mz_logo

Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Jubiläum

Helmut Brossmanns Bekehrung

Der Papstbesuch und die Folgen: Zum Beispiel haben der Medienmanager und Modeschöpferin Micaela Sabatier zur Kirche gefunden.
Von Helmut Wanner, MZ

Da schau her: Eine goldene Domspatzen-CD, überreicht von Helmut Brossmann. Foto: Brossmann

Regensburg.Wer behauptet, dass Gott nur eine brillante Geschäftsidee sei, der frage Helmut Brossmann, den Medienmanager. Der Papstbesuch war für ihn ein glatter Reinfall – geschäftlich gesehen. Aber dennoch war der Papst in Regensburg für ihn ein Ereignis, das „so nicht wieder kommt“. Geistlich zehrt er davon noch heute.

„Ach, Sie sind der, der den Herrn Brossmann katholisch macht.“

Papst em. Benedikt XVI. zu BGR Raster

In seinem Lager in Herrenried stapeln sich zehn Jahre nach dem Heimatbesuch Papst Benedikt XVI. Hunderte von sogenannten Papstsets, bestehend aus einer CD „Konzert für Papst Benedikt“, einem Buch „Hier bin ich wirklich daheim“ und einem Amulett zum Umhängen mit den Worten „Wer glaubt ist nie allein“.

„Null, absolut Null ist gegangen“

Im April 2006 wurde das offizielle Lied zum Papstbesuch in St. Andreas vorgestellt: Es dirigiert der Komponist Dr. Christian Dostal Foto: altrofoto.de

Während es das Papstlied aus der Feder von Hagen Horoba und Dr. Christian Dostal ins Gotteslob geschafft hat und, wie der Emmeramer Kirchenmusiker Matthias Schlier bestätigt, immer wieder gerne gesungen wird („In St. Emmeram ist es ein offizieller Hymnus, der gerade bei der Wolfgangswoche erklingt“), ist das Papst-Set der Ladenhüter des Jahrzehnts.

„Null“, sagt er, „absolut Null ist gegangen. Nicht nur bei mir, auch bei den anderen.“ Papstschirme, Papsthaferln, alles hat gefloppt. Das eherne Gesetz des Merchandising, das besagt, dass mindestens ein bis drei Prozent der Besucher eines emotionalen Ereignisses kaufen, sei damals „komplett ausgehebelt worden“. „Von den Papst-Sets habe ich nur drei Stück verkauft. Sollte Interesse bestehen: Ich kann liefern“, sagt Brossmann mit einem Schuss Galgenhumor.

Der Papstbesuch hat ihm damals gezeigt, dass es auch noch eine andere Welt gibt als die des Kaufens und Verkaufens. „Glauben lässt keinen Raum für Konsum. Der Gläubige geht im Glauben auf. Da gleitet das Anbieten von Devotionalien für Geld voll ab in die Lächerlichkeit.“

Lesen Sie hier die Berichterstattung zum Papstbesuch vor zehn Jahren!

Auch bei Essen und Trinken sei Flaute gewesen. Davon haben er sich in den Gassen rund um die Maxstraße selbst ein Bild machen können, „Die Gläubigen haben ohne Essen und Trinken ausgeharrt. Die Geschäftsleute blieben auf einem Berg von Wurst und Steaks sitzen. Die Leute wollten nicht essen, sie wollten den Papst sehen.“

Helmut Brossmann, der lange Zeit die Kastelruther Spatzen und Slavko Avsenik managte, hat sich fast völlig von der Welt der volkstümlichen Musik zurückgezogen. Er engagiert sich merchandisingmäßig „a bissl“ für die BR-Serie „Dahoam is dahoam“, wo er manchmal auch als der Herr Bischof aufkreuzt. Hauptsächlich lebt er von seiner Helikopter-Vermietung und den Schafherden.

Was blieb vom Papstbesuch

  • Das Papst-Set:

    Helmut Brossmann blieb auf seinem besonderen Angebot zum Papstbesuch 2006 sitzen. In seinem Lager in Herrenried stapeln sich zehn Jahre nach dem Heimatbesuch Papst Benedikt XVI. noch Hunderte von Papstsets, bestehend aus einer CD „Konzert für Papst Benedikt“, einem Buch „Hier bin ich wirklich daheim“ und einem Amulett zum Umhängen mit den Worten „Wer glaubt ist nie allein“.

  • Schöne Revertitin:

    Micaela Sabatier ist gern katholisch und immer noch „hin und weg“ vom Papst: „Echt super genial“, sagt sie. Sie traf 2006 im VIP-Zelt auf der Papstwiese „Party-Leute, die ich von St. Tropez kenn‘“ und war überrascht, „dass die dann doch so einen Glaubenshintergrund haben“. Und dann so viele toll aussehende junge Männer und Frauen. Ich hätte am Schlag zehn Eva Padbergs casten können.“

  • Wer glaubt ist nie allein:

    Dr. Christian Dostal, der Diözesankirchenmusikdirektor, hatte den Auftrag. Hagen Horoba, der den Text dazu verfasste. „Ich ließ mich dabei aus den Predigten zu seiner Amtseinführung inspirieren, die mich sehr berührten.“ Das Lied steht im Gotteslob. Seine Eltern haben es sich zu ihrer Goldenen Hochzeit gewünscht.

Mit dem Papst-Jubiläum feiert der gelernte Hirte ein privates Jubiläum. Zehn Jahre ist es her, dass ihn BGR Karl Raster, Kanoniker des Stifts unserer lieben Frau zur Alten Kapelle, auf den Übertritt zur katholischen Kirche vorbereitet hat. Ein Abglanz davon ist auf dem offiziellen Video der Weihe der Papst-Orgel zu sehen. Man stelle sich vor: Benedikt XVI. schreitet die Reihe der Kanoniker ab, schüttelt Hände. BGR Karl Raster wird ihm vorgestellt. „Ach, Sie sind der, der Herrn Brossmann katholisch macht.“

Brossmann und der Papst: Das war schon vor Benedikts Heimat-Visite eine illustre Geschichte für sich. Wie mehrfach berichtet, gehörte Benedikt XVI. zu den Fans der Serie mit dem Polizeihund Kommissar Rex, die Helmut Brossmann vermarktete. Die Begegnung mit dem Papst hinterließ beim Altmannsteiner Flüchtlingskind eine nachhaltige Wirkung. An Ostern 2007 wurde Helmut Brossmann in der Alten Kapelle gefirmt. Seine Firmpate war Domkapellmeister Georg Ratzinger. „Zwischen uns besteht immer noch ein enge Verbindung.“

„Der Herrgott wird’s schon richten“

Was ist von seinem Glauben geblieben? „Wenn ich draußen in Prunn im Altmühltal bei meinen Schafen bin, dann gehe ich jeden Tag in eine bestimmte Kapelle zum Beten.“ Und dieses kleine Wunder hat er dem Papst em. nach Rom geschrieben: „Ich habe früher sehr viel Angst vor Krankheiten gehabt, man kann schon sagen, ich war etwas hypochondrisch veranlagt. Das ist jetzt fast weg.“

„Ich bin 55 Jahre alt, habe etwas Herzprobleme, aber ich habe gelernt, jeden Tag mein Schicksal in Gottes Hände zu legen. Ich sage mir heute: Der Herrgott wird’s schon richten.“ Der Papstbesuch hatte nachhaltige Wirkung. Sie glänzt nicht mit Zahlen, aber sie ist da.

Micaela Sabatier trat vor zehn Jahren wieder in die Kirche ein. Foto: Wanner

Eine der schöneren Folgen ist, dass Micaela Sabatier, die 1995 („wegen der Kirchensteuer, das sag‘ ich offen“) aus der Kirche ausgetreten ist, wieder eingetreten ist. Die ganze Stimmung des Papstbesuchs nahm sie damals zum Anlass, reinen Tisch zu machen. Jetzt ist Sabatier eine Revertitin und fühlt sich in ihrer Kirche wohl. „Ich sitze grad und schau auf den Dom“, sagt das Ex-Model unserer Zeitung. Die Mode-Unternehmerin ist mit ihrem Regensburg-Label „0941“ ins Haus Heuport umgezogen.

Und noch etwas ist geblieben: Der Vatikanstammtisch. Der Lappersdorfer Elektromeister Gerhard Gröschl hat sich seiner angenommen, nachdem Gründer Markus Spitzer von der Spital-Brauerei weg ist und in Bogen seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Gottseidank hat sich in den zehn Jahren das Gefühl verflüchtigt, das alle berauschte: „Wir sind Papst“. Einige haben es in Regensburg fast schon wörtlich genommen.

Eine Chronologie zum Leben von Benedikt XVI. finden Sie hier:

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht