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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Soziales

Genossenschaften wollen endlich bauen

Die sozialen Bauträger wollen 500 günstige Wohnungen errichten. Sie liebäugeln mit dem Gelände der Leopoldkaserne.
Von Marion Koller

Die Hoffnung der Genossenschaften richtet sich auf das Gelände der ehemaligen Leopoldkaserne im Regensburger Stadtosten. Foto. Lex

Regensburg.Eva Robold hat es geschafft. Die 57-jährige städtische Angestellte kann noch im Dezember in eine günstige Zwei-Zimmer-Wohnung der Wohnbau St. Wolfgang in der Augsburger Straße ziehen. Angelika Ott und ihr Mann dagegen suchen seit Mai 2016 und verzweifeln allmählich. Sie müssen bald raus aus dem Wohnblock in der Otto-Hahn-Straße, wo sie 18 Jahre lang lebten, weil er abgerissen wird.

Über die Wohnbau-Genossenschaften suchen sie Ersatz, denn der freie Mietmarkt in Regensburg ist der Reinigungsfrau und dem Kraftfahrer zu teuer. „Entweder die Wohnungen schauen unter aller Kanone aus oder es werden Mietpreise verlangt, die kein Normalsterblicher zahlen kann“, klagt die gelernte Verkäuferin (52).

Tausende warten

Eva Robold ist glücklich. Sie bekam den Zuschlag für eine Genossenschaftswohnung der Wohnbau St. Wolfgang in der Augsburger Straße.Foto: MDS

Tausende Namen stehen auf den Wartelisten der Regensburger Baugenossenschaften. Allein bei der Wohnbau St. Wolfgang sind es 500, jeden Tag lassen sich bis zu zehn Mietinteressenten vormerken. In der Stadt gibt es viel zu wenig bezahlbare Wohnungen. Die Genossenschaften wollen das ändern. Alle zusammen könnten in den nächsten fünf Jahren 500 Mietwohnungen errichten, versichert Markus Leberkern, Vorstand von St. Wolfgang. Dafür benötigen sie aber günstigen Grund. Bisher hatten sie beim Verkauf städtischer Flächen meist das Nachsehen, weil Investoren wesentlich mehr bezahlen können. Zurzeit baut nur eine Genossenschaft auf einstigem städtischen Grund: W.I.R. (Wohnen Inklusiv Regensburg) zieht auf dem Areal der früheren Nibelungenkaserne 50 Wohnungen hoch.

Mögliches Bau-Areal

  • Der Plan:

    Die Stadt kauft das Areal der ehemaligen Leopoldkaserne. Dort könnten Genossenschaften bauen.

  • Die Mieten:

    Das Werkvolk Amberg, das 1020 Wohnungen in Regensburg verwaltet, verlangt bis zu 7,20 Euro Miete pro Quadratmeter; die Wohnbau St. Wolfgang höchstens zehn Euro.

  • Die Beteiligten:

    Im Bündnis für bezahlbares Wohnen mischen Genossenschaften, Immobilien Zentrum Regensburg, Mieterbund und Stadtbau mit. Bisher gab es aber nur ein Treffen.

Wegen der Korruptionsaffäre, bei der mutmaßliche Mauscheleien rund um Grundstücksgeschäfte bekanntwurden, scheint sich das Blatt zu wenden, aber nur langsam. Die Genossenschaften dringen stärker darauf, endlich bei städtischen Vergaben berücksichtigt zu werden.

„Wir bauen für die Leute, die es nicht so dick haben.“

Dagmar Kierner, Amberger Werkvolk.

Die Hoffnung der Genossenschaften richtet sich auf das Gelände der ehemaligen Leopoldkaserne im Stadtosten. Die Stadt Regensburg verhandelt mit dem Bund über den Kauf. Markus Leberkern ist überzeugt davon, dass die Genossenschaften dort bezahlbare Bauflächen bekommen werden. In den nächsten drei bis fünf Jahren könnten Wohnungen realisiert werden. Stellvertretender Planungsreferent Anton Sedlmeier sagt, nach einem Abriss der Kaserne „dürften die Genossenschaften zum Zug kommen“. Dagmar Kierner vom Werkvolk hat das Gespräch mit den Fraktionschefs im Stadtrat gesucht. Diese verweisen ebenfalls auf das Kasernen-Areal.

Zwei weitere kommunale Flächen untersuchen die Fachleute der Stadt auf Bebaubarkeit. Bis zu 150 Wohneinheiten, auch von Genossenschaften, könnten dort laut Anton Sedlmeier entstehen. Die Lage verrät er nicht, solange die Sondierungen laufen.

„Das Vertrauen ist erschüttert“

Der Stadtrat hat Sedlmeiers Amt für Stadtentwicklung, das Liegenschaftsamt und weitere städtische Behörden beauftragt, einen grundsätzlichen Vorschlag zu erarbeiten, wie die Genossenschaften bei der Vergabe städtischer Grundstücke berücksichtigt werden können.

„Ob es eine Quote oder eine andere Lösung geben wird, ist offen.“ Anton Sedlmeier, Amt für Stadtentwicklung.


Doch die Überlegungen zeigen, dass die Baugenossenschaften künftig stärker berücksichtigt werden sollen, auch wenn der Prozess langsam geht.

Markus Leberkern ist optimistisch und weiß, dass die Stadt Vorlauf braucht: „Das geht nicht von heute auf morgen.“ Dagmar Kierner dagegen bleibt skeptisch. „Das Vertrauen ist erschüttert, ob man in Regensburg als Genossenschaft zum Zug kommt.“

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