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Idee

Dieses Konstrukt macht Müll zu Geld

Sie führen Flaschen in den Recyclingkreislauf, sie ersparen Bedürftigen das entwürdigende Wühlen im Müll und der Stadt sind sie zu teuer – Pfandringe.
Von Heike Haala, MZ

Ein Pfandring von Paul Ketz an einem Mülleimer Foto: Matthias Ketz

Regensburg. Tina Lorenz, Stadträtin der Piraten, würde gerne etwas ausprobieren. Sie wünscht sich einen Modellversuch in Regensburg für ein Konstrukt, das sich Pfandring nennt. Pfandringe, das sind Manschetten aus Stahl, die an den öffentlichen Mülleimern angebracht werden. Ihr Erfinder Paul Ketz beschreibt sie als eine Mischung aus Mülleimer und Getränkekiste. Der 25-Jährige arbeitet in Köln als Designer und hat mit den Pfandringen bereits den Bundespreis Ecodesign abgestaubt. Wer eine Pfandflasche loswerden möchte, weil er das Geld nicht braucht, der stellt sie in den Pfandring. Wer auf das Pfand angewiesen ist, nimmt sie sich heraus. Für Ketz ist der Pfandring so eine Art Brückenstück für ein besseres Miteinander. 130 bis 200 Euro kostet ein Ring im Zehnerpack – die Kosten für einen öffentlichen Mülleimer dagegen belaufen sich seinen Angaben zufolge auf 1000 Euro.

Die Vorteile liegen für Ketz auf der Hand: Dass Pfandflaschen im Müll landen, obwohl sie ein Wertstoff sind, stört ihn. „Im Jahr werden 250 Millionen Euro an Pfandwert verbrannt“, sagt er. Mit den Pfandringen können zumindest einige Flaschen dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. Zudem erspart seine Konstruktion den Bedürftigen das entwürdigende Wühlen im Müll. Die Pfandflaschen werden ihnen quasi auf einem Tablett serviert. Der Pfandring aber schützt darüber hinaus auch ihre Gesundheit – immerhin liegen in öffentlichen Mülleimern auch oft Scherben, Hundekottüten oder Spritzen von Drogenabhängigen. Tina Lorenz sieht noch einen weiteren Nutzen in den Pfandringen: Davon abgesehen, dass die Bedürftigen auf diese Weise nicht mehr bis zur Achsel in die riesigen Regensburger Mülleimer greifen müssen, um an die Pfandflaschen zu gelangen, könnten die Pfandringe auch helfen, Müll zu vermeiden.

In Bamberg und Köln sind die Pfandringe schon angebracht. In Karlsruhe baut Ketz sie diese Woche auf. Weitere Städte haben bereits angefragt. Die Stadt Regensburg aber winkt ab: Der Vorschlag, Pfandflaschenhalter an den Abfallbehältern anzubringen, wurde schon einmal vom zuständigen Fachamt geprüft, berichtet Juliane von Roenne-Styra, die Pressesprecherin der Stadt. Die Pfandflaschenringe seien zu teuer: Je nach Abfallbehälterart kosten die Pfandflaschenhalter ihren Informationen zufolge 300 bis 400 Euro. Erfahrungen aus anderen Kommunen hätten zudem laut von Roenne-Styra gezeigt, dass das Angebot zum Pfandflaschensammeln dazu führt, auch Abfall anderer Art dort abzulegen. „Deswegen hält es die Stadt nicht für sinnvoll, diese zu beschaffen“, sagt von Roenne-Styra.

Ihre Kollegin aus Bamberg sieht das ganz anders. Ulrike Siebenhaar ist Sprecherin der Stadt Bamberg und erzählt, dass dort seit Januar ein einjähriger Versuch mit den Pfandringen läuft. Die zwei Ringe ließ Bamberg sich 670 Euro kosten. Siebenhaars Erfahrungen zufolge sind die Ringe derart klug konstruiert, dass es eben nicht möglich ist, dort Kaugummis, Dosen oder anderen Müll abzuladen. Auch die Entleerung sei problemlos möglich.

Sie kennt das Argument der Anschaffungskosten. Ab und zu würden sich auch Kritiker bei der Stadt melden, die der Meinung sind, es wäre sinnvoller, das Geld in ein soziales Projekt zu stecken, um auf diese Weise zu helfen. Dem hält Siebenhaar entgegen: „Hier fließt bares Geld durch“, sagt sie. Lange stehen die Flaschen ihren Angaben zufolge nicht in den Ringen. Es gebe in Bamberg Menschen, die darauf angewiesen sind, Pfand zu sammeln, von daher sieht sie die Pfandringe ohnehin als soziales Projekt. Zudem seien die Ringe an zwei zentralen Plätzen angebracht. Wenn Stadtfeste steigen, dann würden die Budenbetreiber schon bis zu zwei Euro Pfand verlangen. Wer mit diesem Geld etwas Gutes tun will, kann seine Flasche eben auch dann in den Ring stellen.

Da aber die positiven Reaktionen überwiegen, denken die Bamberger bereits über Lösungen für Altglascontainer nach. „Immer wieder landen ja auch Bierflaschen im Müll, für die sich ein Bedürftiger noch Pfand abholen könnte“, sagt Siebenhaar.

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