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Regensburg
Sonntag, 22. Oktober 2017 12° 7

Triathlon

Sebastian Neef schafft den Durchbruch

Die Siege gehen an Diana Riesler und Jan Raphael, doch die Challenge-Bühne gehörte einem Regensburger Vizemeister.
von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Sebastian Neef beim Zieleinlauf. Foto: Brüssel

Regensburg.Immer wieder legte sich Sebastian Neef flach auf den Boden – und immer wieder rappelte er sich am Domplatz auf. Neef hier, Neef da, alle wollten etwas von dem Regensburger. Interview, Blumen-Zeremonie, Dopingkontrolle: Auf den 28-Jährigen stürzte einiges ein. Ja gut, gewonnen hatten bei der Challenge in Regensburg andere: Diana Riesler legte bei den Frauen eine famose persönliche Bestzeit von 8:51:02 Stunden nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und dem 42,2-Kilometer-Lauf hin.

Aber Titelverteidiger Jan Raphael (8:02:32 Stunden) hatte Neef zweieinhalb Disziplinen geärgert, richtig geärgert – und damit wohl auf seiner erst dritten Langdistanz und der zweiten ins Ziel gebrachten nach der Regensburg-Premiere 2016 den Durchbruch gefeiert. Wobei nach deutscher Verbandslogik der Titel eines deutschen Meisters nur an Raphael, aber nicht an Riesler ging, weil die 33-Jährige für einen spanischen Verein startet und damit die viertplatzierte Nina Kuhn aus Mainz (9:33:06) nachrückte.

Lesen Sie hier: Vor dem Start machte Sebastian Neef eine kleine Kampfansage

Sebastian Neef belohnt sich selbst mit einer Bierdusche. Foto: Brüssel

Dass fast elf Minuten Vorsprung auf Raphael verlorengingen, war hinterher für Sebastian einerlei. „Es überwiegt die Freude, eindeutig“, sagte er. „Der Jan macht das ja auch schon 20 Jahre.“ Schließlich war nach dem Ausstieg mit maladem Knie vor ein paar Wochen in Roth ja noch nicht einmal klar gewesen, ob er das diesmal durchstehen kann in Regensburg. Wie Sebastian Neef das tat und auch den Vorjahres-Zweiten Chris Fischer aus Dänemark in 8:10:42 zu 8:14:13 deutlich auf Distanz hielt , nötigte auch dem Sieger allen Respekt ab.

„Ich hatte gedacht, dass er vielleicht komplett wegbricht“, sagte der 37-jährige Raphael, der Neef ungefähr auf halber Laufstrecke überholte. „Da verlierst du ratzfatz auch mehr. Aber er hat sich gut gefangen und das gut nach Hause gebracht. Das ist immer Spekulation, aber vielleicht war das auf dem Rad auch jugendlicher Leichsinn. Das ist mir früher auch passiert, dass ich das geil fand, weil es dich einfach pusht.“

Aufholjagd nach Toilettengang

Jan Raphael selbst war es anfangs zu kalt bei dem Rennen, das bei Nieselregen am Guggenberger See in Neutraubling um 6.30 Uhr gestartet war, was auf den ersten der drei Radrunden zunächst zudem für nasse Straßen sorgte. „Sebi war auf dem Rad brutal gut, eine Klasse besser. Normal hast du bei so einem Rückstand keine Chance mehr, also bin ich volles Risiko gegangen.“ Aber erst nach einem Toilettengang auf dem ersten Kilometer des Marathons. „Es war mir fast zu schnell, wie ich ihn eingeholt habe, die dritte Laufrunde hätte auch gereicht“, berichtet Raphael, der nur knapp an der ersten Zeit unter acht Stunden in seiner Karriere vorbeigeschrammt war.

Sieger Jan Raphael gönnt sich erst mal einen Schluck nach seiner Zielankunft. Foto: Brüssel

Bei seinem ersten deutschen Langdistanz-Titel („Auf der Olympischen Distanz war ich zweimal Meister“) in seinem 30. Langdistanz-Rennen („Ich bin kurz vor Feierabend“) sparte Jan Raphael nicht mit Lob für Regensburg: „Im Vorjahr war zwar das Wetter besser, aber die Stimmung war diesmal deutlich cooler.“ Nicht zuletzt deswegen wird sich Raphael wohl am 12. August 2018 am Hattrick versuchen, wenn es in Regensburg um die Europameisterschaft gehen wird. „Es gibt Rennen, die liegen dir eben. Und wenn du so einen Rückstand aufholst, dann bleibt das im Kopf.“

Sebastian Neef wird dieses Heimrennen auch noch mehr als Platz sechs 2016 im Kopf bleiben. Der Lokalmatador, der im nächsten Jahr sein Lehramtsstudium zu Ende bringen will und danach dann für 2019 das erste Mal die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii anpacken will, genoss jeden der letzten Schritte auf dem roten Teppich des Zielbereichs. „Was willst du mehr vor heimischem Publikum? Ich war mir ja auch nicht sicher, ob ich den Marathon überhaupt durchbekomme.“

Lesen Sie hier: Wenn Einsteiger am Domplatz strahlen

Schon am Guggenberger See war Neef als Erster aus dem Wasser gekommen, hatte die Führung erst in der Wechselzone kurzzeitig abgegeben und sie sich auf dem Rad mit der eindrucksvollen Zeit von 4:13:35 Stunden wiedergeholt – auf die wiederum Jan Raphael seinerseits mit einem superschnellen 2:45:12-Marathon antwortete. „Ja, der kleine Dicke kann noch laufen“, witzelte Raphael. „Und ich bin absolut happy mit Platz zwei“, fühlt sich Neef angekommen in der Langdistanz-Welt.

Diana Riesler jubelte bei den Frauen. Foto: Brüssel

Und Diana Riesler? Die hatte schon im Vorfeld von sich aus die Frauen-Schallmauer angesprochen und im Endspurt auf dem Kurs sogar einen Zuruf zum deutschen Langdistanz-Rekord bekommen. „Das war mein Trainer“, sagte Riesler, „aber da haben dann ja wohl ein paar Minuten gefehlt.“ Sehr schnell hatte Riesler eine halbe Stunde Vorsprung herausgeholt und sich die Uhr als ihre einzige Gegnerin entpuppt. „Ich wollte ja noch einmal die neun Stunden knacken.“ Dabei war längst nicht alles perfekt gewesen: „Die ersten zwei Stunden habe ich nur geflucht“, sagte Riesler. „Es war auf der zweiten und dritten Runde auch ganz schön windig. Aber es ist eine richtig schöne Strecke.“

Karriere-Ende mit so einer Zeit?

Regensburg-Neuling Riesler lobte das Rennen wie Regensburg-Rückkehrer Jan Raphael über den grünen Klee. „Es ist einer der schnellsten Kurse, die es gibt. Die Stimmung war super und ich habe von der Organisation noch nie so einen perfekt abgesperrten Radkurs gesehen“, sagte sie. Eine Riesler-Entscheidung gerät damit wieder ins Wanken: „Vor dem Rennen habe ich gesagt, dass ich nach dieser Saison aufhöre.“ Ob das nach so einem Auftritt noch gilt?

Lesen Sie auch: Die Strecken aufzuteilen, scheint das ideale Pärchen-Format. Bei Tom Stecher und Sonja Tajsich war es etwas ganz Besonderes.

Wenn Diana Riesler kommt, hofft Renndirektor Tom Tajsich auf ein größeres Teilnehmerfeld. „Zum einen findet dann der Ironman Hamburg nicht parallel statt, zum anderen wird der eine oder andere Engländer vorbeischauen, sage ich mal salopp“, sagt Tajsich, der ansonsten rundum zufrieden war. „Bis auf das Wetter am Anfang und zwei kleinere Läufe hat alles zu 110 Prozent gepasst.“

Was beim Challenge über den Tag passiert ist, lesen Sie hier nach:

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