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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Projekt

Flüchtlingen in den Kochtopf geschaut

Junge Leute gestalteten ein Buch mit leckeren Rezepten. Herausgegeben hat es das Don Bosco Zentrum in Regensburg.
Von Gabi Hueber-Lutz

  • Die Vorküche in Aktion Foto: Hueber Lutz
  • Turmbau am Herd, um Druck auf den Topfdeckel zu bringen. Foto: Hueber Lutz
  • Die Kochbücher sind ein Hingucker. Foto: Hueber Lutz
  • Der Reistopf ist fertig bestückt. Alex ist zufrieden. Foto: Hueber-Lutz

Regensburg.Skandar, den alle nur Alex nennen, ist hochkonzentriert. Der 18-Jährige bereitet gerade eine Mahlzeit für an die zehn Leute zu und hantiert mit den Küchengerätschaften in einer Weise, wie man sie sonst nur von professionellen Köchen kennt. Nicht anders ist es bei Siar (18). Das Tempo der beiden jungen Afghanen ist hoch, jeder Handgriff sitzt. Die beiden wohnen in Jugendwohngruppen im Don Bosco Zentrum Regensburg und sind als unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge vor zirka zwei Jahren in die Domstadt gekommen.

Ein Kochbuch, verfasst von Überlebenden

An diesem Abend stehen in der großen Küche der Wohngruppe aber nicht die zum Teil verstörenden Schicksale der jungen Männer im Vordergrund. Alex, Siar, Mustafa (17) Omar Ali (16), Ahmad (17), Wahidulla (18) und ihre Kollegen wollen nämlich ein wenig Werbung machen.

Alex und Siar sind die Chefs in der Küche. Foto: Hueber-Lutz

Seit kurzem gibt es ein Kochbuch, herausgegeben vom Don Bosco Zentrum. „Jungen Flüchtlingen aus aller Welt in den Kochtopf geschaut“, ist das Motto. Verfasst wurde es „by survivers“ – von Überlebenden. Die jungen Männer wohnen in kleinen Wohngemeinschaften im Don Bosco Zentrum und bekommen dort ein unterschiedliches Maß an Anleitung, Hilfestelle, Kümmerung, je nachdem wie selbstständig sie schon sind. Siar zum Beispiel lebt in der Verselbständigungsgruppe und könnte bald ausziehen. Bei dieser Gruppe schaut Sozialpädagoge Klaus Fiolka höchstens noch einmal am Tag vorbei. Sie meistern ihren kompletten Alltag mit Schulbesuch, Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen und Freizeitbeschäftigungen schon allein.

Die Stimmung ist nicht immer so fröhlich

Andere junge Flüchtlinge brauchen noch mehr Unterstützung und auch emotionale Zuwendung, erzählt Sozialpädagogin Veronika Seitz.

Alex (2. von rechts) und Siar (3. von rechts) teilen großzügige Portionen ihres Reisgerichts aus. Foto: Hueber-Lutz

Nicht immer sei die Stimmung nämlich so fröhlich, wie an dem Tag, an dem groß aufgekocht wird. Alex und Siar sind eindeutig die Chefs in den beiden Küchen, in denen gebrutzelt wird. Die anderen Jungs schneiden Rohkost, schichten Obst auf Teller, decken den Tisch und spülen gebrauchtes Geschirr gleich ab. Siar ist mit dem Fleisch beschäftigt. Er bereitet Kalb und Lamm zu. Beides muss so zart werden, dass es von den Knochen fällt. Als er den Schnellkochtopf das erste Mal öffnet, ist er noch nicht zufrieden. Nochmal zehn Minuten, verordnet er den Rippchen. Aber der Geruch, der sich in der Küche ausbreitet, ist bereits köstlich. Als das Fleisch schließlich Gnade vor seiner Zunge findet, tragen er und Omar Ali die Töpfe in die zweite Küche. Dort hat Alex schon das Reisgericht mit Rosinen, Karotten und Gewürzen vorbereitet.

Klaus schlürft genüsslich die Brühe

Siar ist für das Fleisch zuständig. Foto: Hueber-Lutz

Klaus bekommt noch schnell ein kleines Tässchen voll Brühe als Kostprobe. Glatt, sämig, duftend dampft sie in der Tasse und Klaus schlürft sie genüsslich. Siar und Alex fügen derweilen die beiden Teile der Mahlzeit zusammen. Und dann bauen sie Türme am Herd. Unten steht der Topf mit dem noch nicht fertigen Reis-Fleisch-Gemisch. Der dazugehörige Deckel wird komplett mit einem Trockentuch umwickelt und auf den Topf gesetzt. Das ist notwendig, damit der Reis schön locker wird, erklärt Alex. Auf den Deckel stellt Siar eine umgedrehte Schüssel und darauf einen weiteren Kochtopf, gefüllt mit Wasser. Sie wollen den Topf mit den Speisen möglichst dicht bekommen. In Afghanistan nehmen sie dazu Steine her, flackert kurz das Leben vor der Zeit in Deutschland auf.

Ein praktischer Tipp von Alex

Ein bisschen braucht das Gericht noch. Alex prüft den Garheitsgrad, indem er von außen an den Topf greift. Wenn das gerade so geht ohne sich zu verbrennen, passt es. Aber noch ist es nicht so weit. Zeit, in dem Kochbuch zu blättern. Rezepte, Information und Lebensweisheiten sind darin bunt gemischt und grafisch so aufbereitet, dass es selber zum Leckerbissen wird. Genauso wie das Essen, das Siar und Alex nun servieren.

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