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Regensburg
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Geschichte

Eine Legion erobert das Museum

Die Ausstellung „Kleine Soldaten ganz groß“ veranschaulicht das Wesen des römischen Heers. Der Initiator geht ganz neue Wege.
Von Philippine Rist, MZ

Schlachtordnung: 5400 Zinnfiguren zeigen in der Sonderausstellung, wie eine römische Legion aufgestellt war. Foto: Rist

Regensburg.Römische Geschichte hautnah erleben: Neben der Abteilung Römerzeit im Historischen Museum am Dachauplatz hat seit Samstag die Sonderausstellung „WIR SIND LEGION – Kleine Soldaten ganz groß“ geöffnet. Sie soll das Wesen des römischen Heeres veranschaulichen und den Besuchern das Leben der Legionäre näherbringen – und das auf ganz besondere Weise.

Junge Menschen für Geschichte zu begeistern, ist oft keine einfache Aufgabe. Geschichtsunterricht zählt für viele Schüler zu den langweiligen Fächern. „Ich glaube, das liegt an der Verpackung, der Art und Weise, wie wir unterrichten und nicht am Inhalt, sagt Thomas Kurtz, Leihgeber und Initiator der Ausstellung im Historischen Museum.

Ein Referat war der Auslöser

Inspiriert durch ein Referat seines Sohnes über Alexander den Großen, für das er 30 Plastikfiguren auf ein kleines Brett klebte, um eine makedonische Phalanx (Schlachtaufstellung im alten Griechenland) zu veranschaulichen, keimte in ihm erstmals der Gedanke einer Ausstellung für Schulen für das Fach Geschichte: „Ich war überrascht, wie wenig Mittel man brauchte, um Schüler und Lehrer zu begeistern.“

Freuen sich über die Sonderausstellung (von links): Kurator Dr. Koepfer, Dr. Andreas Boos (Museen der Stadt), OB Wolbergs und Initiator Thomas Kurtz Foto: Rist

Im April 2014 präsentierte Kurtz innerhalb einer kleinen Ausstellung in einem abgedunkelten Klassenzimmer mit Scheinwerfern und Lautsprechern, die eine emotionale Stimmung erzeugen sollten, zum ersten Mal eine Legion aus Zinnfiguren. „Dabei ging es mir nicht um einen bestimmten Inhalt, die Objekte sollten nur begleitet werden von Original-Zitaten, die in beeindruckender Weise präsentiert werden“, sagt Kurtz. Die Legion traf nicht nur bei den Schülern auf Begeisterung, auch die Archäologische Staatssammlung und das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz zeigten Interesse. Schließlich einigte man sich mit Dr. Andreas Boos, dem Leiter der archäologischen Abteilung bei den Museen der Stadt Regensburg, auf eine kleine Ausstellung. Doch die Begeisterung für die Ausstellung sei so groß gewesen, dass aus ursprünglich 30 Quadratmetern Ausstellungsfläche schließlich 600 Quadratmeter wurden. „Und dabei mussten wir noch einige Objekte weglassen“, sagt Kurtz.

5400 Zinnfiguren in Reih und Glied

Zu sehen sind nun neben einer vollständigen Legion in Schlachtordnung – bestehend aus 5400 Zinnfiguren – ganze Reitereinheiten, marschierende Kohorten (militärische Einheit im römischen Reich), ein Marschlager und weitere Schaukästen mit Figuren aus Thomas Kurtz Privatsammlung. Gefertigt wurden die Figuren von Jörg Schmäling. Er modellierte 10000 Zinnfiguren in 500 verschiedenen Posen, während Kurtz die Bemalung organisierte.

Ausstellung „WIR SIND LEGION“

  • Konzept:

    Die Ausstellung soll vor allem Schüler begeistern. Sie verkehrt das traditionelle Museums-Konzept, moderne Nachbildungen (Repliken) werden durch Originaltexte ergänzt und nicht umgekehrt. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert und soll ganz oder auch in Teilen an andere Museen vermietet werden und an Schulen gezeigt werden.

  • Ausstellungsdauer:

    6. September bis 14. Februar im Historischen Museum Regensburg am Dachauplatz

  • Öffnungszeiten:

    Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar und 9. Februar ist die Ausstellung geschlossen.

Der Zeichner Graham Sumner illustrierte Legionäre in Lebensgröße. Zahlreiche originalgetreue Nachbildungen zeigen das Leben der Legionäre, wie verschiedene Waffen, Rüstungen, Kleidung oder ein Marschlager. Großformatige Karten veranschaulichen die Verteilung der Legionen sowie den Verlauf des obergermanisch-rätischen Grenzwalls und unterstreichen die Bedeutung der gigantischen Militärmaschinerie für das Römische Reich zur Kaiserzeit. Zusätzlich sind Erläuterungen und zahlreiche Zitate an den Wänden angebracht.

Kinder können selbst tätig werden. Foto: Rist

„Zitate sind authentisch, durch sie öffnet sich das Fenster in die Vergangenheit“, sagt Kurtz. Alles andere sei Verpackung, die begeistern soll.

OB Joachim Wolbergs nahm ebenfalls an der Eröffnung der Ausstellung teil und zeigte sich bei einer Führung begeistert: „Das ist eine für das Historische Museum außergewöhnliche Ausstellung.“ Sie werde allen in Erinnerung bleiben.

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