mz_logo

Regensburg
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Jüdische Gemeinde in Regensburg

Hans Rosengold ist tot

Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Regensburg, Hans Rosengold, ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

  • Hans Rosengold (l.) mit dem Stolperstein seines Vaters am Regensburger Platz der EInheit 1 (Foto: altrofoto.de)
  • Hans Rosengold (Archivfoto: altrofoto.de)

Regensburg. Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Regensburg, Hans Rosengold, ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

Hans Rosengold wurde am 30. Oktober 1923 in Regensburg geboren und leitete seit mehr als 45 Jahren die jüdische Gemeinde in der Domstadt. „Zwei Dinge haben sein Leben geprägt, Regensburger zu sein und Jude“, schrieb MZ-Redakteur Helmut Emmeram Wanner 2008 über Rosengold. Damals, im Vorfeld des 85. Geburtstags von Rosengold, beschrieb Wanner auch den Werdegang des Regensburgers:

„Es gibt Bilder, die zeigen ihn in Lederhose beim elterlichen Sonntagsausflug nach Kneiting. Weil er den mosaischen Glauben hat, hatte er das Goethe-Gymnasium in der vierten Klasse zu verlassen, musste eine Kochlehre in jüdischen Betrieben in Bad Kissingen und im Berliner Grunewald beginnen. Dort erlebte er als 15-Jähriger den 9. November, der sich jetzt zum 70. Mal jährt, in U-Bahnzügen. „Ich fuhr ständig hin und her. Die Leute fragen mich immer wieder, warum ich über diese Zeit so relativ fröhlich erzählen kann. Für einen jungen Menschen war das doch reines Abenteuer“, sagt Rosengold und zieht an einer filterlosen Gitanes. „Wann kommt ein Regensburger Bua wie ich schon auf ein 19 000-Tonnen- Schiff?“

Am 15. Oktober 1939 legte die italienische „Oceania“ in Triest in Richtung Buenos Aires ab, im Laderaum Hans Rosengold und seine Mutter. Die hatte in Buenos Aires immer großes Heimweh nach der Stadt an der Donau. Ihr Sohn Hans hatte es als Junger leichter, lernte unschwer Spanisch, nannte sich Juan und wurde in dem Hotel, in dem er als Koch arbeitete sogar zum Betriebsrat gewählt, „was mir die zweifelhafte Ehre einbrachte, an einem Treffen mit Evita Perron teilnehmen zu dürfen.“ Don’t cry for me… Nein er habe für Evita keine Träne vergossen. „Sie war ein Miststück.“

Die Rückkehr ins väterliche Textilgeschäft, das Max Rosengold als Nachfolger der Gebrüder Manes in der Goliathstraße betrieben hatte, war für ihn mühsam. Eigentlich habe seine Mutter für ihn die Entscheidung getroffen, 1949 in Regensburg wieder weiter zu machen. Fünf Jahre habe er zwischen Buenos Aires und Regensburg gependelt. 1955 schließlich etablierte sich Hans Rosengold wieder in Regensburg mit der Firma Carlson. Er hätte gerne das Jubiläum dieser Firma gefeiert. „1908 hatte sich Max Rosengold in der Goliathstraße ja selbstständig gemacht. Das werden jetzt 100 Jahre.“

Seit 1963 ist Hans Rosengold im Vorstand der Jüdischen Gemeinde der Vermittler und Versöhner. „In all den Jahren war meine Leitlinie, mit vielen Menschen gute, ehrliche und auch liebenswerte Beziehungen aufzubauen.“ Das Karavan-Relief, das Dokument und die Gastgeberrolle beim Bruder-Besuch des Papstes waren die schönsten Früchte. „Die Beziehung Kirche- Israel war und ist in der 1000-jährigen Geschichte der Juden in Regensburg von größter Bedeutung.“

Hans Rosengold wird am Montag um 14 Uhr am Jüdischen Friedhof beigesetzt. Aufgrund des Monats Nissan wird es bei der Trauerfeier keine Trauerreden geben. .Am Montagabend beginnt Pessach, das jüdische Osterfest.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht