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Regensburg
Freitag, 28. Juli 2017 25° 3

Vorhaben

Die Tage des Schmauskellers sind gezählt

Ende einer Regensburger Traditionsgaststätte: Die Wirtin will im Sommer Schluss machen. Die Kirche plant dort einen Neubau.
Von Norbert Lösch. MZ

Im Fenster spiegelt sich die Wolfgangskirche: Der Schmauskellers in Kumpfmühl macht dicht. Foto: Lösch

Regensburg.Das Thema ist zwar längst Tagesgespräch in Kumpfmühl, Informationen gibt es offiziell aber nur bruchstückhaft: Die Traditionsgaststätte Schmauskeller wird bald Geschichte sein. Die Kirche plant dort eine völlig neue Bebauung und hat der Wirtin bereits gekündigt. Die will nach dem Betriebsurlaub im August gar nicht mehr aufsperren.

Seit 1929 hieß der Schmauskeller „Bischofshofer-Restauration“. Das Foto zeigt eine Fronleichnamsprozession vor dem alten Gebäude, das im Krieg zerbombt wurde. Foto: MZ-Archiv

Zum Wirtshaus-Areal, auf dem das Bischöfliche Ordinariat als Hausherr neu bauen will, gehören auch ein Friseur- und ein Raumausstatter-Geschäft. Die Betroffenen geben sich zugeknöpft. Wirtin Christa Lerach hat zwar ihre Stammgäste informiert, will sich derzeit aber nicht gegenüber der Presse äußern. Sie bestätigte lediglich die Kündigung des Pachtvertrags durch die Kirche und kündigte an, schon im Sommer zusperren zu wollen.

Die benachbarten, ebenfalls betroffenen Geschäftsleute verneinen, dass sie ebenfalls die Kündigung bekommen haben. Gleichwohl wissen sie von den Plänen der Kirche, die aber nach allem, was ihnen gesagt wurde, noch unausgegoren sind.

„Am Anfang eines Denkprozesses“

Was ist Fakt? Wir fragten beim Bischöflichen Ordinariat nach. Pressesprecher Clemens Neck kündigt für den Sommer eine Pressekonferenz an, beantwortet aber dennoch Fragen unserer Redaktion. Demnach gehören das Gebäude und der Grund rund um den Schmauskeller der Bischöflichen Administration. Und diese wolle dort tatsächlich ein größeres Bauprojekt realisieren.

„Allerdings befindet sich das gesamte Vorhaben derzeit in der Planungsphase. Wir stecken noch ganz am Anfang eines Denkprozesses“, so Neck. Aktuell seien wesentliche Details noch nicht festegelegt. Entsprechend gebe es auch noch keine Modelle oder Pläne.

„Zünftig ging es zu am Schmauskeller“

  • Die Bischof-Wittmann-Straße:

    Die heutige Bischof-Wittmann-Straße ist eine der ältesten Wegebeziehungen zwischen der Altstadt und dem Umland von Regensburg. Eine Flurkarte von Kumpfmühl aus dem Jahr 1585 lässt schon klar ihren Verlauf erkennen. Drei Jahrhunderte später wird sie als „Weg auf den Stadler- und Behnerkeller“ bezeichnet. Im 19. und 20. Jahrhundert erschloss sie nämlich große Bierkeller, in denen der Gerstensaft für die Schänken in der Stadt gelagert wurden.

  • Die Geschichte des Schmauskellers: In seinem Regensburger Standardwerk hat Karl Bauer die Geschichte des Schmauskellers nachgezeichnet. Er schreibt: „Zünftig ging es zu bei den Sommerfesten am Schmauskeller, wenn unter dem Schatten mächtiger Kastanienbäume die Kapelle des „Radfahrer Trompetenkorps“ aufspielte“. Kumpfmühl sah damals noch anders aus: „Wogende Getreidefelder umgaben den beliebten Schmauskeller, und kein Haus störte die Aussicht über die Stadt.“

Momentan sei der Bauherr dabei, erst einmal die Voraussetzungen abzuklären. Neck: „Zurzeit läuft eine Anfrage an die Stadt wegen der grundsätzlichen Bebaubarkeit des Areals. Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst weitere und genauere Information geben können.“

Betroffen ist wohl auch die Schützengesellschaft (SG) Weiße Taube. Der Verein hat im Keller des Wirtshauses seinen Schießstand. „Wir verfolgen die Entwicklung mit Tränen in den Augen“, räumt SG-Vorsitzender Anton Götz unumwunden ein. „Es ist einfach schade, dass in Kumpfmühl schon wieder eine Gaststätte schließt. Und dass es auch noch unser Vereinslokal ist, trifft uns doppelt.“

Nach seinen Informationen verfolgt die Kirche auch den Plan, die ungute Situation des Kindergartens von St. Wolfgang endlich zu beenden. Der nutzt nämlich bislang ein Gartengrundstück auf dem Schmauskeller-Areal als zusätzliches Freigelände. Die Kinder müssen jedes Mal die Straße überqueren, wenn dort Spielen im Freien angesagt ist. Möglicherweise wird der Kindergarten künftig vollständig auf der anderen Straßenseite angesiedelt. Was dann mit dem Altbau geschieht, steht in den Sternen. Eine Sanierung erscheint aber angesichts des Zustands des Gebäudes als nicht abwegig, und Platz für mindestens einen weiteren Bau gäbe es dort auch.

Neuer Kinderhort für St. Wolfgang?

Die Verlegung des Kindergartens ist beim Bauherrn offenbar auch noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Pressesprecher Neck spricht auch hier von Überlegungen, die zumindest aber ein definiertes Ziel hätten: „In Zusammenarbeit mit der Pfarrei Sankt Wolfgang sollen in dieser begehrten Wohnlage Kumpfmühls ein neuer Kindergarten und familienfreundlicher, bezahlbarer Wohnraum entstehen.“

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