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Regensburg
Sonntag, 19. November 2017 7

Projekt

Europabrunnen: Ärger in der Koalition

Zu dem Thema gibt es fast so viele Meinungen wie Parteien in Regensburgs Stadtregierung. Am Montag müssen sie sich einigen.
Von Heike Haala, MZ

  • Bürgermeister Jürgen Hubers Vorschlag mit zwei Bäumen an der Stelle, an der eigentlich der Europabrunnen geplant war: Montag wird sich herausstellen, wie die Koalition dazu steht.Grafik: Stadt Regensburg
  • Der Bretterverschlag über dem Brunnenschacht wird nicht mehr lange zu sehen sein. Foto: Haala
  • So ehrgeizig sah das ursprüngliche Modell des Europabrunnens aus. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Kürzlich sorgte Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) mit einer Vorlage zum Europabrunnendeckel am Ernst-Reuter-Platz für Furore. Ob diese Vorlage nun auch noch dafür sorgen wird, dass es in der bunten Regensburger Koalition ordentlich knirscht, wird sich am Montag beim Koalitionsausschuss herausstellen.

Was ist passiert? Huber wollte dem Umweltausschuss mit dieser Vorlage vor vier Wochen vorschlagen, zwei Bäume für 70 000 Euro zu pflanzen, um dem langen Leiden der vor sich hinrottenden Brunnenschachtruine endlich ein Ende zu setzen. Kurz nachdem Huber diese Lösung aufs Tableau gehoben hatte, ließ Wolbergs den Vorschlag nach einer Koalitionssitzung wieder von der Tagesordnung nehmen. Es gebe in der Verwaltung noch Gesprächsbedarf, hieß es damals. Obwohl Wolbergs dies in Abstimmung mit Bürgermeister Huber offenbarte, verkündete dieser wenige Tage später, dass er bei seinem Vorschlag bleibe.

Stille vor dem Treffen

Auf die Nachfragen der MZ zu dem Thema wollte vor dem Koalitionsausschuss keiner der beiden Herren mehr etwas sagen. Wolbergs begründete sein Schweigen damit, dass sich die Koalition bei dem heutigen Treffen einigen werde. Ähnlich zurückhaltend verhielten sich auf Nachfrage der MZ auch zwei weitere Koalitionäre: Piratin Tina Lorenz und Ludwig Artinger (FW). Was Hubers Vorschlag mit den Bäumen angeht, hätte Artinger zwar eine dezidierte Meinung, aus Rücksicht auf den Abstimmungsprozess innerhalb der Koalition ging er aber nicht weiter auf Details ein. Im Moment gebe ist noch keine gemeinsame Linie für das Thema. Lorenz indessen sagte, dass die Entscheidung, wie es mit dem Flecken Erde weitergehe, im Umweltausschuss zu erörtern sein werde.

Andere dagegen äußern sich ziemlich präzise zu dem Thema. Benedikt Sutter (ÖDP) zum Beispiel: Der Ort habe eine lange und schwierige Vorgeschichte, deswegen wünsche er sich dort eine Lösung, die dem ursprünglichen Gedanken vom Europabrunnen etwas näher kommt, als Hubers Baum-Vorlage. Die empfinde er aus ökologischer Sicht zwar gut, aber nicht optimal. Die Vorlage hätte ihn überrascht.

Absage an Hubers Vorschlag

Suttner glaubt, dass es beim momentanen Stand der Planungen nicht sicher ist, was an der Stelle einmal kommen wird. Deswegen würde er mit Plänen für diese lieber noch etwas warten. Das letzte, was Suttner sich wünscht, ist, dass hier zwei Bäume gepflanzt werden, die unter Umständen später wieder ausgegraben werden müssen. Die RKK-Planungen betrachte er ohnehin kritisch.

Eine künstlerische Nutzung an dieser Stelle empfindet er zwar nicht zwingend als notwendig. Dennoch sei der Brunnendeckel auch der Ort, an dem Jakob Friedl ihm klar gemacht hat, dass die Stadt mehr öffentliche Kunstflächen braucht – dieses Thema würde er gegebenenfalls auch in eine Nachfrage im Stadtrat gießen.

Auch Horst Meierhofer (FDP) zeigt sich nicht besonders glücklich über Hubers Baum-Vorlage. Er wünscht sich mehr Information von der Verwaltung. Es interessiert ihn, ob schon klar ist, dass die zwei Bäume in das RKK-Konzept passen. Außerdem möchte er wissen, inwiefern die Brunnenanschlüsse wirklich schon marode und nicht mehr zu verwenden sind.

Auch die Opposition sieht Hubers Vorschlag kritisch: Hermann Vanino (CSU) und seine Partei sind ebenfalls überein gekommen, dass der Vorschlag, am Ernst-Reuter-Platz zwei Bäume zu pflanzen nicht sinnvoll ist. Priorität an dieser Stelle hat für ihn klar das RKK.

Die Opposition ist kritisch

Richard Spieß (Linke) empfindet Hubers Vorschlag als einen Schnellschuss. Diese Einzelmaßnahme sei nicht zielführend. Spieß wünscht sich stattdessen, dass die Ruine des Brunnenschachts im Gesamtkontext des RKK gesehen wird. Der enttäuschte Künstler Jakob Friedl, der den Brunnen 2009 und 2010 mit einigen Aktionen bespielte, plant am Montag eine Veranstaltung zum Thema. Um 19 Uhr, im 11. Stock des Studentenwohnheims am Ernst-Reuter-Platz 2 werden Friedls Gastredner in Kurzvorträgen vorstellen, welche Nutzungsmöglichkeiten sie für den Platz sehen. Auch Friedl selbst wird noch einmal auf sein Konzept eingehen, das eine dauerhafte künstlerische Nutzung des Brunnenschachts, auch bereits während der Planungsphase, vorsieht.

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Was soll mit dem Europabrunnen passieren?

Hans Schaidingers Versprechen

  • Glaskubus:

    Eigentlich sollte an dieser Stelle ein imposanter Glaskubus entstehen: der Europabrunnen. Doch seit 2003 tut sich baulich nichts mehr an dieser Stelle. Zuvor hatte die Stadt 714000 Euro für einen Plan und 300000 Euro für die Brunnenanlage investiert. Mit dem Brunnen sollte die Auszeichnung der Stadt mit dem Europapreis gewürdigt werden.

  • Europapreis:

    Das hatte Schaidinger 1997 dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Benno Zierer versprochen. Der Europapreis ist die höchste Auszeichnung, die der Europarat zu vergeben hat. „Ich möchte nicht, dass die Auszeichnung mit dem Europapreis in Vergessenheit gerät“, sagte Zierer 2013 im MZ-Gespräch.

  • Nicht einverstanden:

    Wenn der Brunnen etwas kleiner ausfalle als bisher geplant, mache ihm das nicht viel aus, aber „mickrig“, das solle der Brunnen nun Bitteschön auch nicht werden. Als Zierer nun am Montag hörte, dass an dieser Stelle inzwischen zwei Bäume im Gespräch sind, war er überrascht. Mit diesen Planungen sei er ganz und gar nicht einverstanden, sagte er.

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