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Regensburg
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Kirche

Geburtstagsgruß aus der Heimat

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. wird am Ostersonntag 90 Jahre alt – und hat sich Besuch aus Pentling eingeladen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Zehn Jahre ist das her: Papst Benedikt XVI. schüttelt bei seinem letzten Besuch in der Heimat vor seinem Wohnhaus in Pentling die Hände der wartenden Kinder.Foto: dpa

Regensburg.In der Stimme von Barbara Wilhelm ist schon die Vorfreude zu hören. Am Ostersonntag ist die Bürgermeisterin von Pentling ins Kloster Mater Ecclesiae eingeladen. Sie wird Teil einer kleinen Gruppe von Gästen sein, die dem emeritierten Papst Bendikt XVI. zum 90. Geburtstag gratulieren darf. „Es ist für mich eine große Ehre“, sagt sie. Die Freude ist auch deshalb so groß, weil Benedikt XVI. die Einladung persönlich veranlasst hat, als ihm von der Anfrage aus seiner Heimatgemeinde berichtet wurde.

„Pentling, da freue ich mich. Ja, Pentling ist natürlich dabei“, zitierte die Bürgermeisterin aus dem Telefonat mit Schwester Birgit, die im Auftrag des emeritierten Papstes die Einladung überbrachte. Aus gesundheitlichen Gründen werde Benedikt XVI. kein großes Fest feiern, erfuhr Wilhelm bei diesem Gespräch. Wer außer ihr noch persönlich gratulieren darf, das weiß die Bürgermeisterin nicht.

„Es kommt einfach immer wieder durch, dass Pentling der Ort ist, wo er sich zu Hause fühlt, wo er gerne seine Vorstellung vom Altwerden gelebt hätte.“

Barbara Wilhelm, Bürgermeisterin Pentling

Wilhelm war zuletzt vor zwei Jahren in Rom. Damals empfing der emeritierte Papst eine kleine Delegation aus Pentling. „Ein unvergesslicher Besuch“, schwärmt sie noch heute. Benedikt XVI. habe die Gruppe in seine persönlichen Wohnräume eingeladen und sich bestens informiert über seine Heimat gezeigt. „Er wusste sogar, dass ich im Gemeinderat keine Mehrheit besitze“, erzählt die Bürgermeisterin. Auch habe er nach verschiedenen Bürgern aus dem Ort und deren Befinden gefragt. „Es kommt einfach immer wieder durch, dass Pentling der Ort ist, wo er sich zu Hause fühlt, wo er gerne seine Vorstellung vom Altwerden gelebt hätte. Aber es kam eben anders“, sagt Wilhelm. Nun kommt eben Pentling regelmäßig in den Vatikan.

Auch Rupert Hofbauer, der viele Jahre Joseph Ratzingers Nachbarn war, pflegt bis heute den Kontakt. Zuletzt habe der Heilige Vater an Weihnachten geschrieben, erzählt er. „Er wollte wissen, wie es zu Hause zugeht und was der Garten macht“, erzählt Hofbauer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Im Spätsommer ist in Rom nach drei Jahren wieder ein persönliches Treffen geplant. Dann feiert Hofbauer mit seiner Frau den 50. Hochzeitstag –und auch Papst Benedikt soll dabeisein und das Paar segnen.

Unter den Gratulanten zu Benedikts Geburtstag wird auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sein. Mehr dazu lesen Sie hier.

Am Karsamstag geboren

Dass der runde Geburtstag des emeritierten Papstes mit Ostern, dem bedeutendsten Fest der Christen zusammenfällt, ist ein schöner Zufall. Wie Veit Neumann von der Bischöflichen Pressestelle des Bistums sagt, fiel auch die Geburt auf das Hochfest. Joseph Ratzinger kam am Karsamstag zur Welt. Aus Anlass des runden Geburtstages hat das Bistum alle Pfarreien und Seelsorgestellen zum Gebet für den emeritierten Papst aufgerufen. Im sogenannten Liturgischen Direktorium sei dafür ein eigener Vermerk am 16. April, dass im Fürbittengebet an Benedikt XVI. gedacht werden soll. Auch Bischof Rudolf Voderholzer wird in Regensburg für den heiligen Vater beten und nicht nach Rom reisen, sagt Neumann.

Das eigentliche Geburtstagsgeschenk des Bistums ist derzeit noch im Entstehen. Zum 11. Jahrestag des Papstbesuches im September soll das Werk des niederbayerischen Bildhauers Joseph Michael Neustifter in der Grünanlage vor dem Portal der Schottenkirche St. Jakob stehen. Das Denkmal, das am 11. April der Öffentlichkeit erstmals in einem Modell vorgestellt wird, soll an den Besuch des bayerischen Papstes in Bayern im Jahr 2006 erinnern.

Benedikt XVI. und sein älterer Bruder Georg in der Sixtinischen Kapelle. Foto: dpa

Das Papst-Benedikt-Institut in Regensburg wird zum Geburtstag zwei neue Schriften herausgeben, darunter das erste Werk des damals 19-jährigen Joseph Ratzinger, in dem er sich mit einem bedeutenden Text von Thomas von Aquin über die Liebe auseinandersetzt. Vorwort und Kommentierung der Schrift stammen von Prof. Dr. Rolf Schönberger vom Lehrstuhl Geschichte der Philosophie an der Universität Regensburg. An der Universität, an der Joseph Ratzinger in den 1970er Jahren lehrte, findet am 6. Mai ein Symposium zu Papst Benedikt XVI. aus Anlass des runden Geburtstages statt. Bischof Voderholzer wird ein Grußwort sprechen.

Ob es Georg Ratzinger gesundheitlich möglich sein wird nach Rom zu reisen, um seinem Bruder persönlich zum Geburtstag zu gratulieren, das ist bislang nicht bekannt. „Das wird wohl ganz kurzfristig entschieden werden“. glaubt Rupert Hofbauer. Die Pressestelle des Bistums will sich nicht dazu äußern. Man sei nicht darüber informiert, welche Gäste bei der Feier von Benedikt XVI. in Rom erwartet werden. In den vergangenen Jahren hatte Georg Ratzinger seinen Bruder regelmäßig an dessen Geburtstagen im Kloster Mater Ecclesiae besucht. Zuletzt verbrachte er im vergangenen Sommer drei Wochen Urlaub gemeinsam mit seinem Bruder Joseph.

Kommt Franziskus gratulieren?

Nicht bekannt ist, ob auch Papst Franziskus trotz der Osterfeierlichkeiten, die ihn stark binden, zum Gratulieren bei seinem Vorgänger vorbeischauen wird. Benedikt XVI. hatte Papst Franziskus zu dessen 80. Geburtstag im Dezember vergangenen Jahres in einem persönlichen Telefonat seine Glückwünsche überbracht und zudem einen persönlichen Brief mit drei kleinen Geschenken geschickt, wie der Vatikan damals berichtete

Der Löwe, der das Herz des Papsts eroberte: Was aus Prince Benedict geworden ist, lesen Sie hier.

Papst Benedikt in seiner Heimat. Foto: dpa

Kurienerzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär beider Päpste, sagte in in einem Interview mit Radio Vatikan zum bevorstehenden Geburtstag von Benedikt XVI., dass er weiterhin guter Dinge sei und einen geregelten Tagesablauf mit morgendlicher Messe, dem Empfang von Gästen, Spaziergängen in den vatikanischen Gärten und viel Lesen und Beten pflege. Er sei geistig noch immer sehr rege. „Er ist ganz klar im Kopf, ganz hell“, sagte Gänswein. Sorgen würden dem Heiligen Vater aber seine Beine machen, die nicht mehr so wollten. Er benutze deshalb einen Rollator und komme damit gut zurecht.

Am Ostersonntag werden die Pentlinger, wie alle Gläubigen im Bistum, für den emeritierten Papst beten. Danach wird in der Heimatgemeinde mit einem Festakt des Ehrenbürgers gedacht. Schon jetzt sammelt Bürgermeisterin Wilhelm die handschriftlich verfassten oder gemalten Geburtstagsgrüße der kleinen und großen Gemeindebewohner, um sie persönlich zu überreichen. Auch das Mittelbayerische Medienhaus wird Geburtstagsgrüße überbringen, die der deutsche Papst dann ausgiebig bei der Morgenlektüre studieren kann. Denn auch mit 90 Jahren informiert sich Benedikt noch täglich über die Ereignisse in seiner Heimat. Die Mittelbayerische Zeitung wird ihm mit Luftpost zugestellt.

Die wichtigsten Stationen des Lebens von Joseph Ratzinger sehen Sie in unserer Chronologie:

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