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Immobilie

Regensburger Senfhersteller kauft Gloria

Wie die Firma Händlmaier das Gebäude nutzen wird, ist noch unklar. Der Plan, dort ein Kino zu eröffnen, ist aber passé.
Von Micha Matthes und Mathias Wagner, MZ

  • Achim Hofbauer wollte aus dem Gloria wieder ein Kino machen. Jetzt hat die Firma Händlmaier das Gebäude gekauft. Foto: mt
  • Achim Hofbauer wollte aus dem Gloria wieder ein Kino machen. Jetzt hat die Firma Händlmaier das Gebäude gekauft. Foto: mt
  • Im Gloria fanden immer wieder auch Konzerte statt. Auch die Regensburger Rocker Tana Nile standen dort schon auf der Bühne. Foto: mbr
  • Der Ausbau zum Kino war schon weit vorangeschritten, als die Namenlos GmbH und Hofbauer im Herbst dann doch ins Zweifeln bezüglich der Wirtschaftlichkeit gerieten. Foto: Wagner
  • Achim Hofbauer wollte aus dem Gloria wieder ein Kino machen. Jetzt hat die Firma Händlmaier das Gebäude gekauft. Foto: mt

Regensburg.Der Regensburger Senfhersteller Händlmaier hat das Gloria-Kulturtheater gekauft – und damit das Ende der Kinopläne für den Standort in der Simadergasse besiegelt. Noch bis vor einem halben Jahr hatten die Namenlos GmbH und der Kinobetreiber Achim Hofbauer daran gearbeitet, das Gloria als modernes Kino wiederzueröffnen. Nun haben die Unternehmer ihren Plan offensichtlich verworfen. „Wir haben das Gloria an einen neuen Inhaber verkauft“, bestätigte Neli Färber von der Namenlos GmbH, der das 50er-Jahre-Gebäude noch bis vor zwei Wochen gehörte. „Und damit sind die Kinopläne für das Gloria natürlich passé.“

Der neue Inhaber ist die Regensburger Firma Händlmaier. Es gebe noch keine konkreten Pläne für das Gebäude, sagte Geschäftsführer Franz Wunderlich auf Nachfrage unserer Zeitung. „Unser Händlmaier-Laden an der Ecke Hinter der Grieb/Untere Bachgasse wird jedenfalls nicht dorthin umziehen.“

Gloria steht unter Denkmalschutz

Ob das Gloria künftig für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird oder vielleicht für die Produktpräsentation, könne er noch nicht sagen. „Aber natürlich werden wir dieses schöne Gebäude, das ja auch unter Denkmalschutz steht, erhalten“, sagte Wunderlich. „Für die künftige Nutzung gibt es jedenfalls schon genügend Ideen.“ Zusammen mit dem Gloria hat die Firma Händlmaier außerdem ein angeschlossenes Wohngebäude erworben, das nun bald saniert werden soll.

Die Namenlos GmbH und der Kinobetreiber Achim Hofbauer hatten ursprünglich vor, das Gloria in ein modernes Kino mit 3-D-Technik umzubauen und das Haus gleichzeitig auch als Kulturtheater für Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen zu etablieren. Der Ausbau zum Kino war schon weit vorangeschritten, als die Namenlos GmbH und Hofbauer im Herbst dann doch ins Zweifeln bezüglich der Wirtschaftlichkeit gerieten. Gemeinsam beschlossen sie schließlich im November, die Kinopläne vorerst auf Eis zu legen.

Gloria: Das hatten die Betreiber vor

„Nachdem Achim Hofbauer festgestellt hat, dass er eine hervorragende Saison im Garbo hatte und die Kinolandschaft sich in den vergangenen sechs Monaten nicht so verändert hat, wie wir es angenommen hatten, verwarfen wir schließlich die Pläne“, sagte Färber. „Wir mussten einsehen, dass keine Notwendigkeit bestand, sich mit einem neuen Kino auf den Markt zu bringen.“

Hofbauer erfuhr nach eigenen Angaben erst am vergangenen Freitag von dem Verkauf. „Die Firma Namenlos und ich hatten schon viel Geld investiert und ich habe bei dem Projekt leider auch einen nicht unerheblichen Betrag verloren“, sagte Hofbauer. Die neue Technik habe den größten Teil der Investitionen ausgemacht. Einige Aufträge habe er glücklicherweise noch stornieren können.

Neuer Ton, neue 3-D-Technik, neue Stühle: Ein Teil der Ausstattung kommt nun dem Garbo Kino, das Hofbauer am Weißgerbergraben betreibt, zugute. „Im Sommer werden wir dort die Stühle, die eigentlich für das Gloria gedacht waren, einbauen. Die alten Stühle werden wir dann an Garbo-Fans verkaufen.“

Hofbauer erhielt kein Fördergeld

Vor allem an zwei Dingen seien die Kinopläne letztlich gescheitert: „Zu dem Zeitpunkt, als wir das Gloria planten, stand die Zukunft des Ostentorkinos noch infrage“, sagte Hofbauer. „Wir wollten eigentlich nie ein Konkurrenzkino zum Ostentorkino eröffnen.“ Eng damit verknüpft ist auch das zweite Problem: Hofbauer erhielt keine Fördermittel für das Gloria. Diese Gelder hätten wohl 30 bis 40 Prozent der Umbaukosten in Form von Zuschüssen oder zinslosen Darlehen abdecken können. „Das ist wirklich superselten, dass diese Fördermittel abgelehnt werden – vor allem für ein Objekt, das schon einmal ein Kino war“, sagte Hofbauer.

Kinolandschaft im Wanken

  • Baujahr:

    Im Wirtschaftswunderjahr 1954 ist das Gloria-Kino gebaut worden. Geplant hatten es damals Architekt Heinz Hamel und Innenarchitekt Walther Rode.

  • Erster Film:

    Mit dem Ingrid-Bergman-Film „Angst“ nach einer Novelle von Stefan Zweig eröffnete das Kino am 11. Dezember 1954.

  • Finanznot:

    Ende der 80er Jahre geriet die Kinolandschaft in Regensburg ins Wanken. Das laut einem damaligen MZ-Bericht „schönste Regensburger Kino“ schloss im Jahr 2000 schließlich seine Pforten.

  • Denkmalschutz:

    Das Gebäude steht unter Schutz, weil es ein klassischer Bau der 50er-Jahre-Moderne ist. Deren Merkmale sind unter anderem die runde Aufglasung sowie die auffällige Neon-Reklame.

  • Lebensgefühl der 50er:

    „Es stellt das neue Lebensgefühl dieser Zeit des Aufbruchs dar“, erklärt Klaus Heilmeier, der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde. Von den 50er-Jahre-Bauten gebe es in Regensburg nicht viele, weil die Stadt damals nicht wohlhabend gewesen sei. (ko)

Er kann die Gründe für diese Entscheidung nicht nachvollziehen. „Im Prinzip wäre mit dem Gloria ja nicht wirklich ein neues Kino entstanden, wir hätten damit lediglich den Zustand der Regensburger Kinolandschaft aus dem Jahr 1999 wiederhergestellt.“ Er selbst habe außerdem eine Standortanalyse für 5000 Euro durchführen lassen. „Die dafür zuständige namhafte Firma hat mir eindeutig das Potenzial für ein Kino an dieser Stelle – in einer prosperierenden Stadt wie Regensburg – bestätigt.“ Auch mit der Bank habe die Finanzierung bereits gestanden. „Das war alles schon geregelt. Aber ohne die Fördergelder war uns das Risiko schließlich doch einfach zu groß“, sagte Hofbauer.

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