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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Ausstellung

Die neue Medienwelt ist pink und grau

Die Galerie konstantin b. zeigt Werke des Regensburgers Sigurd Roscher, der vom Graffiti zur Malerei kam.
Von Gabriele Mayer, MZ

Sigurd Roscher vor einem seiner Bilder. Foto: www.florianhammerich.com

Regensburg.Sigurd Roscher, Jahrgang 1978, ist Designer, hat aber auch bei GRAZ und an anderen Orten ausgestellt. Eigenhändig zusammengeflickte Leinwände zum Teil aus Betttüchern, mit Farbe in Schichten durchtränkt, dann an Rahmen, die wie glaslose Schaukästen für aufgespießte Insekten aussehen, getackert. Die Farbe riecht man noch, Acryl, Dispersion, Marker, Kohle, Kreide, Wachs oder aus der Sprühdose. Und darauf seriell kleine Kringel, Sterne und Herzchen gemalt, über- und untergemalt, meist eine große Figur im Bild, sieht nach Schablone aus, muss es aber nicht sein, erinnert an Comicfiguren, dazu Texte, die man nicht entziffern kann ins Bild hineingedrückt, die Farben, meist weiß oder grau, rinnen die Leinwand entlang in Schlieren, gezügelt hemmungslos. Roscher kommt vom Hip-Hop und vom Graffiti.

Zwischen Düsternis und plakativer Ironie

Und Pink, Pink, Pink, die blödeste Farbe überhaupt, knallig, billig, künstlich, dazu Grau in deprimierenden, betonhellen, undurchdringlichen Tönen, oder in pappigem Weiß, einige Fetzen gegenständlicher Malerei. Alles schön und gut, macht was her, mal was Anderes, Wildes, Ungezähmteres, aber kalkuliert. Das düstere Frauenantlitz in Kaufhaus-Gemälde-Manier mit vielen, tiefen, grauen Falten im jungen Gesicht. Regenbogenfarben, die aus zwei Flaschen symmetrisch auf ein grinsendes, graues Männergesicht herunterlaufen. Wo soll das hinführen?

Die Geschichte anders herum: Roscher setzt sich kritisch mit der neuen sozialen Medienwelt auseinander, zu der auch eine App gehört, bei der bei einem Selfie das Foto mit Regenbogenfarben begossen wird. Erweiterte Realität nennt sich der Mediengag, soll fröhlich sein, lustig, gute Laune machen oder das, was man gegenwärtig darunter versteht. Wirkt aber deprimierend. Auch auf andere Apps bezieht sich Roscher in seinen zwischen Düsternis und plakativer Ironie pendelnden Bildern: Der Einfluss der sozialen Medien auf die Alltagsstimmungen der Benutzer. Wie man hört, gibt es Anspielungen auf Instagram, FollowBots, oder den Körperwahn der Fitness- und Schönheits-Selfie-Girlies. Seine negative Inspiration schöpft er auch aus WhatsApp-Gruppen und Facebook-Accounts.

Unangepasstheit über der Wohnzimmer-Couch

Roscher hat an der FH Würzburg-Schweinfurt Kommunikationsdesign studiert. Bei konstantin b. stellt er zum ersten Mal aus. Die Sache ist offen: Handelt es sich hier um Malerei, die Langeweile und Biederkeit kompensieren soll durch eine gewisse kritische Frische und Unangepasstheit, die man, eingerahmt versteht sich, über die Wohnzimmer-Couch hängt? Oder handelt es sich gar um Zeichen neuer Unordnungen, Unordentlichkeiten und neuer Fragwürdigkeiten in der Welt, die einen in Unruhe versetzen? Experimente jedenfalls, bei denen bekanntermaßen, etwas verpufft, in die Luft fliegt oder man etwas erkennt.

Zu sehen bis 12. März in der Galerie konstantin b., Am Brixener Hof, offen Freitag, 16 bis 21 Uhr.

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