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Gesundheit

In 20 Jahren 19 Millionen Defizit

Das Evangelische Krankenhaus in Regensburg ist seit Jahrzehnten ein Draufzahlgeschäft, sagt OB Schaidinger. Die Kritik an der Schließung empört ihn.
Von Claudia Böken, MZ

Momentan hängen dunkle Wolken über dem Evangelischen Krankenhaus am St. Emmeramsplatz.Foto: Tino Lex

Regensburg..„In Bayern ziehen alle den Hut vor uns“, hält der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger all denen entgegen, die in den vergangenen Wochen behauptet haben, das Evangelische Krankenhaus werde an die Wand gefahren. In einem Gespräch mit der MZ machten er und der Chef der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung, Dr. Helmut Reutter, erstmals Zahlen öffentlich, die belegen: Das Haus am Emmeramsplatz ist seit Jahrzehnten ein Zuschussbetrieb.

Geld fehlt für Stiftungszwecke

Seit der Sanierung zu Beginn der 1990er-Jahre musste die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung Jahr für Jahr tief in die Tasche greifen, um den „kranken Mann am Emmeramsplatz“ am Leben zu erhalten. Zwischen einer halben Million (1990) und 1,6 Millionen (2012) bewegte sich die Summe, die alljährlich in das kleine Krankenhaus gebuttert wurde. Gemeinsam mit kleineren Investitionen summierte sich das auf 24 Millionen Euro – „Geld, das für andere Stiftungszwecke nicht ausgegeben werden kann“, wie Schaidinger und Reutter klar machten. „Es kann nicht sein, dass wir mit Stiftungskapital das staatliche Gesundheitswesen subventionieren.“

Dass 2009 der Fehlbetrag „nur“ bei 261 000 Euro lag, tut Reutter, im Nachhinein gesehen, fast leid. Heute werde diese Zahl von Gegnern der geplanten Krankenhausschließung als Beleg dafür angeführt, dass das Krankenhaus damals auf dem Weg der Besserung gewesen sei und anschließend abgewirtschaftet wurde. Dr. Reutter weiß es besser: Damals sei im Rahmen der Gesundheitsreform die Umstellung von Belegtagen auf Fallpauschalen eingeführt worden. Das Evangelische Krankenhaus als kleines Haus habe davon profitiert, allerdings sei das ein einmaliger Fall gewesen.

Vor drei Jahren, so der OB, habe er erstmals erfahren, dass das evangelische Krankenhaus dringend sanierungsbedürftig war. Das habe ihn überrascht, habe die letzte Sanierung erst etwa 15 Jahre zurückgelegen. „Inzwischen weiß ich, dass 1994 technisch und baulich gravierende Fehler gemacht wurden“, betonte Schaidinger. Chef der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung war damals Ulrich Landskron, der heute zu den großen Kritikern der geplanten Schließung des gehört. Das ärgert Schaidinger besonders.

Bei der Sanierung habe es die Möglichkeit gegeben, die beiden Trakte nacheinander in Angriff zu nehmen und jeweils die Hälfte des Hauses währen der Arbeiten geschlossen zu halten. Das hätte auch nur die Hälfte des Erlöses bedeutet. Ausgeschieden sei auch die Möglichkeit, das Haus drei Jahre komplett zu schließen und zu sanieren. Ein Neubau auf der grünen Wiese wurde verworfen, weil der am strukturellen Defizit nichts geändert hätte. Das neue Krankenhaus wäre von der Größe her auch in neuem Gewand nicht konkurrenzfähig gewesen, ist Schaidinger überzeugt: „Ein kleines Allerweltskrankenhaus“.

„In Wörth eine andere Situation“

Gehapert hätte es auch an der staatlichen Förderung, denn das Evangelische Krankenhaus ist in der Regensburger Kliniklandschaft nicht bedarfsnotwendig. Das ist auch der Unterschied zum Krankenhaus Wörth, das immer wieder als Beispiel für die Überlebensmöglichkeit einer kleinen Klinik angeführt wird: „Das hatte von jeher einen eigenen Einzugsbereich.“

Auf die jetzt gefundene Lösung mit den Barmherzigen Brüdern ist Schaidinger stolz. „Eine tolle Leistung von Reutter“, betonte er. Ihm sei es innerhalb eines dreiviertel Jahres gelungen, für das gemeinsam geplante „Zentrum für Altersmedizin“ eine Förderung von 11,4 Millionen Euro zu erhalten, die man den Barmherzigen Brüdern als „Morgengabe“ mitbringe. „In Bayern ziehen alle den Hut vor uns, nur nicht in Regensburg.“ Reutter sprach von einem „Leuchtturmprojekt“. Und die evangelische Wohltätigkeitsstiftung erhalte darin einen prominenten Platz.

„Am Emmeramsplatz werden sicher tolle Häuser mit teuren Eigentumswohnungen entstehen“, wird bereits gemutmaßt. „Auf gar keinen Fall“, wehren Reutter und Schaidinger ab. Die Stiftung werde sich von dem Grundstück nicht trennen. Das Gebäude werde anderweitig genutzt.

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