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Regensburg
Freitag, 24. November 2017 13° 3

Politik

Experten sagen Ja zur Straßenbahn

Die von der Stadt Regensburg beauftragten Gutachter halten ein Expressbus-System für nicht leistungsfähig genug.
Von Julia Ried, MZ

So stellt sich das „Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV im Raum Regensburg“ eine Straßenbahn für die Stadt vor. Animation: HP Zierer

Regensburg.Die Experten, die die Stadt mit einem Gutachten zum öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der Zukunft in Regensburg beauftragt hat, sprechen sich klar für eine Straßenbahn aus. Das schreiben sie in einem Kurzbericht mit einem groben Vorkonzept, den Helmut Koch vom Österreicher Planungsbüro Komobile am Dienstag im Planungsausschuss des Stadtrats präsentieren wird. Die Stadtverwaltung schließt sich dieser Meinung an und empfiehlt dem Stadtrat, „sich schwerpunktmäßig auf eine Tram zu konzentrieren“.

Ein System mit Expressbussen, das als zweite Variante untersucht wurde, könne schon wegen seiner Kapazitätsgrenzen nicht empfohlen werden, schreibt die Verwaltung. Die Gutachter beurteilen ein Bus-Rapid-Transit-System (BRT) als „nicht ausreichend leistungsfähig“: „Trotz 2,5-Minuten-Intervall durch Überlagerung der beiden Linien im Zentrum und Parallelführung von Regionalbuslinien während der Hauptverkehrszeiten reicht die Kapazität für die prognostizierten Fahrgastzahlen 2030 nicht aus.“

„Die Umsetzung des Konzepts wird ein Quantensprung für den Verkehr in Regensburg mit modernen, schnellen und häufigen Verbindungen sein.“

Dr. Klaus Rappert, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion

Sie empfehlen deshalb eine Straßenbahn mit zwei Linien, die zwischen Stadtnorden und -süden verkehren, – und das, obwohl diese Lösung teurer ist und deshalb in der Kosten-Nutzen-Untersuchung schlechter abschneidet. „Gerade so“ werde die Schwelle zur Förderfähigkeit erreicht, sagt die städtische Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Sie befürwortet eine Tram, „weil das aus unserer Sicht das zukunftsfähigere Modell ist“. Die Infrastruktur würde den Gutachtern zufolge circa 246 Millionen Euro kosten, die Einrichtung eines Expressbus-Netzes etwa 203 Millionen Euro. Allerdings sehen die Planer gute Chancen auf üppige Förderung. 81 Prozent der Kosten für ein neues ÖPNV-System sind den Gutachtern zufolge förderfähig. Und während ihnen nicht bekannt ist, dass in anderen Städten ein BRT-Netz bezuschusst worden wäre, wurden vergleichbare Straßenbahnprojekte sehr stark unterstützt, laut Schimpfermann mit Quoten von 80 Prozent. Bevor die Politik Anfang 2018 über das System der Zukunft entscheiden soll, können die Bürger mitreden. Auf einer Online-Plattform will die Stadt sie ab Anfang November informieren, dort sollen sie sich auch äußern können, erklärt Schimpfermann. Bis Straßenbahnen in Regensburg fahren, würden mindestens zehn Jahre vergehen.

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Kommentar

Schnell Weichen stellen

Die Empfehlung der Gutachter für eine Straßenbahn für Regensburg ist eine gute Nachricht.

Große Freude beim Tram-Bündnis

Das breite gesellschaftliche „Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV im Raum Regensburg“, zu dem derzeit 25 Initiativen und Betrieben zählen, zeigt sich sehr erfreut über die Entwicklung. Die Anfang 2016 gegründete Initiative wirbt intensiv für eine Straßenbahn. Koordinator Dr. Walter Weber, Architekturprofessor im Ruhestand, sagt: „Das, was der Herr Koch vorgelegt hat, beziehungsweise das Resümee, das die Verwaltung gezogen hat, ist ganz im Sinne unseres Bündnisses.“ Nun hoffe er, dass die Politik dem Rat folgen werde.

Koalition will Empfehlung folgen

Die Vorzeichen dafür stehen gut. Dr. Klaus Rappert, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, teilte am Freitag mit, es freue ihn besonders, „dass eine richtige Stadtbahn auf Schienen in greifbare Nähe gerückt ist“. Die SPD sei „entschlossen, mit ihren Koalitionspartnern auf diesem Weg jetzt konsequent voranzugehen“.

Auch Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Koller sieht die bisher vorgelegten Ergebnisse des Expertenteams „sehr positiv“. „Eine Stadtbahn wäre ein Quantensprung für den Verkehr in Regensburg. Damit könnten wir viele zusätzliche Fahrgäste gewinnen, weil sie den ÖPNV deutlich attraktiver machen würde“, sagt er.

„Ich will von der Verwaltung schon noch vorgetragen haben, warum man sich auf ein starres, schienengebundenes System fokussiert“

CSU-Fraktionschef Dr. Josef Zimmermann

CSU-Fraktionschef Dr. Josef Zimmermann zeigt sich dagegen skeptisch. „Ich will von der Verwaltung schon noch vorgetragen haben, warum man sich auf ein starres, schienengebundenes System fokussiert“, sagt er. Das Gutachten sei „technisch gesehen rückwärtsgewandt“, berücksichtige neuere Entwicklungen wie etwa das „Platooning“, das computergesteuerte Fahren von Fahrzeugkolonnen, nicht.

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