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Regensburg
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Mobilität

Regensburg ist eine Unfallhochburg

In einer Studie zu Toten und Verletzten im deutschen Straßenverkehr landet die Domstadt bundesweit auf Platz 9.
Von Julia Ried, MZ

Zwei Verletzte gab es bei diesem Unfall im Juni 2014 auf der Kreuzung Landshuter Straße/Bajuwarenstraße.Foto: Kamera 24/MZ-Archiv

Regensburg.999 Menschen wurden 2014 im Regensburger Straßenverkehr verletzt, vier starben. Mit dieser traurigen Bilanz zählt Regensburg zu den „Verunglücktenhochburgen“, das hat jetzt eine Studie des Internetvergleichsportals „billiger.de“ ergeben, die auf Daten des Statistischen Bundesamts und der Länder basiert. Noch mehr Verletzte und Tote in Relation zur Einwohnerzahl gab es in Weiden, das auf Platz 1 in dem Vergleich von 100 Städten landete, sowie in Schweinfurt, Würzburg, Straubing, Erlangen, Bamberg, Ingolstadt und Koblenz.

Die Platzierung liege einerseits daran, dass Regensburg wachse, sagen Experten. Andererseits sei sie aber darauf zurückzuführen, dass die Stadt in den vergangenen Jahren versäumt habe, Regensburg fahrradfreundlicher zu machen und den öffentlichen Nahverkehr stärker auszubauen, so lautet die Analyse von Christian Hammer vom Kreisverband Regensburg des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

35 Prozent über dem Schnitt

In Regensburg verunglückten pro 100 000 Einwohner 705 Menschen auf den Straßen im Stadtgebiet, das sind 35 Prozent mehr als der von dem Internetportal ermittelte Durchschnitt. Und viele der Verletzten sind Fahrradfahrer, konkret waren es im Jahr 2014 284 von den Opfern der 747 Unfälle, die sich nicht auf den Autobahnen ereigneten; diese erfasst die Verkehrsunfallbilanz der Polizei nicht. Radler trifft es oft besonders hart: Von den 93 Schwerverletzten saßen 2014 nur 16 in einem Pkw. 15 waren zu Fuß unterwegs, 36 mit dem Rad. „Das ist der fehlenden Knautschzone geschuldet und der Häufigkeit, mit der Fahrradfahrer vertreten sind“, erklärt ein Polizeisprecher dazu.

Ordnungsreferent Dr. Wolfgang Schörnig kommentiert die Statistik so: ,„Sie sehen hier die Auswirkungen, dass Regensburg eine Boomtown ist.“ Weit mehr als 100 000 Arbeitsplätze bietet sie, die Folge sei: „Wir haben eine hohe Zahl an Pendlern“, wie Schörnig sagt, circa 70 000. Dazu kommen der Verkehrsunfallbilanz der Polizei zufolge circa 16 000 Auspendler. Auch trügen mehr als 30 000 Studenten zum Verkehrsaufkommen bei und weit mehr als 900 000 Übernachtungsgäste im Jahr. Schörnig kommt deshalb zu der Einschätzung: „Insgesamt ist es leider so: Wenn es einer Stadt gutgeht, dann steigt auch der Verkehr überproportional.“

„Insgesamt ist es leider so: Wenn es einer Stadt gutgeht, dann steigt auch der Verkehr überproportional.“

Dr. Wolfgang Schörnig, Ordnungsreferent

Speziell sind zu viele Autos auf den Straßen unterwegs, stellt Hammer vom VCD fest. „Regensburg hat immer noch einen sehr hohen Anteil an Kraftfahrzeugverkehr.“ In einer Haushaltsbefragung sei 2011 ein Anteil von 43 Prozent festgestellt worden. 14 Prozent betrug der des ÖPNV, 23 Prozent der des Radverkehrs, 20 Prozent seien zu Fuß unterwegs. Was den motorisierten Individualverkehr angehe, habe sich nicht viel geändert. „Der Fahrradverkehr hat sich etwas zu Lasten des ÖPNV ausgebaut“, sagt Hammer. „Man müsste die Leute dazu bewegen, dass sie vermehrt den ÖPNV nutzen.“ Zusätzliche Bahnhaltepunkte würde er begrüßen.

Experte: Schutzstreifen sicherer

Zum Schutz der Radfahrer „könnte man an der Radverkehrsführung einiges machen“, sagt er. Er denke etwa an mehr Schutzstreifen, die sicherer seien als viele Radwege – auf diesen würden Radler zum Teil schlecht gesehen. Sinnvoll wären weitere Fahrradwege, die nicht parallel zu Straßen verlaufen, wie etwa der 2014 geschaffene vom Candis-Areal zum Bahnhof.

Auch Schörnig räumt ein: „Die Fahrradwege in Regensburg gehören optimiert.“ Planungsreferentin Christine Schimpfermann betont: „Es geht mir darum, den Radverkehr in der Fläche zu verbessern.“ Auch an den Bahnhaltepunkten seien die Stadtplaner dran. „Der Bahnhaltepunkt Walhallastraße ist ja schon gesetzt“, sagt sie. „Auch weitere sind im Gespräch.“

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