auch einen höheren Preis haben müssen. Zum Beispiel kostet ein gut aufgewachsenes Hühnchen viel mehr Geld. Und wir alle sollten uns überlegen: Was wollen wir eigentlich essen?

Die letzte Frage, Frau Roth: Wie
können Sie sich am besten entspannen?

Mit zunehmendem Alter wird meine Heimat, das Allgäu, immer wichtiger für mich. Das ist eine wunderbare Gegend, aber trotzdem ist das kein Grund für mich, mich darauf auszuruhen. An vielen Stellen in Deutschland muss noch etwas verbessert werden!

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