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Regensburg
Mittwoch, 28. September 2016 22° 3

Gericht

Drogenbrief landet beim Anwalt

Eine Regensburgerin wollte ihrem Freund in der JVA Heroin schicken. Aber: Sie hatte die Post nicht ausreichend frankiert.
Von Marion von Boeselager, MZ

Die 36-Jährige wurde bereits mehrfach bei Heroinverkäufen erwischt. Symbolfoto: dpa

Regensburg.Eine 36-jährige Regensburgerin wollte ihrem rauschgiftsüchtigen Lebensgefährten, der in der Justizvollzugsanstalt in der Augustenstraße hinter Gittern saß, Drogen in die Haftzelle schmuggeln. Da kam sie auf eine raffinierte Idee: Sie packte 4,16 Gramm Heroin in einen Umschlag und adressierte ihn an ihren Freund im Knast. Als Absender gab sie jedoch nicht sich selbst, sondern die Kanzlei der Verteidiger des Häftlings an und fälschte dazu sogar den Poststempel der Sozietät. Die „Verteidigerpost“, glaubte sie, würde nicht von den Justizbeamten kontrolliert werden. Allerdings passte die Regensburgerin beim Frankieren des Briefes nicht auf. Da sie Marken mit einem zu geringen Porto aufklebte, ging die Sendung an den Absender zurück und landete im Posteingang der Regensburger Anwaltskanzlei.

DNA-Abgleich ergab Treffer

Dort gerieten die Juristen selbst in die Bredouille: Denn der Besitz von Rauschgift ist strafbar. Die Anwälte verständigten die Staatsanwaltschaft, dass sie keinen Besitzwillen an dem Heroin hätten, und wandten sich an die Polizei, die den Brief beschlagnahmte. Die echte Absenderin der Drogenpost ließ sich unschwer ermitteln: Die seit ihrem 20. Lebensjahr drogenabhängige und mehrfach einschlägig vorbestrafte Frau hatte auf dem Brief ihre Fingerabdrücke und DNA-Spuren hinterlassen. Die Datenbank der Ermittler warf ihren Namen aus.

Am Dienstag stand die Regensburgerin wegen Drogenbesitzes, -abgabe und -handels in nicht geringer Menge vor dem Regensburger Landgericht. Neben der Heroinpost war die 36-Jährige 2014 auch noch mehrfach bei Heroinverkäufen, unter anderem in Regensburger Spielcasinos, erwischt worden.

Vor Gericht räumte die Angeklagte alle Vorwürfe ohne Umschweife ein. Sie habe es damals „als Erlösung“ empfunden, erwischt zu werden. Nun hoffe sie durch eine Therapie auf ein straffreies Leben.

Angeklagte hatte „Helfersyndrom“

Der psychiatrische Sachverständige bescheinigte der schwer heroinabhängigen Frau ein Helfersyndrom. Da sie sich schon früh um ihre jüngeren Geschwister habe kümmern müssen, sei sie später bei der Partnerwahl oft an unselbstständige, schwache, drogensüchtige Männer geraten, die sie „bemutterte“. Das sei so weit gegangen, dass die Regensburgerin für ihre jeweiligen Freunde Straftaten wie Drogenfahrten in die Niederlande unternahm, vor Gericht einen Meineid schwor oder, wie hier, ihnen Drogen in den Knast schickte. Zwölf Vorstrafen gehen bereits auf das Konto der hafterfahrenen Frau.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten verurteilte das Gericht unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl die Regensburgerin zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten und ordnete ihre Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Zugunsten der vermindert schuldfähigen Angeklagten schlug ihr Geständnis zu Buche. Zulasten der 36-Jährigen, die unter laufender Bewährung stand, hob Kimmerl die Gefährlichkeit des Heroins hervor, der „Droge mit dem größten Suchtpotenzial“. Auch spreche der Versuch, einen Drogenbrief als Verteidigerpost in die JVA einzuschmuggeln, für kriminelle Energie. Die Staatsanwältin hatte vier Jahre, die Verteidigung drei Jahre und sechs Monate Haft und Unterbringung beantragt.

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