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Regensburg
Mittwoch, 29. März 2017 19° 1

Integration

Ein schlauer Freund hilft rein ins Leben

„Rock your life!“ stellt Schülern einen Studenten an die Seite, als Freund und Coach. Das Projekt startet an der Regensburger Pestalozzi-Mittelschule.
Von Christoph Hollender, MZ

  • Eine junge Studentin (links) erklärt Schülern der Pestalozzi-Mittelschule das ROCK YOUR LIFE! Projekt.
  • Eine achte Klasse der Pestalozzi-Mittelschule, die an dem Projekt teilnehmen werden, gemeinsam mit den Studentinnen und Schulleiterin Sieglinde Braek (rechts).

Regensburg. Es klingt sehr einfach, zu behaupten, nimm dein Leben selbst in die Hand und lebe deine Träume. In einer Gesellschaft, in der der Leistungsdruck hoch ist und Chancengleichheit schwerfällig bleibt. Markus Weymann ist Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Rock your Life!“ und möchte gemeinsam mit seinem Team Jugendliche ins Leben begleiten. Ohne Bezahlung, ohne Selbstzweck. „Wir bauen Brücken“, lautet das Motto des Vereins, der unter dem Dachverband der Trägerschaft der Rock your life! GGmbH Friedrichshafen steht.

Markus Weymann (20) führt gemeinsam mit Helena Hoffmann (24) den Verein in der Domstadt. Beide studieren hier, „denn nur von Studenten kann dieses Projekt ins Leben gerufen werden“, sagen sie. Kurz: Studenten wollen jungen Schülern bei der Berufsfindung unterstützen oder einfach als guter Freund fungieren, der sie ins Leben begleitet. „Die Schüler steigern ihre schulischen Leistungen, erweitern ihre Sozialkompetenzen und Perspektiven, verbessern ihre Reflexionsfähigkeit, ergreifen neue Möglichkeiten und verbessern so auch ihre Chancen auf einen erfolgreichen Einstieg in die Ausbildung“, lautet die Philosophie der gemeinnützigen Bildungsinitiative, die unter der Schirmherrschaft von den Politikern Gesine Schwan, Peer Steinbrück und Cem Özdemir steht.

Hilfe, damit Träume gelebt werden

Sura ist 13 und stammt aus dem Irak, Nita (14) kommt aus dem Kosovo und Willis Eltern sind russisch. Alle drei gehen in die 8. Klasse der Pestalozzi-Mittelschule, den M-Zug. Für die dritte Stunde haben sich Studenten von Rock your life! bei den Jugendliche angekündigt. Sura, Nita und Willi sind in einer von vier Gruppen, die die Studenten eingeteilt haben. Eigentlich wissen sie, was sie nach der Schule beruflich machen wollen – also, eigentlich. „Vielleicht so was, was wir im Praktikum machten, Erzieherin oder Verkäufer oder so eben“, meinen sie.

Etwas zögerlich erzählen sie von ihren Hobbys und welche Fächer sie in der Schule mögen (oder nicht). „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen in ihren Träumen und Zielen zu unterstützen“, sagt Markus Weymann. Konkreter: „Der Erfolg eines jungen Menschen hängt in Deutschland von seinem sozio-ökonomischen Hintergrund ab. Für Kinder aus bildungsfernen Milieus bedeutet dies oft: ein Kreislauf vererbter Perspektivlosigkeit. Besonders betroffen sind Hauptschüler“, heißt es in der Ausschreibung der Initiative, die nunmehr in über 30 Studentenstädten deutschlandweit zu finden ist.

Willi ist 15 und macht in seiner Freizeit Sport, Sura trifft sich am liebsten mit Freunden. Und genau hier wollen die Studenten ansetzen, „denn pro Schüler gibt es einen Studenten, sozusagen als persönlicher Coach, der einfach ein guter Freund ist“, sagt Markus Weymann. Ohne Verpflichtung und ohne Druck. „Jemand der sich mit euch trifft, Sport macht, durch die Stadt spaziert, bei Bewerbungen hilft“, erzählt Helena Hoffmann. Diese Idee findet man an der Pestalozzi-Mittelschule, die als erste an diesem Projekt teilnimmt, „richtig gut“. Schulleiterin Sieglinde Braek sagt: „Ich kenne das Projekt aus Passau, wo es sehr gut gelingt. Es entsteht eine Beziehung zwischen Student und Schüler, bei der Werte und Einstellungen zum Leben ausgetauscht werden.“

Ein Begleiter für zwei Jahre

Natürlich sehen sich die Studenten nicht als Sozialarbeiter. Bleibt die Frage, welche Motivation haben Studenten, sich auf diese Art und Weise sozial zu engagieren? „Natürlich studieren viele von uns in eine Richtung, die mit der Initiative zu tun hat“, sagt Markus Weymann. Soziale Arbeit, Neurowissenschaften, Lehramt oder Psychologie. Studierende, die erfolgreich als Coaches bei Rock your life! gearbeitet haben, würden soziale Kompetenzen verbessern und die Erfahrungen aus dem Coaching später in ihrem Beruf einsetzen können. Noch sind Sura, Nita und Willi etwas skeptisch, denn begleiten wird sie „ihr Student“, den sie noch im Rahmen eines „Datings“ finden müssen, zwei Jahre. „Auch am Wochenende?“, wollen sie wissen. Die Schüler an der Pestalozzi- Schule sind letztendlich begeistert, denn Befürchtungen von Verpflichtungen oder gar Hausaufgaben wissen sie nun ausgeräumt. „Es ist spannend“, sagt Sieglinde Braek, „und wir sind Pionier.“

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