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Hotel-Rebellen spenden gesparte Provisionen

36 Regensburger Hotels boykottierten zehn Tage das Buchungsportal HRS und sparten sich 15 000 Euro Buchungsgebühr. Die bekamen soziale Initiativen.
Von Tino Lex, MZ

Die Regensburger Hoteliers übergaben ihren Scheck: (von links) Kathrin Fuchshuber, Martin Knerr, Annette Ebmeier, Joachim Wolbergs, Melanie Brunner und Elisabeth Schick Foto: Lex

Regensburg.Wenn 36 Hotels aus Regensburg eine Summe von insgesamt 15 000 Euro spenden, so ist das eine schöne Nachricht. Aber das eigentlich Wichtige und Interessante an dieser Nachricht ist, dass dieses Geld nicht einfach aus einem Topf genommen wurde und den Hotels letztlich irgendwo fehlen würde. Vielmehr generiert sich diese respektable Summe aus einer simplen Einsparung. Von 20. bis 30. September machten diese 36 Regensburger Hotels mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam: Alle Buchungen in diesem Zeitraum, die normalerweise über das Internet-Buchungsportal HRS hereingekommen wären, wurden blockiert. Der Boykott, zu dem die 36 Regensburger Hotels aufgerufen hatten, richten sich gegen die Geschäftspraktiken des Buchungsriesen HRS. Damit sparten sich die Hotels in diesem Zeitraum die Buchungsgebühren in Höhe von 15 000 Euro.

„Ich kann verstehen, wenn ein Dienstleister einen bestimmten Obolus für seine Arbeit verlangt. Unser Protest aber gründet auf eine weitere Erhöhung von zwölf auf 15 Prozent für jede Buchung, brutto versteht sich“, wettert eine der Hoteliers aus Regensburg, Kathrin Fuchshuber vom Hotel Münchner Hof und „Blauer Turm“. Die resolute Dame sprach mit den anderen betroffenen Hotelbesitzern und kam zu einer genialen Lösung: „Wir gründeten unser eigenes Portal.“ Die Hotels hatten sich zusammengetan, um ein eigenes Portal für ihre Gäste zu gründen und um eine unternehmerische Unabhängigkeit zu den bestehenden Portalen zu schaffen. - www.hotels-in-regensburg.com - war geboren.

„15 Prozent sind schon etwas sehr viel, wenn man einen Nutzer einfach nur weiterklickt“, fand auch Bürgermeister Joachim Wolbergs. Die Aktion der Stadt Regensburg „Kinderbaum“ sowie die Waisenhausstiftung Stadtamhof sind die Nutznießer der Sperraktion der Regensburger Hoteliers. Sie erhalten die 15 000 Euro. „So viel haben wir noch nie bekommen“, freute sich der Bürgermeister, der zusammen mit Melanie Brunner vom Senioren- und Stiftungsamt der Stadt in das Hansa Hotel zur Scheckübergabe gekommen war. Annette Ebmeier vom Hotel Orphée sieht bei den Geschäftspraktiken von HRS das Ende der Fahnenstange erreicht: „Den endgültigen Anstoß zu diesem Schritt gab uns HRS, als sie 2012 an die Hotels neue Verträge schickte, die zwei Klauseln beinhalteten: „Best price und last room avalibilty sowie die Erhöhung der Provision um drei Prozent. Mittel- und langfristig kann da kein Hotel überleben“, stellte Annette Ebmeier fest.

Mit ihrer Aktion erregten die Regensburger Hotelbesitzer die Gemüter in der Hotelbranche. „Endlich steht mal einer auf und wehrt sich“, scheinen die anderen deutschen Hotelbesitzer gedacht zu haben. Denn nach dieser Aktion stand das Telefon der Regensburger Hoteliers nicht mehr still. Von Trier bis Leipzig wollten die dortigen Hoteliers wissen, wie das mit dem eigenen Portal funktioniert.

Aufgeschreckt durch die Regensburger Initiative entsandte HRS einen Topmanager nach Regensburg und „erließ“ den Regensburger „Rebellen“ erst mal die beiden neuen Vertragsklauseln. Doch damit gab sich der „Club der aufmüpfigen Hoteliers“ nicht zufrieden. „Nein, wir gründen unser eigenes Portal“, stand am Ende auf dem Programm.

Dennoch: ohne dieses Portal (HRS) wird es wohl auch in Zukunft nicht funktionieren. Das haben die Einbußen in den zehn Tagen von fünf und manchmal zehn Prozent gezeigt. Auf jeden Fall wird das eigene Portal weiter entwickelt: Und wenn es andere Städte wollen? Dann werden die Regensburger ihre Dienstleistungen anbieten – nur billiger.

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