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Regensburg
Sonntag, 28. August 2016 33° 1

Kirche

Gänswein hatte päpstlichen Auftrag

Der Erzbischof war Gast bei Ratzingers Geburtstagsmesse. Es bleibt bei Stippvisiten: Sein Wechsel an die Spitze eines Bistums ist unwahrscheinlich.
Von Christine Schröpf und Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Papstsekretär Georg Gänswein sprach im Interview auch über den Fall Tebartz-van Elst und über die Entlassung von rund 400 pädophilen Priestern durch Papst Benedikt in den Jahren 2011 und 2012. Foto: dpa

Regensburg.Sie sind im Auftrag und in Vertretung Benedikts nach Regensburg gekommen: Wie gerne wäre er selbst beim Geburtstagsgottesdienst seines Bruders dabei gewesen?

Für ihn war es tröstlich, dass ich an seiner Stelle gekommen bin. Aber es ist ihm natürlich schon etwas schwer gefallen.

Ist es nicht doch vorstellbar, dass er noch einmal heimlich nach Regensburg kommt?

Er wird weder heimlich noch unheimlich kommen (lacht). Heimlich kommen – nach so vielen Jahren Erfahrung halte ich das für ausgeschlossen.

Sie sind auch nach dem Rücktritt ein treuer Begleiter von Papst Benedikt ...

Ja, ich wohne bei ihm.

Wie darf man sich das vorstellen? Auf einer Etage?

Richtig, ganz genau. Am Morgen feiern wir die Heilige Messe. Wir frühstücken zusammen, essen auch am Mittag und am Abend gemeinsam, wenn ich nicht wegen Auswärtsverpflichtungen verhindert bin.

Für Sie hat sich seit dem Rücktritt Benedikts viel verändert. Sie sind nun Präfekt des päpstlichen Hauses von Franziskus. Dieser wohnt aber noch im Gästehaus Santa Marta. Ist es sehr ruhig geworden?

Bei mir? Überhaupt nicht. Papst Franziskus ist ein sehr agiler und unternehmungsfreudiger Papst. Da gibt es also viel zu tun – und auch bei Papst Benedikt geht es hurtig weiter. Denn ich bin weiter sein Privatsekretär, besorge die Post und kümmere mich um die Besuche.

Müssen Sie sich da auch auf zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten einstellen?

Es sind zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Aber ich sehe das nicht negativ, sondern komplementär. Nach relativ kurzer Zeit habe ich mich selbst gut auf Papst Franziskus eingestellt und es funktioniert sehr gut. Wir sind gut aufeinander eingespielt. Nicht selten fragt er um Rat, denn seine Romerfahrung ist gering.

Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Die Präfektur macht die Vorschläge, vom Staatsbesuch, über Privataudienzen bis zur Generalaudienz. Nächste Woche ist zum Beispiel der französische Präsident Francois Hollande da. Es gibt natürlich auch sehr viele Besuche, die genauso wichtig sind, aber nicht das gleiche öffentliche Interesse finden. Für die Präfektur ist es wichtig, dem Papst die Bahn frei zu machen und mögliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Ist Erzbischof Gerhard Ludwig Müller häufig bei Benedikt zu Besuch?

Er war zu Besuch, natürlich vom Papst eingeladen – auch als Georg Ratzinger in Rom war. Es besteht ein mitbrüderliches, herzliches Verhältnis.

Wird Papst Benedikt dabei sein, wenn Müller zum Kardinal erhoben wird?

Bei den Feierlichkeiten im Petersdom wird er nicht dabei sein. Der regierende Papst heißt Franziskus, der Papst emeritus heißt Benedikt – und er hat deutlich gesagt, dass er sich zurückzieht und die Kirche und seinen Nachfolger durch das Gebet begleitet.

Sie bleiben treu an Benedikts Seite: Reizt Sie kein Bischofsamt in Deutschland?

Manche würden sich freuen, andere würden es befürchten.

Sie werden für Freiburg, Köln und Hamburg gehandelt. Dafür müssten Sie von den dortigen Domkapitel gewählt werden.

Wenn auf einer Liste der Domkapitel mein Name stünde, würden wohl andere den Vorzug bekommen.

Weil Sie als zu konservativ gelten?

So ist es den Medien zu entnehmen.

Stimmt es nicht?

Ich würde gerne einmal ein Beispiel dafür bekommen, woran das Konservative bei mir festgemacht wird.

Sie haben zum Beispiel zum Frauendiakonat Nein gesagt.

Die Kirche hat Nein gesagt. Ich wurde gefragt, ob Papst Franziskus das Frauendiakonat einführt und habe geantwortet, dass ich mir das nicht vorstellen kann. Müsste man dann nicht auch das Priester- und das Bischofsamt für Frauen öffnen? Wenn mich das zum Konservativen macht, dann bin ich das halt.

In Metten wartet gerade Bischof Tebartz-van Elst auf die Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn. Wie ist der Fahrplan?

In der Tat geht es darum, die Ergebnisse der Kommission abzuwarten. Das Ergebnis muss dann der Bischofskongregation in Rom vorgelegt werden. Erst danach und nach reiflicher Überlegung wird der Heilige Vater selbst die Entscheidung fällen. Ich glaube sehr wohl, dass die Untersuchung Vorwürfe bezüglich Geldverschwendung, Nichtkommunikation und Überspringung von Kontrollorganen zu Gunsten des Bischofs ausräumen wird.

Gerade ist bekannt geworden, dass Papst Benedikt 2011 und 2012 rund 400 pädophile Priester entließ. Was waren das für Situationen?

Die Entlassung aus dem Priesteramt ist eine Strafe. Sie können sich vorstellen, dass Papst Benedikt sehr darunter gelitten hat. Aber es ist klar, in diesen Situationen musste entschieden und klar gehandelt werden. Das hat Papst Benedikt eindeutig getan, aber es tat ihm sehr weh und es tut ihm sehr weh.

Warum hat der Vatikan die Zahl so lange nicht publiziert – gerade in einer Zeit, in der Rom Untätigkeit vorgeworfen wurde?

Diskretion ist wichtig, nicht weil man etwas verheimlichen will, sondern weil man Personen schützen will. Es hat sich gezeigt, dass es nun besser ist, in dem Punkt eine etwas offenere Kommunikation zu betreiben. Pädophile Straftaten sind bitter und müssen geahndet werden. Wenn Böses in der Kirche geschieht, muss die Kirche sofort und entschieden handeln.

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