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Regensburg
Montag, 26. Juni 2017 30° 3

Bauprojekt

Herberge mit dem ganz besonderen Konzept

Die Genossenschaft W.I.R. verschreibt sich der Inklusion und der gelebten Vielfalt. Jungen Familien sollen sich beteiligen.
von Daniel Steffen, MZ

W.I.R. – das bedeutet „Wohnen Inklusiv Regensburg“ und steht symbolisch für ein gelebtes Miteinander. Fotos: Purschke

Regensburg.Die Suche nach der geeigneten Herberge – sie wird nicht vergebens sein. Das zumindest verspricht die Baugenossenschaft W.I.R., die die Idee von einer lebendigen Hausgemeinschaft nun zur Wirklichkeit machen will. Menschen mit und ohne Behinderung und insbesondere junge Familien mit Kindern sollen auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne ein neues Zuhause finden. W.I.R. – das bedeutet „Wohnen Inklusiv Regensburg“ und steht symbolisch für ein gelebtes Miteinander.

Klappt alles nach Plan, dann wird die Genossenschaft im Sommer kommenden Jahres den Spatenstich feiern können. Rund 50 Wohneinheiten in einer Größenordnung von 50 bis 120 Quadratmetern sollen in direkter Nachbarschaft zur Universität Regensburg entstehen. Wie groß die Wohnungen im Detail sein sollen, darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen, teilten W.I.R-Vorstandsvorsitzende Annette Fischer und Mitinitiatorin Annette Purschke im MZ-Gespräch mit. Denn für rund 25 Wohneinheiten könnten sich Interessenten „ab sofort bewerben“. Vergeben sind bereits jene Wohnungen, die für Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind – insgesamt 18 an der Zahl.

„Wollen, dass Vielfalt gelebt wird“

„Wir stellen uns ein Haus vor, in dem Vielfalt gelebt wird . Ein Haus, in dem sich Singles, Familien, Alleinerziehende, Senioren, Menschen mit oder ohne Handicap mit ihren Interessen und Wünschen einbringen können“, erklärt Annette Fischer das Konzept. Die genossenschaftliche Wohnform stelle dazu die Rahmenbedingungen: „Jeder Bewohner erwirbt sich Anteile und kann sich dafür in den genossenschaftlichen Gremien einbringen und mitgestalten.“

In der Praxis soll das so aussehen, dass jeder Genosse eine Stimme in der Generalversammlung bekommt. Ob nun die Gestaltung der gemeinschaftlichen Grünfläche oder die Nutzung der Gemeinschaftsräume diskutiert wird: Ein Jeder soll bei grundlegenden Entscheidungen mitreden können. Konzeptionell ist die Wohnanlage so gestaltet, dass sie sich in drei Gebäude aufteilt – mit einem großen Innenhof in der Mitte. Als Treffpunkte und Kommunikationsorte sollen sich die Gemeinschaftsräume an zentraler Stelle befinden, schwebt den Initiatoren vor.

Viel Miteinander statt viel Mitleid

Was Annette Fischer und Annette Purschke nicht möchten, ist, dass die in der Wohnanlage lebenden Menschen mit Behinderung bemitleidet werden. „Es handelt sich um höchst aktive Menschen. Viele von ihnen betreiben in Vereinen Sport oder spielen in einer Band“, erklärt Annette Purschke. Und selbstverständlich fallen auch ihnen häusliche Aufgaben zu – wie etwa die Entsorgung des Mülls.

Wer sich eine Wohnung erwerben möchte, der muss zunächst einen genossenschaftlichen Pflichtanteil von 5000 Euro zahlen. Pro Quadratmeter wäre dann ein weiterer dreistelliger Betrag zu zahlen. Im Gegenzug erwarte den Genossenschaftlern eine „günstige und langfristig stabile Miete“. Allen soll das Recht gegeben werden, ein Leben lang in der Wohnung leben zu dürfen.

Um Familien das Wohnen in der Anlage schmackhaft zu machen, sollen diese von einem „erheblich verminderten Gesellschaftsanteil“ profitieren. „Gerade für junge Familien ist in dieser Stadt die Herbergssuche schwierig“, weiß Annette Fischer über das mangelhafte Angebot an Drei- und Vierzimmerwohnungen bestens Bescheid. „Darum bieten wir eine Herberge mit einem ganz besonderen Nutzungskonzept.“

Damit sich – wie einst Maria und Josef – niemand vor die Tür gesetzt fühlen muss, laden die Wohnungen mit ihrer Barrierefreiheit ein. Teils werden sie auch rollstuhlgerecht konzipiert. Wer sich von dem Projekt ein Bild machen will, hat dazu am 3., 5. und 10. Januar Gelegenheit. Im Haus Galgenbergstraße 12 stellen es die Initiatoren jeweils von 14 bis 19 Uhr vor.

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