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Regensburg
Sonntag, 24. September 2017 20° 3

Freizeit

Hunderte entdecken Regensburg per Handy

„Ingress“-Nutzer waren mit dem Smartphone unterwegs. Sie suchen auf ihren Missionen Gebäude und Denkmäler der realen Welt.
Von Daniel Steffen, MZ

Viele hundert Fans des Online-Spiels „Ingress“ trafen sich zum „Mission Day“ am Domplatz. Foto: Steffen

Regensburg.Immer wieder starren sie auf ihr Smartphone. Selbst wenn sie in der Gruppe unterwegs sind, spielt das Mobiltelefon auf ihren Erkundungstouren die Hauptrolle. Dann wendet sich ihr Blick vom Smartphone ab – und schweift abwechselnd mal nach links, mal nach rechts. Und schon ist das gesuchte Objekt – oder besser gesagt: das Portal – gefunden! In diesem Fall haben die Spieler „Ludwig I. Imperator Rex“ ausfindig gemacht. Der thront, hoch auf seinem Ross, vor dem Dom St. Peter.

Was für Touristen die Reiterstatue von König Ludwig I. ist, leuchtet für die Spieler der Anwendung „Ingress“ als grüner oder blauer Punkt auf. „Portale, das sind im Spiel meistens Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die Figuren am Dom“, erklärt René Matusik, einer der 800 Spieler, die am Wochenende am „Ingress Mission Day“ in der Altstadt teilnahmen. Hat ein Spieler sechs oder mehr Portale ausfindig gemacht, ist eine Mission komplett, sagt er.

Kultur statt Monsterjagd

Erinnerungen an „Pokémon go“ werden wach. Bereits bei diesem Spiel bewegten sich Menschen, gesteuert von ihren Smartphones, quer durch die Stadt. Sie bereiteten virtuellen Monstern den Garaus.

Die Macher von „Ingress“ haben auch Pokémon Go entwickelt. Lesen Sie mehr.

Bei „Ingress“ müssen zwar keine Monster getötet, dafür aber besagte Portale ausfindig gemacht werden. „Gebäude, Denkmäler und auffällige Objekte der realen Welt werden zur Einteilung und Gestaltung der virtuellen Spielwelt herangezogen“, erklärt Martina Rappl, die dem Organisationsteam des „Ingress Mission Day Regensburg“ angehört. „Das Schöne dabei ist, dass man beim Spielen die Stadt und ihre Kultur kennenlernt“, sagt sie. Am „Ingress Mission Day“ müssen die Teilnehmer mindestens zwölf der 24 (im Vorfeld festgelegten) Missionen komplettieren. Dafür werden sie online mit einer Medaille belohnt. Bei den Spielern ist diese ein heiß begehrtes Objekt.

„Erweiterte Realität“

  • Die Spieler

    müssen sich in der echten Welt bewegen, um am Handy-Spiel „Ingress“ teilzunehmen. Es handelt sich um ein so genanntes Augmented-Reality-Spiel. Dies bedeutet so viel wie „erweiterte Realität“.

  • Beim „Mission Day“

    handelt es sich um eine private, von Spielern für Spieler organisierte Aktion. Lediglich die Anmeldung erfolgt über den Spieleanbieter Niantic Labs, der die Software über eine App zur Verfügung stellt.

  • In der Regel

    kommen mehrere hundert Spieler bei einem „Mission Day“ zusammen, um mithilfe ihres Smartphones die jeweilige Stadt zu erkunden.

Unmengen davon gesammelt hat ein junger Österreicher, den sie „Burli“ nennen. So lautet in der virtuellen Welt der Spitzname von Softwareentwickler Christian Linzatti, der in zweieinhalb Jahren an die 17 500 Missionen komplettiert hat. Um an „Mission Days“ teilzunehmen, war der 31-Jährige in 17 europäischen Ländern unterwegs – und hat dort viele neue Freundschaften schließen können. Begeistert ist er unter anderem von der Stadt Rotterdam, die er dank des Spiels kennengelernt hat. „Die Stadt ist sehr modern, hat eine tolle Architektur und schöne Kunstwerke“, sagt Christian Linzatti.

Mit der App um den Globus

Im September steht seine erste USA-Reise an, die ebenfalls im Zusammenhang mit „Ingress“ steht. Auch dort möchte er wieder seine Froschmütze aufsetzen, die inzwischen sein Markenzeichen geworden ist. „Ich bin ja auch einer von den Grünen“, erklärt er und meint damit die „Fraktion der Erleuchteten“, die im Spiel der außerirdischen Energie gegenüber positiv eingestellt ist. Die blauen Spieler indes gehören zur „Résistance“ (Widerstand) und wollen verhindern, dass jene fremde Energie sich weiter auf der Erde verbreitet. Diese Aspekte des Spiels gehören zu den rein fiktionalen Elementen. Bezahlen muss man für die Teilnahme am „Ingress Mission Day“ nichts. „Was halt anfällt, sind Reisekosten beziehungsweise Kosten für die Übernachtung“, erklärt Linzatti. Viele Teilnehmer verbinden mit dem Spielabenteuer einen Kulturtrip und verweilen das ganze Wochenende an den Veranstaltungsorten. Die nächsten „Mission“-Termine stehen am kommenden Wochenende an – sowohl in Argentinien als auch in Japan.

Nach Protesten von Holocaust-Überlebenden gegen das Smartphone-Spiel „Ingress“ hat sich John Hanke, der Gründer der Google-Tochter Niantic Labs, öffentlich entschuldigt.

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