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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 11

Eishockey

Die neuen Eisbären 2017/18 im MZ-Check

MZ-Sportredakteur Claus Wotruba hat mit Trainer Beppi Heiß alle 23 Spieler im Kader unter die Lupe genommen.

Jason Pinizzotto ist so etwas wie der Königstransfer und auch mit 37 Jahren einer der EVR-Hoffnungsträger. Foto: Eibner
Noch nicht oft in der Donau-Arena im Einsatz zu sehen war die neue Nummer eins Peter Holmgren (hier gegen Landshut im Februar). Foto: Nickl

Regensburg.

Eine klare Struktur bei den Torhütern

Eine klarere Struktur als auf der Position des Torhüters gibt es nicht: Peter Holmgren ist die Nummer eins, der neue Deutsch-Tscheche Jakub Urbisch die zwei und Jonas Leserer der Feuerwehrmann für Notfälle mit dem Gute-Laune-Faktor fürs Team. Genauso kommuniziert das auch Beppi Heiß, der ehemalige Nationaltorwart mit seinen 140 Länderspielen. Der Trainer muss sich in der Vorbereitung noch erste Live-Eindrücke verschaffen, was er bisher vom in Deutschland bis auf ein paar Nachwuchsspiele gänzlich unbekannten Urbisch gesehen hat, gefällt Heiß: „Ich hoffe, dass Jakub Gas gibt. Ich habe ein paar Videos gesehen, und die haben mir sehr gut gefallen. Er kriegt seine Zeit. Und in der Vorbereitung kriegt jeder seine Spiele.“

Hier finden Sie die 23 Eisbären für die neue Saison in Wort und Bild.

Das Trio ist eine bunte Mischung – und nur Dauerbrenner Leserer, der nie für einen anderen Verein als den EVR spielte, wo er auch den Nachwuchs durchlief, ist bestens bekannt in der Stadt. Der im Mai 30 Jahre alt gewordene Holmgren, der seit 2013 jedes Jahr den Klub wechselte (Crimmitschau, Dresden, Heilbronn, Duisburg) kam Ende Januar nach Regensburg. Der Deutsch-Schwede ist erst 443:45 Minuten in acht Partien bei sechs Spielen von Beginn an für den EVR im Einsatz gewesen – und war bislang lediglich in fünf Regensburger Heimspielen in der Donau-Arena zu sehen. Irgendwo ist also auch Holmgren immer noch eine Art Neuzugang.

Gesetzt in der Verteidigung und der Mann fürs Kreativ-Element: Sebastian Alt. Foto: Eibner

Ein Quartett als Anker in der Abwehr

Diesen Mannschaftsteil hat der Umbau am wenigstens getroffen: Sechs der acht Defensivmänner standen auch im Vorjahr schon im Kader – inklusive Korbinian Schütz, der erst im Januar dazugestoßen war und seine Karriere wieder aufgenommen hatte. „Ich bin froh, dass wir da nicht so zerrissen sind und mit Tomas Gulda, Sebastian Wolsch, Schütz und Kevin Schmitt schon mal ein Anker da ist“, ordnet Beppi Heiß die Lage ein. Und dahinter? „Xaver Tippmann hat sich vergangene Saison gut gemacht, Philipp Vogel spielt auch schon sein zweites Jahr, und von einem Alexander Eckl habe ich nur Gutes gehört. Die drei kämpfen um die Plätze“, sagt Heiß.

Unangefochten ist nur einer: „Sebastian Alt ist natürlich gesetzt. Ich weiß nur nicht, mit wem er spielt“, sagt Heiß, hat aber eines vor. „Vorgesehen hätte ich, dass immer ein Älterer mit einem Jüngerem aufläuft. Und in Überzahl lasse ich gerne nur mit einem Verteidiger und vier Stürmern spielen“, sagt Heiß über seine Pläne, gesteht aber vor allem mit Blick auf die Playoffs: „Wenn wir noch Geld hätten, würde ich gerne noch einen Verteidiger haben, der erfahrener ist. Wenn du eine gute Abwehr hast, tust du dich auch nach vorne leichter.

Die Besetzung klingt in der Theorie jetzt schon gut: Sie beinhaltet kreative Parts für Alt (und auch Schütz), Konstanten wie Schmitt, Routine wie bei Wolsch und Gulda und sie bietet den Talenten Tippmann, Eckl und Vogel die Chance auf eine gute Rolle.

Eine Kernfrage: Wer wird der neue Partner von Nikola Gajovsky (hier bei der Teamvorstellung 2016 auf der Dult)? Foto: Nickl

Nur die Toptorschützen sind im Angriff übrig

Rundum runderneuert präsentiert sich die Eisbären-Offensive. Vom Sturm-Korsett blieben mit Nikola Gajovsky (im Nickl-Foto bei der Saisoneröffnung 2016 auf der Dult) und Peter Flache nur zwei Mann übrig, die allerdings mit 34 bzw. 31 Saisontreffern auch die treffsichersten Schützen waren. Bekannt vom Kader 2016/17 sind dazu mit Nachwuchsmann Felix Schwarz und des zweimal länger verletzten Lukas Heger zwei weitere Angreifer, die keine größere Rolle spielen durften oder konnten.

Die spannendste und offensichtlichste Frage wird sein, wer die zuletzt alles andere als optimale besetzte Position neben Gajovsky einnimmt. „Vielleicht ist es Bosas, vielleicht Baier und Tausch, vielleicht der Kronawitter“, verrät Beppi Heiß noch nicht allzu viel von seinen Gedanken. „Es gibt zwar einen Zettel mit ein paar Sturmreihen, aber ich muss erst sehen, wie die Chemie auf dem Eis aussieht“, sagt der Trainer, der auch überlegt, ob mit Jason Pinizzotto der vielleicht wichtigste Neuzugang Außen- oder Mittelstürmer spielt. „Da werde ich mit ihm reden.“ Und: „Die meisten haben bisher rechts gespielt, ich brauche aber auch Linksaußen.“ Das aber ist nur ein Detail im auch im Angriff sehr bunten Mix, der alters-, erfahrungs- und potenzialtechnisch vielversprechend aussieht. Die Frage aller Fragen wird sein: Wie lange dauert der Findungsprozess im Gefüge?

Bisher eher als Torwarttrainer aktiv: Auch für Peppi Heiß ist die Station Regensburg eine Chance. Foto: Eibner

Bayer Heiß setzt auf den Bayern-Faktor

Ein bisschen ist es bei Bayerisch-Beppi (gängiger preußisch bekannt als Peppi wegen seiner 13 Jahre in Köln) Heiß wie vor drei Jahren bei Doug Irwin. Auch als Irwin kam, sprach man von einem Neuaufbau. Die Glücksgriffe David Stieler und Louke Oakley auf den Ausländerpositionen forcierten die Entwicklung rasant – und der EVR fand sich im zu Saisonstart fernen Playoff-Halbfinale wieder. Ob sich EVR-Geschichte so wiederholen lässt? Beppi Heiß (im Eibner-Foto) jedenfalls spricht zwar von Top-vier-, aber nicht von Aufstiegs-Ambitionen. Der 54-Jährige denkt eher langfristig. Ziel der Team-Zusammenstellung ist, „mit dem Kern der Mannschaft über Jahre zu arbeiten. Die Jüngeren müssen den Willen haben, fester Bestandteil zu werden, die Älteren den Willen, ihnen etwas zu lernen und sich gegen sie behaupten zu wollen“, formuliert Heiß die Ansprüche an seine Mannschaft. Bayerisch-Beppi setzt auch auf den Bayern-Faktor: „Das sind fast alles Burschen, die aus Bayern kommen, die können gut miteinander reden. Irgendwo kommt dann ein Mia-san-mir-Gefühl, ein Gefühl, des pack ma und wir wollen was erreichen – das hoffe ich zumindest“, sagt Heiß, der am liebsten möglichst oft mit vier Reihen spielen lassen will.

Hier finden Sie alle Eisbären-Termine für die neue Saison ab 29. September.

Auch für Beppi Heiß selbst, der 2008 als Torwarttrainer von Larry Mitchell in Augsburg den eigentlich gar nicht geplanten Einstieg ins Trainergeschäft schaffte, ist die Station in Regensburg eine gute Chance, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Als Chefcoach trat der Garmischer vor seinem letzten Engagement in Ingolstadt schließlich bislang nur in eineinhalb Spielzeiten von 2012 bis 2014 beim EC Peiting in Erscheinung.

Auch Heiß ist eine spannende Wahl und keiner, der mal hier und mal da sein Geld verdient hat. Auch wenn ursprünglich mal noch andere Bayern zur Debatte standen, ist er ein Kandidat, der gut für länger passen könnte.

Vieles neu, auch der Geschäftsführer: Stefan Liebergesell brennt für seine Aufgabe bei den Eisbären. Foto: Mealnie Feldmeier

Das Umfeld: Dümpeln ist nicht mehr erlaubt

Neuanfänge sind beileibe nichts Neues im Eishockey. Und so ergibt sich nach vier Jahren mit Ivo Stellmann-Zidek als alleinigem Steuermann wieder eine andere Konstellation: Zwei Hände voll an Gesellschaftern machen nach einer Saison, die krachend auch die erfolgreiche Zeit von Trainer Doug Irwin beendete, die Musik. Es knarzte und knirschte im Hintergrund auch. Die neue Führungs-Crew hat viele Ideen wie das Comeback der Eisbären geboren, nach wie vor die DEL 2 im Hinterkopf – und sie riskierte gleich zum Start etwas.

Mit Stefan Liebergesell machte sie den Mann für die Öffentlichkeitsarbeit trotz seiner Jugend zum Geschäftsführer. Liebergesell wird heute gerade einmal 24 Jahre alt. Jetzt ist Liebergesell Fan und Verantwortlicher zugleich – und diese heimatliche Verbundenheit mit dem Feuereifer kann von Nutzen sein.

Freilich: In einer aufrüstenden Liga mit Rosenheim, dem ersten Zweitliga-Absteiger seit Jahren, dem auferstandenen Landshut, aber auch den erneut investierenden Rivalen Deggendorf oder Weiden, sind die Eisbären sicher nicht wie im Sommer 2016 der meist genannte Titelanwärter, aber ambitioniert allemal. Und in der Tabelle dümpeln darf der EVR ganz sicher nicht mehr. Irgendwo zwischen Gut und Böse zu pendeln, ruft in Regensburg seit jeher ziemlich schnell Kritik hervor.

Alle Nachrichten rund um den EV Regensburg finden Sie hier.

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