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Montag, 25. September 2017 19° 3

Energie

Fester Fahrplan gegen Klimakatastrophe

Die Stadt Regensburg verfügt jetzt über ein Datenpaket, das die Basis für wegweisende Konzepte sein kann. Aber: Die Kommune braucht Unterstützung.
Von Thomas Rieke, MZ

  • Die Hochhäuser in Königswiesen Nord zählen zu den Gebäudekomplexen im Stadtgebiet, wo sich nach Auffassung des Teams für Technik“ eine energetische Sanierung besonders lohnen würde. Foto: Rieke
  • Jürgen Seifert (rechts) vom Regensburger „Team für Technik“ haben in rund einem Jahr den Energienutzungsplan erstellt. Er umfasst vier Aktenordner. Ferner mit am Bild: OB Joachim Wolbergs Bürgermeister Jürgen Huber (links) sowie Planungsreferentin Christine Schimpfermann Foto: Rieke

Regensburg..Das Weltklima wird nicht allein auf den großen Konferenzbühnen in Rio de Janeiro, Genf oder Kopenhagen gerettet, die Energiewende nicht in Berlin oder München in die Tat umgesetzt. Im Prinzip liegt es an jeder Kommune und jedem einzelnen Bürger, ob die ehrgeizigen Zielvorgaben zur CO2-Reduktion verfehlt – oder eben erfüllt werden. Dies war auch der Tenor bei der Pressekonferenz, zu der Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Mittwoch ins Alte Rathaus geladen hatte.

Zusammen mit 3. Bürgermeister Jürgen Huber sowie Planungsreferentin Christine Schimpfermann präsentierte er Medienvertretern den sogenannten Energienutzungsplan. Damit steht der Verwaltung ab sofort ein Instrument zur Analyse der aktuellen Energieversorgungssituation im Stadtgebiet zur Verfügung. Es bietet ferner Informationen, wo Energiepotenziale für die Zukunft liegen und soll bei der Koordinierung von Einzelmaßnahmen helfen. Am frühen Abend sollte der Planungsausschuss des Stadtrats darüber informiert werden – und seine Zustimmung geben.

Huber spricht von „Megaaufgabe“

Huber, dem das Umweltreferat untersteht, betonte, dass die weiteren Schritte in Richtung Energiewende quasi keine Privatangelegenheit der Kommune sei. Die „Megaaufgabe“ sei nur zu bewältigen, wenn möglichst viele Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und private Immobilieneigentümer mitspielten. Die Stadt sehe sich daher in der Pflicht, „möglichst viele anzusprechen, damit sie den Weg mitgehen“.

Planungsreferentin Schimpfermann unterstrich, wie vorbildlich sich die Stadt selbst schon seit Jahren verhalte. Jedes neue Gebäude, das die Kommune errichte, übererfülle selbst die strengsten Vorgaben aus den Energieeinsparverordnungen. Ferner investiere die Stadt demonstrativ in Projekte, die sich gegenwertig rein wirtschaftlich noch nicht rechnen würden. Mit den „punktuellen Maßnahmen“, wie sie etwa im Energiekonzept für das Haus der Musik zu bestaunen seien, ließe sich die Welt freilich nicht verändern. Bei den meisten Projekten seien in erster Linie private Investoren gefordert.

Ferner verdeutlichte Schimpfermann, dass es in Zukunft immer öfter nötig sei, das große Ganze im Auge zu haben. Noch würde bei Bauherren und Planern zu sehr gebäudebezogen gedacht. „Wenn wir die Energiewende ernst nehmen, müssen wir aber quartiersbezogen arbeiten.“

Einen ersten Überblick über den in vier Aktenordnern gebündelten Inhalt des Energienutzungsplans gaben Jürgen Seifert, Geschäftsführer des „Teams für Technik“, und dessen Mitarbeiter Alexander Buschmann. Ingenieur Seifert ist ein waschechter Regensburger und freut sich, gerade für seine Heimatstadt einen so wichtigen Auftrag bekommen zu haben. In diversen Workshops habe er erleben dürfen, „wie viel Potenzial hier vorhanden ist“. Das habe die Motivation gestärkt, das anspruchsvolle Projekt auch zu einem guten Ende zu führen.

Alexander Buschmann erklärte auf Anfrage, die Regensburger seien in gewisser Weise bei der Energiewende schon relativ weit; so spiele Heizöl bei der Energieversorgung verglichen mit anderen Städten keine so große Rolle mehr. Dafür sei freilich der Gasverbrauch relativ hoch. Immerhin ließe sich das Gasnetz auch für Biomethan nutzen. Durchwachsen fällt die Zwischenbilanz für die Wirtschaft aus. Ihr Energieverbrauch liegt in der Pro-Kopf-Berechnung über dem von Nürnberg, was unter anderem damit begründet wird, dass es in Regensburg erheblich mehr Jobs in energieintensiven Branchen gibt. Buschmann sieht nicht nur in der überdurchschnittlich hohen Zahl an Arbeitsplätzen, die die Industriebetriebe bieten, etwas Positives. Es sei auch ein Vorteil, dass „mit relativ wenigen Ansprechpartnern (Spitzenvertreter der Unternehmen) Einsparungen erzielt werden können“.

Schädliche Emissionen reduzieren

„Wir wissen durch unsere Analyse jetzt genau, wie die Lage in den einzelnen Stadtbezirken ist“, fasste Buschmann zusammen. Es gebe verlässliche Daten über den Gebäudebestand, den Energiebedarf sowie die Bebauungs- und sogenannte Wärmedichte. Daraus ließen sich entscheidende Schlussfolgerungen für Konzepte ziehen, die Regensburg fit für die Zukunft machen sollen. „Wir müssen runter kommen vom Niveau klimaschädlicher Emissionen“, lautet das Credo. Dabei ist aber nicht jedes Mittel recht, vielmehr komme es auf ausgeklügelte Konzepte und konzertierte Aktionen an.

Eine bedeutende Rolle bei der Gewinnung von Energie aus umweltfreundlichen Quellen könnte die Nutzung industrieller Abwärme spielen. In Regensburg gibt es laut Buschmann mindestens vier größere Potenziale im gewerblich-industriellen Bereich, die auf technische und wirtschaftliche Nutzbarkeit untersucht werden sollten. Das Team für Technik gibt der Stadt neben dem Datenpaket ein Bündel von Maßnahmen- und Konzeptvorschlägen mit auf den Weg, die sich auf fünf Handlungsfelder verteilen. Die Einrichtung eines Energiebildungszentrums spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Forcierung der energetischen Sanierung, der Ausbau der Wärmenetze und die Erzeugung Erneuerbarer Energien.

Bürgermeister Huber ist sich bewusst, dass nicht jede Maßnahme sofort helle Begeisterung auslösen wird. Speziell wenn es um die Sanierung älterer Gebäude geht, werde auch die Sorge vor steigenden Mieten in die Diskussion einfließen. Die Bürger könnten sich aber darauf verlassen, dass sich die modernen Konzepte, die die Stadt anstrebe, nicht auf Styroporverkleidungen beschränkten. Das Thema sei viel komplexer. Für das weitere Vorgehen sei es wichtig, positive Grundstimmung zu erzeugen. Die Bürger müssten erkennen, dass es im Prinzip um die Verbesserung ihrer Lebensumstände geht.

Ins selbe Horn stieß OB Wolbergs. „Wir müssen uns energetisch neu aufstellen. Tun wir dies nicht, hätte dies gerade für Städte dramatische Auswirkungen.“ Es gelte, in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür zu schärfen. Es gehe um nicht weniger als das eigene Überleben.

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