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Regensburg
Sonntag, 19. November 2017 7

Medizin

Die Regensburger knausern mit ihrem Blut

In Bayern gehen 7 Prozent zum Blutspenden, in Regensburg nur 3,37 Prozent. Doch bei den Erstspendern ist die Region Spitze.
Von Heinz Klein, MZ

Nur 3,37 Prozent der Bürger lassen sich im BRK-Kreisverband für eine Blutspende piksen. Doch die Zahl der Erstspender ist hoch. Foto: dpa

Regensburg. Die Menschen im Freistaat sind mit ihrem so wertvollen roten Lebenssaft wesentlich spendabler als der Rest der Republik. In Bayern liegt die Bereitschaft zum Blutspenden bei knapp sieben Prozent und ist damit doppelt so hoch wie im Rest der Republik, wo nur 3,5 Prozent der Bürger den Ärmel zur Blutspende hochkrempeln. Die Boomtown Regensburg – in vielen Dingen vorne dran – gehört beim Blutspenden allerdings zu den Schlusslichtern in Bayern und schafft mit 3,37 Prozent nicht mal den bundesweiten Durchschnitt.

Mehr Spender am Land

Warum in der Region Regensburg die Menschen beim Blutspenden so knausern, kann Christian Kohl, Leiter der Abteilung Marketing beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), auch nicht sagen. Allerdings weiß man beim BRK, dass die Spendebereitschaft in den Städten deutlich niedriger ist als am Land, wo sie beispielsweise im unterfränkischen Main-Spessart-Bereich mit 12 bis 15 Prozent Rekordwerte erreicht. Im benachbarten Würzburg dagegen liegt sie auch nur bei 4,76 Prozent, ist aber immerhin noch höher als im etwas größeren Regensburg.

Schaut man sich die Zahlen genauer an, keimt aber doch Hoffnung. Bei 94 Blutspendeterminen im BRK-Kreisverband Regensburg erschienen im vergangenen Jahr 9253 Menschen zum Blutspenden, im Schnitt also 98,4 Spender pro Spendetermin. Ein „Hunderter-Schnitt“ sei ja schon ganz gut, meint Christian Kohl, verweist aber auch auf die Nachbarregion Neumarkt, wo sich zu Blutspendeterminen durchschnittlich 143 Spender einfinden. Die „rote Ernte“ des Jahres 2016 betrug im BRK-Kreisverband Regensburg schließlich 8166 Blutkonserven. „Allein in Bayern werden täglich etwa 2000 Blutspenden benötigt“, skizziert die BRK-Sprecherin Stefanie Sklarzik den Bedarf. Die meisten Blutkonserven werden in der Krebstherapie eingesetzt. Steter Nachschub ist wichtig, denn Blutkonserven halten nur einen guten Monat, die bei einer Blutspende gewonnenen Thrombozytenkonzentrate sogar nur fünf Tage.

In einem Punkt ist Regensburg aber auch beim Blut ganz vorne dran. Es betrifft die Zahl der Erstspender, und die ist in Regensburg mit 16,1 Prozent sensationell hoch, lobt Christian Kohl. Im oberpfalzweiten Schnitt liegt sie nur bei 7, 9 Prozent.

„Jede zweite Person in Deutschland hat schon einmal Blut gespendet. Das zeigt die Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2016. Etwas anders sieht es in der jungen Generation aus: Nur 35 Prozent der 18- bis 25-Jährigen haben schon einmal Blut gespendet“, sagte die Leiterin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss, in Köln.

Wenn sich im Regensburger Raum mit 16,1 Prozent Erstspendern so viele Menschen zum Anzapfen bereiterklären, lässt dies immerhin auf eine Trendwende hoffen. Blut ist nämlich trotz der guten bayerischen Spendenbereitschaft knapp. Letztlich waren es laut dem BRK nur 250 000 Menschen, die Blut spendeten. Das sind gerade mal sieben Prozent der geeigneten Spender. „Es denken viel zu wenige an die Blutspende“, sagt die BRK-Sprecherin Sklarzik. Dabei könne eine einzige Blutspende drei Menschen das Leben retten.

Blutspenden auf die To-do-Liste

Immer wieder kommt es zu Engpässen, vor allem während der Ferien. Und die Situation verschärft sich. „Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Spender bundesweit ab“, sagt Marion Junghans vom privaten Blutspendedienst Haema. Das liege vor allem am demografischen Wandel, weiß auch Christian Kohl. Während die Zahl der jungen Spender sinkt, steigt die Zahl der älteren Empfänger. Für Blutspender gibt es allerdings eine Altersbegrenzung von 72 Jahren.

Vor allem in den Ferien kommt es regelmäßig zu Engpässen bei Spenderblut. Deshalb ruft gerade jetzt Christian Kohl zum Blutspenden auf. Auf der „To-do-Liste für die Ferien sollte neben Sonnencreme und Badehose auch das Blutspenden stehen“, wünscht sich der Mann vom BRK.

Wer nun bereit ist, sich für eine Blutspende pieksen zu lassen, hat beim BRK viele Möglichkeiten: 9. August, 16 bis 20 Uhr, Rotkreuzheim Rilkestraße 8; 14. August, 17 bis 20 Uhr, Sportzentrum Kareth-Lappersdorf; 23. August, 17 bis 20 Uhr BRK-Seniorenheim Neutraubling; 25. August, 14 bis 18 Uhr BRK-Haus Hohen-Kreuzweg 7; 28. August, 13 bis 19 Uhr Blutspendemobil an den Arcaden, Friedenstraße 23 und am gleichen Tag 16 bis 20 Uhr in Lappersdorf Senioren-Servicehaus, Seraph-Baumer-Weg 3; 29. August, 13 bis 19 Uhr Neutraubling, Globus-Blutspendemobil in der Pommernstraße.

Das Spendezentrum des privaten Blutspendedienstes Haema ist im Facharztzentrum in der Hildegard-von-Bingen-Straße nahe dem Krankenhaus Sankt Josef. Terminvereinbarungen unter Tel. (09 41) 280 897-0

Gut zu wissen

  • Wer kann spenden?

    Blut spenden kann man ab 18. Jahren, wenn man gesund ist und nach dem Arztgespräch beim Blutspendetermin vor Ort keine Gründe für einen Ausschluss festgestellt werden. Erstspender sollten nicht älter als 64 Jahre sein.

  • Was zu beachten ist

    Frauen können viermal, Männer sechsmal innerhalb von 12 Monaten Blut spenden. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von 56 Tagen liegen. Vor der Blutspende sollte man ausreichend essen und trinken. Eine vorherige Untersuchung durch den Hausarzt ist nicht nötig.

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