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Regensburg
Dienstag, 19. September 2017 16° 5

Skandal

Die späten Freuden des Werner A. Widmann

Angeblich hat sich das Regensburger Journalisten-Original gewünscht, dass Rosmarie Langer posthum ihre Liebe „outet“.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Das Cover mit Werner A. Widmann ist ihr Bildschirmschoner. Rosemarie Langer ist immer noch blond, weil Widmann blonde Frauen liebte.Foto: altrofoto.de
  • Werner A. Widmann mit seinen Freunden vom Freitags-Stammtisch Jörg Meier und Martin Kaltenbrunner (re.)

Regensburg.Wenn einer das Angebot bekommt, dass sein Konterfei für viel Geld auf einen Weizenstutzen gedruckt wird, dann muss er schon sehr berühmt sein. Werner A. Widmann ist dies passiert. Ihn kannte in Regensburg jeder. Wer einmal im Dritten Programm „Zwischen Spessart und Karwendel“ gesehen hat, musste ihn ja kennen. Der Widmann Werner (1926 bis 2010) hat das Format erfunden. Er war der erste im BR, der in Mundart moderierte, mit der Kamera hat er Bayern bis in den letzten Winkel „umgepflügt“. Kein Wirtshaus hat er ausgelassen. In Berlin wurden seine Beiträge mit Untertitel ausgestrahlt.

Nach seiner ganz prominenten Zeit mit Beppo Brem, Elfi Pertramer und Jürgen Hube war Widmann Lokalheld, Premiumkunde bei Tabak Götz („Black Diamond“ von Larsen) und Haus-Poet in der Wurstkuchl. Werner Widmann war dem Weizenbier nicht abhold, so 15 bis 20 Weizen konnten an einem seiner exzessiven Stammtisch-Freitage schon zusammenkommen. Aber er hat das ungeheuer attraktive Angebot vom Schneider-Bräu abgelehnt, allein durch das Weizenbier Nachruhm zu erfahren. Er sei wegen seiner Schriftstellerei, nicht wegen seiner Sauferei bekannt, sagte er.

Einblicke in das Leben des Originals

Der Vorhang ist gefallen über dem polternden Feingeist, der bei den Predigten aus dem Alltag in der Schottenkirche so sensibel und ehrlich über „die Blamasch“ gepredigt hatte und die Angst vor ihr. Jetzt kommt ein Nachruhm, den er sich nicht erträumt hätte. Vier Jahre und drei Monate nach seinem Bühnenabtritt taucht sein unvergessenes Konterfei, das die Genießer unter seinen Verehrern an den Wiener Kaffeehausliteraten Peter Altenberg erinnert, wieder auf einem Buchdeckel auf. „Nix Schöneres hätt mir ned passiern kenna…“ steht über dem bekannten Pfeifenraucher mit dem langen Schnauzer. Darunter werden Einblicke versprochen in das Leben von Werner A. Widmann.

Auf den ersten Blick freut man sich über die Wiederauferstehung des letzten Regensburger Journalisten-Originals, das rauchen konnte wie ein Schlot und saufen wie ein Loch und damit stolze 84 Jahre alt wurde. Aber während der Lektüre ist man sich seiner Gefühle nicht mehr sicher. Unangenehmes Fremdschämen greift Raum, diese Mischung aus Attraktion und Abscheu, die man empfindet, wenn man beim Friseur in der „Bunte“ über die Liebes-Irrungen eines 70-jährigen Fritz Wepper liest.

Ganz ohne Werbung sind bei Pustet alle Exemplare weg. In dieser Regensburger „Bunte“ aus dem Spielberg-Verlag werden alle Liebesbriefe öffentlich, hier wird berichtet, wie ihn Rosi Langer in sechs Monaten des Jahres 1999 zielstrebig rumgekriegt hat. Das liest sich süffig wie ein Weizenbock, aber der Kater bleibt nicht aus.

„Gans aus der Malergasse“

Ganz sicher kann man sich nicht sein, ob dem Werner Widmann, ruhe sanft im Zentralfriedhof, das gefallen würde, was die außereheliche „Wegbegleiterin“ seiner letzten Jahre, Rosemarie Langer, zwischen die Buchdeckel gepackt hat, wo doch seine Frau, seine Söhne und sein Enkel noch in Regensburg leben. Nicht auszuschließen, dass er wieder lospoltert und sie über ihr oft befragtes „Medium“ Susanne Band als „ungebildete Gans aus der Malergasse“ beschimpft. Denn auf dem Buchrücken sieht man ein Foto der beiden, sie hat den Arm um ihn und er schaut drauf wie ein verliebter Maikäfer: „Ich wollte doch nur, dass du mich liebst.“ Rosemarie Langer erzählt, dass sie diesen Satz als Buchtitel haben wollte. Sie hat seinen Mut zur Blamage. Ein Sohn hat den Titel verhindert.

Für seinen letzten noch lebenden Freund vom Freitagsstammtisch, MZ-Fotograf Dieter Nübler, ist es „schwer zu ertragen“, wenn er die intimsten Details eines 73-Jährigen lesen muss und erfährt, dass sein Werner beim ersten Rendezvous mit der Richtersgattin am heißen 30. Juni 1999 in der Walba gleich aufs Zimmer Nr. 6 ging, das sie für alle Fälle gebucht hatte. „Ich zog auch nur mein Dirndl aus. Werner staunte.“ Seinem Stammtischfreund Dieter Nübler zieht es die Zehennägel auf. Seine ärztlichen Befunde, das Drama mit seiner ersten Frau, Werner Widmanns Tremor, der erst nach dem zweiten Weizen aufhörte… – all das steht da brühwarm drin.

Dieter Nübler ist fassungslos: „Es gibt Grenzen des Anstands und der Freundschaft, die man nicht überschreiten sollte.“ Er denkt auch an andere Frauen in Regensburg, die ihn verehrt haben. „Die fallen in d’Froas.“ Rosemarie Langer indes ist überzeugt, dass sie „nicht nur seinem Herzen, sondern auch seinem Ruf gut tat“. Die Autorin und Malerin ist immer noch blond, weil Werner A. Widmann blonde Frauen liebte. Doch es war wohl nicht die von ihr behauptete Altersliebe, die sie verband. Rosemarie Langer und Werner A. Widmann hatten ein symbiotisches Verhältnis. Er wollte Bewunderung und die Schönheit aus der Malergasse sonnte sich in seiner Berühmtheit. Der Ur-Baier, der, wie man bei Langer lesen darf, kaum Zähne im Mund hatte, schmückte sich mit der Faschingsprinzessin der Saison 1970/71. Rosemarie Langer war seine Freitags-Frau, sein Bodyguard, seine Krankenschwester und seine Chauffeuse zu den Wirtshäusern im Umkreis.

Nübler erinnert sich: „Am Stammtisch war sie nicht gern gesehen. Sie hat sich ihm richtig aufgedrängt. Und er hat sie weggehaut: Wenn alle fort sind, sagte er, kannst mich abholen.“

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