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Regensburg
Montag, 23. Oktober 2017 4

Immobilie

Ein Schandfleck steht zum Verkauf

Für 2,4 Millionen Euro kann das Haus in der Thundorferstraße erworben werden. Die Voraussetzung: Der Käufer zahlt den Preis in bar.
Von Hans Scherrer, MZ

Diese heruntergekommene Immobilie in der Thundorferstraße ist für 2,4 Millionen Euro zu haben. Foto: Scherrer

Regensburg. Noch bis voraussichtlich 11. September wird die Thundorferstraße eine Baustelle sein. Danach aber ist sie wieder das, was sie in den letzten Jahren schon war: eine hochattraktive Flaniermeile am Marc-Aurel-Ufer entlang der Donau – von Einheimischen wie von Touristen gleichermaßen frequentiert. Wäre da nicht dieser hässliche Schandfleck an der Ecke zur Lindnergasse, ein rußgeschwärztes Gebäude, das schon seit Jahren dem Verfall preisgegeben ist.

Eine Zeit lang hatten sich dort obdachlose Menschen illegal einquartiert; wiederholt hatte es in dem Haus auch gebrannt. Und immer wieder wurden Fensterscheiben eingeworfen. Das Gebäude war schließlich so heruntergekommen, dass es für Touristen schon wieder ein lohnendes Fotomotiv war. Auf Anweisung der Stadt wurde schließlich die Außenfassade notdürftig gestrichen.

„Bedenken Sie doch diese Lage“

Diese Immobilie soll nun offenbar veräußert werden, wie ein großes Transparent an der heruntergekommenen Fassade zeigt. „ZU VERKAUFEN jede Nutzung --- ca 300 qm ---Neubau erlaubt --- Schnäppchenpreis! --- 1 qm nur 8.000 Euro --- Geldübergabe Bar in Koffer --- kein Scheck - keine Überweisung!“ heißt es in ungelenkem Deutsch. Unterzeichner ist „Direktor Erhard Adler“; Info 01578-2256273.

„Ungefähr zwölf bis 14 Interessenten“ hätten sich bislang bei ihm gemeldet, sagte Adler gestern gegenüber der MZ, aber keiner sei bereit gewesen, die Summe bar auf den Tisch zu blättern. Und dass der Preis – 2,4 Millionen Euro – für diese Immobilie überteuert sein könnte, das weist Erhard Adler deutlich zurück. „Bedenken Sie doch einmal diese Lage. Wenn zum Beispiel ein Ölscheich dieses Haus kauft und dort eine Villa baut, dann beherrscht der doch locker die ganze Stadt!“

Wenn das so ist, warum errichtet er dann dort nicht selbst einen Herrschaftssitz? „Weil ich jetzt 64 Jahre alt bin“, sagt Adler; „für mich ist das Leben gelaufen. Diesen Stress tue ich mir nicht mehr an.“ Und noch eines stellt Erhard Adler klar: „Die 2,4 Millionen werden beim Finanzamt sauber versteuert. Ich will kein Schwarzgeld; das hab’ ich gar nicht nötig.“

Ursprünglich, so erzählt er, sei dieses Gebäude in der Thundorferstraße als Stützpunkt für seine Königlich-Bayerische Dampfeisenbahn geplant gewesen, die in den 90er-Jahren in Regensburg verkehrte. „Vielleicht hätte man in diesem Haus auch ein Eisenbahnmuseum errichten können. Aber dann hat uns die Stadt – wie jeder weiß – einen Strich durch die Rechnung gemacht und ein eigenes Unternehmen – die City Tours – auf die Beine gestellt.“

Die Stadt strebt keinen Kauf an

Das Grundstück sei im Übrigen für jedwede Nutzung geeignet, sagt Adler. Man könne dort Wohnungen errichten oder eine Villa. Auch Gewerbe sei dort denkbar, „nur kein Geschäft. Schauen Sie doch einmal, diese Geschäfte dort, die gehen nicht; das sind doch lauter Hungerleider“.

Ob er auch an die Stadt, mit der er seit Jahren im Clinch liegt, verkaufen würde? „Wenn die ordentlich zahlen, warum nicht“, sagt Adler. Denkbar wäre doch, dass die Stadt diese Immobilie erwirbt, um so einen Schandfleck zu beseitigen. Doch Fehlanzeige: „Die Stadt strebt keinen Kauf des Hauses an“, erklärt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage.

Das Transparent ist nicht erlaubt

Zwar sei die Stadt schon seit Jahren im ständigen Kontakt mit dem Eigentümer, um eine Verbesserung der Situation herbei zuführen und man werde auch weiterhin einwachsames Auge auf das Objekt in der Thundorferstraße haben, „damit das Erscheinungsbild des Hauses die Donaupromenade möglichst wenig beeinträchtigt und die Verkehrssicherheit gewahrt bleibt“.

Eine, wenn auch bescheidene, Ansatzmöglichkeit gibt es immerhin: „Die Stadt wird auf den Eigentümer des Hauses einwirken, das Transparent zu entfernen, da diese Art der Verkaufswerbung insbesondere im Altstadtensemble nicht erlaubt ist.“

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