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Regensburg
Freitag, 22. September 2017 21° 2

Infrastruktur

Firmen kämpfen gegen Verkehrsinfarkt

Auf der A 3 wird es immer enger. Jetzt melden sich Regensburger Unternehmen zu Wort. Sie fordern einen besseren Ausbau.
Von Micha Matthes, MZ

Fast jeden Tag stehen auf der A 3 Mitarbeiter von Regensburger Unternehmen im Stau. Foto: dpa

Regensburg.Dem Dauerpatienten Regensburg droht der Verkehrsinfarkt. Aus den früher „instabilen Verkehrsverhältnissen“ zwischen dem Autobahnkreuz und der Ausfahrt „Regensburg Universität“ ist ein täglicher Stau geworden. Das ergab ein Verkehrsgutachten der „Lenkungsgruppe Regensburg“ bereits im August 2013. Schon jetzt sind rund 60 000 Pendler auf den Autobahnabschnitt angewiesen. Bis 2030 werden wohl täglich 80 000 Autos diese Strecke befahren. Und der Ausbau des Autobahnkreuzes ist noch nicht einmal in Sicht.

Dieser Verkehrsknoten liegt vor allem auch den Unternehmen schwer im Magen. „Die Situation auf der A 3 ist extrem“, sagt Dr. Alfred Brunnbauer, Geschäftsführer der IHK Regensburg. „Jeden Tag sind dort die Mitarbeiter der Unternehmen von den Staus am Morgen und am Abend betroffen“. Am 9. Dezember wollen große, in Regensburg ansässige Unternehmen nun bei einer Verkehrskonferenz in den Räumen der IHK ihre Kritik an den Ausbauplänen vorbringen.

Dass die Überlastung droht und etwas getan werden muss, ist auch allen Verantwortlichen klar. Und so werden die Verkehrsadern von Nittendorf bis zum Autobahnkreuz, vom Autobahnkreuz bis nach Rosenhof und auf der A 93 vom Autobahnkreuz bis nach Pentling wohl in den kommenden Jahren geweitet. Der Ausbau dieser Strecken ist bereits – oder soll – in den Bedarfsplan aufgenommen werden. Das ist jedoch erst der halbe Teil der Miete, denn das „Herz“ bleibt weiterhin eng. Die dünnen Verästelungen der Auffahrtsstraßen des Autobahnkreuzes stehen noch nicht auf dem Plan.

Bluthochdruck auf Verkehrsadern

Auf den Verkehrsadern droht also Bluthochdruck – auch bei den Autofahrern. Und vor allem bei den Regensburger Unternehmen, die im „Just-in-time“-Betrieb arbeiten und besonders auf eine gute Versorgung angewiesen sind. Die IHK hat sich nun mit Siemens, Infineon, BMW, Krones und Osram zusammengesetzt. „Auch wenn diese Firmen noch nicht isoliert zu dem Thema Stellung beziehen wollen, sehen alle den Bedarf für eine Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur in und um Regensburg“, sagt Brunnbauer. In dieser Woche sind außerdem Gespräche mit Continental und MR geplant. Am 9. Dezember werden die Unternehmen dann bei der IHK-Verkehrskonferenz detailliert Stellung beziehen und ihre Kritik vorbringen. Dabei gehe es vor allem um die A 3, die A 93, die Spangen und den ÖPNV. „Das Verkehrssystem rund um Regensburg entspricht nicht mehr den heutigen Bedingungen“, bringt es Brunnbauer auf den Punkt. Dabei gäbe es auch eine neue Denkrichtung: Es gehe nicht mehr ausschließlich um die Logistik, es gehe auch darum, wie die Mitarbeiter überhaupt in die Firmen gelangen. „In diesem Bereich ist die Situation besonders schwierig“.

Die Unternehmen machen Druck

Ohne Geld keine Operation. „Es ist vorgesehen, mit der Realisierung der Baumaßnahmen zu beginnen, sobald der Planfeststellungsbeschluss bestandskräftig ist und die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung stehen“, sagt Christian Unzner von der Autobahndirektion Südbayern zum Ausbau der Autobahnabschnitte. Für das Autobahnkreuz hingegen muss der Patient Regensburg wohl erst noch beim Bund die Notlage verdeutlichen.

„Deshalb kommt jetzt von den Firmen der zusätzliche Druck“, sagt Alfred Brunnbauer von der IHK. „Die Finanzierungsmittel müssen zur Verfügung gestellt werden. Es bestehen vor allem auch Bedenken wegen der generell sehr langen Planungszeiten.“ Erst vergangenen Freitag rief Oberbürgermeister Joachim Wolbergs bei der Eröffnung der Osttangente die lange Planung für den Neubau dieser Umgehung in Erinnerung. 17 Jahre dauerte es von der Aufnahme in den Verkehrsentwicklungsplan bis zur Einweihung dieses Projektes, bei dem die Stadt Bauherr war.

Für den Ausbau der Autobahn beziehungsweise des Autobahnkreuzes ist natürlich der Bund zuständig. Trotzdem ist die Zeitspanne von der Absichtserklärung bis zur Eröffnung sicher mit Großprojekten wie der Osttangente vergleichbar. Der regelmäßige Verkehrs-Stausee vor dem „engen“ Knotenpunkt dürfte sich also noch Jahre hinziehen. Das Autobahnkreuz müsse auf jeden Fall entsprechend angepasst werden, wenn die A 3 ausgebaut wird, sagt Brunnbauer.

Alle Unternehmen würden Regensburg nach wie vor als einen sehr attraktiven Standort ansehen, sagt der IHK-Geschäftsführer. Aber zu einem guten Standort gehöre auch eine gute Infrastruktur. Stadt und Landkreis müssten nun intensiver zusammenarbeiten: Sowohl beim Straßensystem – „hier geht es vor allem um den A 3-Ausbau sowie die Ertüchtigung der Südspange“ –, als auch bei der Frage, wie man mit dem ÖPNV besser in die Gewerbegebiete gelangen könne. „Und zwar nicht nur vom Stadtzentrum aus“, bekräftigt Brunnbauer. Bei BMW habe man sich bereits gut mit Werkbussen organisiert, aber das könne man nicht von allen Firmen erwarten. „Wir brauchen Linien zu allen großen Unternehmen.“

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