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Regensburg
Montag, 22. Januar 2018 10

Freizeit

Hockeyspaß auf dem Kunststoff-Eis

Im Like-Ice-Dome in Grünthal ist Schlittschuh laufen das ganze Jahr möglich – ohne Kühlung. Die Idee kommt aus Regensburg.
Von Christof Seidl, MZ

  • Schlittschuh laufen im Hochsommer: Im Like-Ice-Dome in Grünthal geht das dank einer speziellen Kunststoff-Eisfläche. Foto: Stefan Skowronek
  • Like-Ice-Geschäftsführer Jürgen Weiss (rechts) und der Betreiber des Like-Ice-Domes, Stefan Skowronek, auf der Eisfläche in Grünthal Foto: Seidl
  • Nicht nur für Kinder ist das Schlittschuh laufen auf dem Kunststoff-Eis in Grünthal das ganze Jahr über möglich. Foto: Seidl

Grünthal. Auf den ersten Blick sieht die Szenerie im Like-Ice-Dome wie in einem herkömmlichen Eisstadion aus. Kinder drehen ihre Runden, junge Eishockeyspieler jagen dem Puck hinterher und prallen gegen die Bande. Erst bei genauem Hinsehen wird klar: Das ist gar kein richtiges Eis! Denn in der ehemaligen Badmintonhalle direkt neben dem Kinder-Funclub in Grünthal, liegt Kunststoff, ein Synthetikeis der Regensburger Like Ice AG&Co. KG. Der Dome erfüllt deshalb zwei Funktionen. Zum einen ist er ein Freizeitangebot für Kinder und Erwachsene, für Freizeitläufer oder Eishockey-Cracks, die in Vereinen spielen, zum anderen ist er ein Showroom für den Eisflächenhersteller.

Nach Angaben von Like-Ice-Geschäftsführer Jürgen Weiss besteht sein Produkt aus gepressten Polyethylen-Platten, im Prinzip dasselbe Material wie bei Plastikflaschen. Der entscheidende Unterschied ist die sehr viel höhere Härte des Materials – und eine Reihe von Zusätzen, die für eine permanente Gleitfähigkeit sorgen. Deshalb komme Like Ice im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten ohne Schmierstoffe aus, die regelmäßig aufgebracht werden müssen.

Patentiertes Verbindungssystem

Die zweite Besonderheit ist ein patentiertes, „Quick-Connect“ genanntes Verbindungssystem, das die Platten in der Vertikalen und der Horizontalen fixiert. Die einzelnen, einen Quadratmeter großen Platten arretieren sich so gegenseitig. Dadurch sollen auch große Flächen trotz der starken Reaktion von Polyethylen auf Temperaturschwankungen fugenfrei bleiben. Weiss: „Mit klassischen Puzzle-Systemen als Verbindung ist das nicht möglich.“

Gegenüber normalen gekühlten Eisflächen haben die Kunststofflösungen aller Hersteller einen Nachteil: Sie sind langsamer als Eis. Like-Ice kommt auf rund 80 Prozent der Gleitfähigkeit von frisch gemachtem Eis – das heißt, die Fortbewegung ist anstrengender. Dazu kommt, dass der Gleiteffekt erst dann perfekt funktioniert, wenn die Kufen warm gefahren sind. Das dauert ein paar Minuten. In der Praxis – versprechen Weiss und der Betreiber des Like-Ice-Domes, Stefan Skowronek – spiele die höhere Reibung keine nennenswerte Rolle.

Eislaufen im Like-Ice-Dome in Wenzenbach

Viel wichtiger war Weiss bei der Entwicklung, dass die Köperhaltung beim Gleiten mit der auf „echtem“ Eis identisch ist. Auf vielen anderen Kunststoffeis-Produkten würden Schlittschuhe nur richtig gleiten, wenn man das Gewicht nach hinten verlagert. Dadurch würden sich die Läufer aber eine veränderte Technik angewöhnen, was beispielsweise beim Eishockeytraining keinen Sinn mache. Bei Like-Ice könne man außerdem normale Schlittschuhe benutzen, auch das sei bei vielen Konkurrenten anders, dort würden spezielle Kufen benötigt.

„Wenn diese Kommunen merken, dass die Leute ausbleiben, weil die Eisfläche nicht funktioniert, hat das für uns in hundert Kilometern Umkreis verbrannte Erde zur Folge.“

Like-Ice-Geschäftsführer Jürgen Weiss

Als größten Vorteil nennt Weiss die Betriebskosten, die im Vergleich zu herkömmlichen Eisflächen extrem niedrig seien. Like-Ice sei praktisch wartungsfrei, wetterfest und UV-beständig. Regelmäßiges Abkehren genügt. In Grünthal hat Hallenbetreiber Skowronek am Montag den Abrieb der ersten Betriebswoche zusammengekehrt – das Ergebnis war ein kleiner Eimer, halb voll mit Kunststoffpartikeln. Weiss geht davon aus, dass eine Indoorfläche 20 Jahre hält, zehn Jahre gibt er als Garantie.

Bei der Vermarktung hat das Unternehmen hat das Regensburger Unternehmen mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Der größte Nachteil sind für Weiss die schlechten Erfahrungen einiger Kommunen mit minderwertigen Kunsteisprodukten. „Wenn diese Kommunen merken, dass die Leute ausbleiben, weil die Eisfläche nicht funktioniert, hat das für uns in hundert Kilometern Umkreis verbrannte Erde zur Folge. Dort können wir dann nichts mehr verkaufen.“

Eishockey-Verband ist skeptisch

Der Deutsche Eishockeybund steht Kunststoffeis bisher ablehnend gegenüber. Auf großen Flächen sei die deutlich höhere Gleitreibung doch „sehr kraftintensiv“, sagte der Geschäftsführer des Bayerischen Eishockeyverbands, Anton Weitl, auf unsere Anfrage. Vermutlich gebe es deshalb in Deutschland bisher nur Kunststoff-Eisflächen, die etwa ein Drittel so groß sind wie die Fläche bei einem Eishockeyspiel. Bei Wettkämpfen habe die künstliche Alternative ohnehin keine Chance, weil die internationalen Bestimmungen ausnahmslos Eis aus Wasser verlangen.

Anderes ist nach Angaben des Like-Ice-Chefs die Situation in Österreich. Dort hätten sich alle Eishockey-Landesverbände für Kunststoffeis als Trainingsflächen ausgesprochen und würden entsprechende Projekte unterstützen.

Auch eine Anfrage bei der Regensburger Donau-Arena verlief laut Weiss ergebnislos. Dafür stößt der Like-Ice-Dome bei den jüngsten Eishockey-Cracks des EVR offenbar auf ein positives Echo. „Die waren schon in der ersten Woche nach der Eröffnung bereits viermal hier“, freut sich Hallenbetreiber Skowronek.

Der Like-Ice-Dome

  • Eintrittspreise:

    Erwachsene, 9,50 Euro, Kinder 6.50 Euro; ab 17 Uhr: Erwachsene 6,50 Euro, Kinder 3,50 Euro

  • Schlittschuhe:

    In den Eintrittspreisen sind Leihschlittschuhe enthalten.

  • Empfehlung:

    Falls vorhanden, eigene Schlittschuhe mitbringen. In diesem Fall ist ein Schleifservice inbegriffen. Schlittschuhe brauchen keinen besonderen Schliff, sollten aber frisch geschliffen sein und brauchen ob der höheren Reibung häufiger einen Schliff.

  • Öffnungszeiten:

    Dienstag bis Freitag 14 bis 19 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag 10 bis 19 Uhr. In den Ferien: Montag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr

  • Fläche:

    Die Eislauffläche in der ehemaligen Badmintonhalle in Grünthal ist 400 Quadratmeter groß (etwa ein Drittel einer Eishockeyfläche).

  • Adresse:

    Brandlbergstraße 59, Wenzenbach-Grünthal

  • Kontakt:

    Tel. (0163) 3129895; www.like-ice-dome.de (noch im Aufbau begriffen)

Ein Lob kommt auch aus Berlin. Dort hat der Verein Cross Hockey Turtles (ECH) den Einbau einer Like-Ice-Anlage in einer Sporthalle im Köpenicker Ortsteil Hirschgarten organisiert. Bei einem Pond-Hockey-Turnier Ende April kamen die Spieler etlicher Hobby-Mannschaften Pond-Hockey-Turnier zu dem Fazit, dass Synthetikeis durchaus eine Alternative zu Eis ist. Alle Spieler seien mit dem Untergrund zufrieden gewesen, auch wenn es ein anderes Laufgefühl sei, heißt es im Spielbericht des Veranstalters F.A.S.S.

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