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Regensburg
Freitag, 1. Juli 2016 28° 1

MZ-Themenwoche

Diese Trassen beschleunigen die Busse

Brücken, Trassen, Bahnhaltepunkte – bei einem Planspiel brachten die Macher der Verkehrsbetriebe ihre Träume zu Papier.
Von Heike Haala, MZ

RVV-Chef Kai Müller-Eberstein (v. l.), RVB-Betriebsleiter Frank Steinwede und Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Koller beim Planspiel Bustrassen Foto: Lösch

Regensburg.Der Filzstift quietscht, als RVV-Chef Kai Müller-Eberstein eine dicke, orange Linie auf dem Regensburger Stadtplan zieht. Diesen Strich führt er von der B 8 bei Kneiting über die Donau und mitten in den Regensburger Stadtwesten bei Prüfening hinein. Ja, Müller-Eberstein hat hier gerade die Kneitinger Brücke gemalt. Bei den Stadtwerken ist er nicht der einzige, der sich dieses Bauwerk wünscht. Auch RVB-Betriebsleiter Frank Steinwede und Manfred Koller, Geschäftsführer bei den Stadtwerken, sehen Bedarf. Die MZ hat die drei Herren zum Planspiel Bustrassen gebeten und sie damit auch aufgefordert, die Infrastruktur ihrer Träume für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Regensburg zu Papier zu bringen.

Geschwindigkeit als Anreiz

Und die ÖPNV-Chefs wissen genau, was sie wollen: Sie wollen dem öffentlichen Nahverkehr in Stadt und Landkreis im wahrsten Sinne des Wortes richtig Gas geben. Wer hier mit dem Bus unterwegs ist, soll unter allen Umständen schneller am Ziel sein, als wenn er die Strecke mit dem Auto zurücklegen würde. Nur wenn den Öffentlichen Priorität eingeräumt wird, werden sich die Menschen generell für den Bus als Verkehrsmittel entscheiden - da sind sich die drei Herren ganz sicher. So könnte der öffentliche Nahverkehr nicht nur die strapazierte Verkehrsinfrastruktur in Regensburg entlasten, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Experten fordern dafür bauliche Maßnahmen, weil es ihrer Meinung nach keinen Sinn macht, noch mehr Busse auf die Strecken zu schicken. Die würden den Verkehrsfluss nur noch weiter bremsen.

Die Version einer Kneitinger Brücke der ÖPNV-Chefs soll also eine für den öffentlichen Nahverkehr sein. Solange es noch nicht so viele elektrifizierte Autos in der Stadt gibt, würden sie auch bei dieser Art des Individualverkehrs ein Auge zudrücken und die Brücke dafür freigeben. Prinzipiell aber sollen die Regensburger ihr Auto an dieser Stelle stehen lassen. Denn neben die Brücke hat Steinwede eine Park-and-ride-Station ans nördliche Ufer der Donau gemalt. Die Landkreisbewohner oder auch Pendler aus Richtung Nürnberg können hier in den Bus umsteigen. Wer nicht in die Stadt will, soll an dem verstärkten Bahnhaltepunkt in Prüfening, den die Herren ebenfalls in die Karte eingezeichnet haben, seine Weiterreise mit dem Zug antreten können.

Koller zeichnet noch eine weitere neue Brücke für Busse in den Stadtplan – für elektrische: Und zwar die beim Grieser Steg. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hatte diese Möglichkeit vor kurzem ins Spiel gebracht. Die Busspur, die über den Grieser Steg durch Stadtamhof führt und am Dultplatz endet, ist Teil eines ausgeklügelten Bustrassensystems, das die Regensburger ÖPNV-Chefs der Stadt gerne verpassen wollen. Auf diesen Strecken soll der Busverkehr absoluten Vorrang haben.

Sehen Sie in unserer interaktiven Grafik , wie die Experten ihre Wünsche zu Papier brachten.

Vorrang für den Busverkehr

Etwa in der Landshuter Straße, in der Prüfeninger Straße oder bei der Kreuzung Nordgau- und Frankenstraße stellen sich Koller, Steinwede und Müller-Eberstein solche Trassen vor. Knackpunkt für die ÖPNV-Verantwortlichen ist, dass diese Trassen durchgängig sein müssen. „Also nicht so wie jetzt“, sagt Koller. Zudem sollen die Busse hier eine bevorzugte Ampelschaltung haben.

Eine weitere Trasse in der Altstadt führen Steinwede und Koller an der Donauparallele entlang, über die Dr.-Martin-Luther-Straße bis hin zu einem weiteren neuen Bahnhaltepunkt bei der Galgenbergbrücke. Obwohl die Busse auf dieser Trasse in der Innenstadt unterwegs sind, sollen sie hier absoluten Vorrang haben. Das bedeutet für sie auch, dass Parkplätze am Straßenrand dem Busverkehr weichen müssten.

Momentan ist die Innenstadt das Nadelöhr für den ÖPNV. Sobald Fahrer diese Grenze passieren, kostet sie das Zeit. Hier müssen sie ständig warten: Nicht nur an den Ampeln, sondern auch, wenn Lieferanten oder Müllautos am Straßenrand parken oder ein Autofahrer seine Tür öffnet und diese dann zu weit in die Straße hineinragt. „All diese unvorhergesehenen Zwischenstopps müssen wegfallen“, sagt Koller. Die Bustrasse durch die Altstadt soll nach den Vorstellungen der ÖPNV-Experten auch mit einer Spur für Fahrradfahrer ausgestattet werden. Auch diese Verkehrsteilnehmer in der Innenstadt sollen schneller am Ziel sein, als wenn sie sich für das Auto entscheiden würden.

Eine Innovationslinie könnte die Altstadt mit der OTH, der Universität, den am Tech-Campus angesiedelten Firmen sowie der Continental-Arena verbinden. Auf die Frage hin, ob auf dieser Strecke auch Segways oder die Stadtbahn unterwegs sein könnten, antwortet Koller: „Hauptsache hochattraktiv.“ Mehr wollte er dazu aber noch nicht sagen.

Zudem schweben den drei ÖPNV-Experten neue Bahnhaltepunkte vor, bereits bestehende wollen sie stärken. Nur wenn die öffentlichen Verkehrsmittel an diesen Schnittstellen perfekt verzahnt sind, werden die Kunden damit schneller am Ziel sein als mit dem Auto. Das Umsteigen in ein anderes öffentliches Verkehrsmittel darf keine Zeit kosten.

Der bereits bestehende Bahnhaltepunkt in Prüfening könnte ausgebaut werden, um die Passagiere aufzunehmen, die über die ÖPNV-Version der Kneitinger Brücke im Stadtwesten ankommen. Der Haltepunkt bei der Walhalla-Allee könnte reaktiviert werden und die Pendlerströme aus Norden aufnehmen. Geht es nach Müller-Eberstein, werden diese Arbeitnehmer mit einer neuen Buslinie über die Osttangente zu den großen Firmen im Stadtosten weiterkutschiert. Neue Bahnhaltepunkte, die die ÖPNV-Chefs erschaffen wollen, liegen an der Kreuzung Kirchmeierstraße/Kumpfmühler Straße, an der Galgenbergbrücke und an der Kreuzung Landshuter Straße/Hermann-Geib-Straße.

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