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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Kultur

Freiluftkino geht in die vierte Runde

Das Cinema Paradiso bietet einen Monat lang Filmvorführungen unter freiem Himmel. Zu sehen gibt es Klassiker und Premieren.
Von Daniel Geradtz, MZ

Bis zu 300 Kinogäste haben allabendlich im Cinema Paradiso am Grieser Steg Platz. Sie verfolgen den Film über Kopfhörer. Foto: Mathias Brekle

Regensburg.Seit vier Jahren verwandelt sich der Grieser Steg im Sommer für mehrere Wochen in ein Freiluftkino. Ab Donnerstag ist es wieder soweit. Dann öffnet das Cinema Paradiso einen Monat lang bis zum 20. August in den Abendstunden seine Pforten. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen den Kinos im Andreasstadel und dem Orphée.

„Mein Favorit ist ‚Paterson‘. Es ist ein langsamer Film“, erklärte Dr. Medard Kammermeier, der die Kinos im Andreasstadel betreibt, bei der Vorstellung des Programms. „Wir suchen die Filme aus, die seit der letzten Open Air Saison im Programmkino gut gelaufen sind.“ Zudem würde das Programm um einige Neuerscheinungen ergänzt. „Davon sind die Kinoverleiher ganz angetan, weil sie wissen, wie schwierig es im Sommer ist, neue Filme mit guten Besucherzahlen an den Start zu bringen.“

Sekpsis ist überwunden

Auch der Film „Tschick“ wird im Cinema Paradiso aufgeführt. Im Bild die beiden Figuren Maik (Tristan Göbel) und Tschick (Anand Batbileg). Foto: Studiocanal

Die Filmauswahl ist vielfältig. Nachdem der deutsche Streifen „Die Blume von Gestern“ den Anfang macht, folgen unter anderem „Tschick“ und „Lommbock“. Der in diesem Jahr mit sechs Oscars ausgezeichnete Film „La La Land“ wird im Cinema Paradiso gleich zwei Mal gezeigt. Neben den bekannten Filmen feiern unter anderem die Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“ oder die Dokumentation über Bud Spencer „Sie nannten ihn Spencer“ ihre Regensburg-Premiere.

Auch der Regensburger Filmemacher Erik Grun zeigt mit „Agentur Frühlingsgefühle“ eine seiner Komödien. Kinobetreiber Kammermeier sagt, dass es seit dem Beginn des Open Air Kinos dazugehöre, einen Film eines regionalen Machers zu zeigen.

Die Veranstalter wollen den Lärmpegel für die Anwohner so gering wie möglich halten. Deswegen wird der Filmton ausschließlich über Kopfhörer wiedergegeben, die die Besucher gegen ein Pfand von zehn Euro an der Kinokasse erhalten. „Das erste Mal war ich skeptisch. Aber es gibt so gut wie keine technischen Probleme“, sagt Kammermeier. Die Schwierigkeiten, die hin und wieder auftreten würden, seien auf leere Batterien zurückzuführen, die innerhalb von wenigen Sekunden ausgetauscht werden können. Auch die Besucher fänden die Idee witzig.

Die Kopfhörer bieten laut Kammermeier einen weiteren Vorteil: An ihnen kann die Lautstärke individuell eingestellt werden. „Da wir nur 300 Kopfhörer haben, sind wir auf eine strikte Obergrenze von 300 Personen festgelegt“, sagt er. Wenn zu fortgeschrittener Stunde die kleinen Lämpchen an den Geräten im Dunkeln leuchten, sehe das aus, wie 300 umherschwirrende Glühwürmchen, sagt Kammermeier.

Eigene Gesetze im Open-Air-Kino

Die Beschallung über die Kopfhörer führt laut dem Kinobetreiber zu einer ungewohnten Bewegung des Publikums. „Die Leute können zwischendurch aufstehen und zum Ausschank gehen.“ Auch in diesem Jahr können sie sich im Orphee-Bodega-Bewirtungszelt von Neli Färber Erfrischungen holen. Außerdem sagt Kammermeier: „Das Open Air Kino scheint eigene Gesetze zu haben. Da braucht man den Besuchern nicht mit einem Kammerspiel ankommen.“

Die Stimmung bezeichnet er als gut. Sie sei bei warmem Wetter am besten. Denn sobald die Zuschauer bei kühlen Temperaturen Decken oder Jacken auspackten, werde es ungemütlich. Vor allem bei Filmen wie „The Rocky Horror Picture Show“ sei es witzig, die mitsingenden Besucher zu beobachten. „Da sie sich nicht hören können, hört sich es falsch an, wenn sie singen“, findet er. Der Film ist in diesem Jahr zum wiederholten Mal in das Programm aufgenommen worden, weil er bei den Besuchern gut angekommen sei.

Orphée-Wirt Neli Färber ergänzt: „Für uns spielt es eine große Rolle, dass das Open Air Kino dort stattfindet, wo man gerne ist.“ Die Spielfläche wenige Meter abseits des Grieser Stegs biete eine Mischung aus „dem Grün und dem Duft des Sommers“. Er habe bedauert, dass lange Zeit kein Freiluftkino in Regensburg exstiert habe und davor nur an unattraktiven Orten. Deswegen hob er gemeinsam mit Medard Kammermeier das Projekt aus der Taufe.

Wechsel bei schlechtem Wetter

Doch im Cinema Paradiso geht es nicht immer nur um das Kino: Am 24. Juli findet die Weltpremiere des Kopfhörer-Konzerts der Gruppe „Trio Elf“ statt. Die drei Musiker sind nicht nur in ihrer Heimatstadt Regensburg bekannt. Im vergangenen Jahr haben sie den Bremer Jazzpreis erhalten.

Auch für schlechtes Wetter haben die Veranstalter vorgesorgt: Durch die Nähe zu den Kinos im Andreasstadel können die Vorführungen an einen trockenen und warmen Ort verlegt werden. Dies ist eine Neuerung in diesem Jahr. Der große Kinosaal bietet zwar nur Platz für 90 Personen, doch Kammermeier ist sich sicher, dass das ausreicht. „Wenn es regnet, kommen nicht annähernd so viele Besucher“, weiß er.

Das Freiluftkino sei für ihn unerlässlich. „Es ist eine fast schon lebensnotwendige Situation“, sagt Kammermeier. Der Sommer biete in Regensburg so viele kostenlose Kulturangebote, dass Kinobesuche schlagartig abnehmen würden.

Nachdem das erste Freiluftkino im Jahr 2014 auf Anhieb 2600 Besucher an den Grieser Steg lockte, konnte ein Jahr später mit 5600 Kinogästen ein bislang nicht überbotener Rekord aufgestellt werden. In diesem Jahr peilt Kammermeier diese Zahl erneut an. Doch er weiß: „Das ist stark vom Wetter abhängig.“ Pro Abend können 150 Tickets über das Internet reserviert werden. So wollen die Organisatoren auch den Kurzentschlossenen an der Abendkasse noch eine Chance auf ein Ticket bieten.

Neben dem Cinema Paradiso wird in Kürze auch wieder das zweite Regensburger Freiluftkino seinen Betrieb aufnehmen. Vom 1. bis zum 31. August können die Besucher in der Armin-Wolf-Arena nationale und internationale Streifen anschauen.

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Das Freiluftkino

  • Vorführungen:

    Zwischen dem 20. Juli und dem 20. August beginnen die Vorführungen jeden Abend gegen 21 Uhr. Ab 18 Uhr beginnt die Bewirtung im Cinema Paradiso am Grieser Steg.

  • Eintritt:

    Der regluäre Eintrittspreis beträgt zehn Euro, der ermäßigte Eintritt kostet acht Euro. Werden die Vorführungen in das Kino verlegt, zahlen die Besucher die dort geltenden Eintrittspreise.

  • Filme:

    Die meisten Filme werden einmal gezeigt. Erfolgreiche Streifen wie „La La Land“, „Wilde Maus“, „Tschick“ und „Lion“ laufen doppelt, um bei Regen eine zweite Chance zu erhalten.

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