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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Tradition

Hände schütteln im Akkord

Die Regensburger Bürgermeisterin begrüßte zum Neujahrsempfang 470 Gäste allein. Ihre Vision: Regensburg als „Smart City“.
Von Julia Ried

  • Viele der etwa 470 Gäste wünschten Gertrud Maltz-Schwarzfischer Kraft und Gesundheit. Hier schüttelt sie die Hände von Helgit Kadlez, ehemalige CSU-Stadträtin und frühere Vorsitzende des Sozialverbands VdK. Foto: altrofoto.de
  • Neujahrsempfang Stadt Regensburg mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Reichssaal Foto: altrofoto.de

Regensburg.Theaterintendant Jens Neundorff von Enzberg tanzte am Freitag beim Neujahrsempfang der Stadt aus der Reihe – im übertragenen Sinn: Zwar reihte er sich im Historischen Reichssaal im Alten Rathaus geduldig ein in die Schlange von hunderten Gästen, die Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer allein begrüßen musste. Doch als einziger überbrachte er der SPD-Politikerin ein Geschenk: Er hatte einen Apfel dabei und dazu eine Karte mit dem Spruch „An apple a day keeps the doctor away“.

Widerstandskraft solle das Obst ihr verleihen, erzählte Neundorff von Enzberg. Mit so einem Wunsch allerdings war er am Freitag nicht alleine. „Viel Kraft“ hätten ihr auch Gäste aus den Reihen des politischen Gegners gewünscht, sagte Maltz-Schwarzfischer, die den großen Zuspruch sichtlich genoss. Seit Juli 2017 vertritt sie neben dem derzeit suspendierten Oberbürgermeister auch den erkrankten Bürgermeister Jürgen Huber. „Viele haben mir gesagt, dass sie finden, dass ich meine Arbeit sehr gut mache“, erzählte sie nach ihrer Rede erleichtert. Vorher hatte sie eineinhalb Stunden lang Hände geschüttelt. „Ich war schon unter einer anderen Anspannung als bei anderen Terminen“, räumte sie ein.

Mehr Besucher als 2017

420 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Kirche und Gesellschaft und etwa 50 Regensburger, die das „Bürgerkontinent“ an Einladungen genutzt hatten, waren einer Stadtsprecherin zufolge gekommen; 2017 hatte die Pressestelle die Besucherzahl auf etwa 450 geschätzt.

Mehr Bilder vom Neujahrsempfang finden Sie hier.

Der Neujahrsempfang der Stadt

Mit „Imagine“ von John Lennon leitete eine Schülerband der Clermont-Ferrand-Mittelschule vom Defilee der Gäste über zur Ansprache der Bürgermeisterin. In ihrer straffen, knapp halbstündigen Rede mit Schwerpunkt auf der Kommunalpolitik stellte Maltz-Schwarzfischer den Zuhörern ihre Zukunftsvision von Regensburg vor – ohne dies klar so zu benennen. Sie tritt nicht gern als große Visionärin auf, betont regelmäßig, dass sie in erster Linie den Oberbürgermeister vertrete. Doch am Freitag wurde deutlich, dass ihr eine „Smart City“ vorschwebt, eine Stadt, die technisch fortschrittlich, umwelt- und klimafreundlich agiert, aber gleichzeitig einen hohen sozialen Zusammenhalt aufweist. Die Bürgermeisterin zeichnete nach einem kurzen Exkurs zu den Krisen in der internationalen Politik ein Bild einer wachsenden Stadt, in der die Wirtschaft floriert, die sich aber gerade deshalb anstrengen muss, lebenswert für alle Bewohner zu bleiben.

So reagierten die Gäste auf die Rede der Bürgermeisterin. Lesen Sie hier unseren Bericht.

Niemand soll abgehängt werden

Drängendste Aufgabe der Stadt sei es, eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erreichen. „Denn die hohen Mieten haben immer mehr Einfluss darauf, ob Bürgerinnen und Bürger die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben überhaupt bezahlen können, ob sie sich noch Kinokarten oder einen Kneipenbesuch leisten können – von Urlaub gar nicht zu reden.“ Das betreffe nicht nur Arbeitslose und auf Sozialhilfe Angewiesene, sondern auch Menschen, die einem Beruf nachgehen.

Sehen Sie hier Szenen vom Empfang und einige Ausschnitte aus der Rede:

Video: Simone Grebler

Als weitere große Aufgabe der Stadt sieht sie, den drohenden „Verkehrskollaps“ zu verhindern – intelligent organisierte, umweltfreundliche Mobilität sei der Lösungsweg. „Wir wollen auch dabei sein, wenn Visionen Wirklichkeit werden“, sagte Maltz-Schwarzfischer und nannte als Beispiel „autonom fahrende kleine Elektroautos, die man sich mit einer Smartphone-App bestellen kann“. Um Verkehrs- und Wohnungsprobleme zu lösen, gelte es, Stadt und Umland als eine zusammengehörende Region zu denken. Für nötig hält sie ein „gemeinsames Entwicklungskonzept“.

Und das sagten die Gäste des Neujahrsempfangs zur Rede der Bürgermeisterin:

Video: Simone Grebler

Weitere Meldungen aus Regensburg lesen Sie hier.

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Der Neujahrsempfang der Stadt

  • Defilee:

    Die Vertreter der Stadtspitze begrüßen traditionell alle Gäste persönlich mit einem Händedruck. Für die Besucher beginnt der Neujahrsempfang deshalb in einer Warteschlange.

  • Rede:

    Die Ansprache zum neuen Jahr hält der Oberbürgermeister, in diesem Jahr übernahm das seine Vertreterin. Die Gäste hören im Stehen zu, danach werden ihnen Häppchen gereicht.

  • Besondere Gäste:

    Als besondere Gäste waren diesmal Vertreter des Jugendbeirats und der von der Stadt verwalteten Stiftungen eingeladen. Ihre Arbeit stellte die Bürgermeisterin kurz vor.

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