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Projekt

Inklusive Wohnanlage für 80 Personen

Die neue Genossenschaft „W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg“ ist jetzt eingetragen. Sie will eine attraktive Heimat für behinderte Menschen schaffen.
Von Engelbert Weiss, MZ

Annette Fischer ist Vorstandsvorsitzende der „W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg eG“, Volker Purschke ist Bevollmächtigter. Foto: Thomas Fischer

Regensburg.Auch behinderte Menschen haben Wünsche. Viele wollen als junge Erwachsene in einem ganz normalen Umfeld wohnen. Junge Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung wollen gemeinsam mit Menschen ohne Handicap in der Stadt Regensburg möglichst zentrumsnah eine feste Heimat haben, damit sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, auch wenn ihr Unterstützungsbedarf sehr hoch ist. Um das zu ermöglichen, wurde nach intensiver Vorbereitung heuer im April die neue Genossenschaft „W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg“ gegründet. Diese Genossenschaft hat nun alle Prüfungen bestanden, wurde am 19. November beim Amtsgericht Regensburg eingetragen und darf sich nun „eingetragene Genossenschaft“ (eG) nennen.

Welche Ziele die neue Genossenschaft hat und wie aufwendig der Weg bis zur Gründung und Eintragung gewesen ist, darüber hat die MZ mit Annette Fischer, der Vorsitzenden des Vorstands der Genossenschaft, gesprochen. „In den vergangenen 15 Jahren sind in Regensburg viele Teilhabemöglichkeiten für geistig- und mehrfachbehinderte Menschen entstanden und die Jugendlichen nutzen dies rege“, erzählt Fischer. Von der Einschulung bis zum Ende der Berufsschulzeit könnten behinderte Kinder und Jugendliche Partnerklassen in Regelschulen besuchen. Es finden gemeinsame Ferienlager der offenen Behindertenarbeit mit Pfadfindern, Theaterprojekte mit Studenten der Hochschule und laufend Veranstaltungen mit Jugendzentren statt.

Sie führen ein aktives Leben

Die Jugendlichen trainieren in der integrativen Laufgruppe des LLC Marathon Regensburg oder nehmen an Skikursen oder am Schwimmtraining des Förderzentrums teil und messen sich bei den Sportwettbewerben von Special Olympics. Sie führen ein aktives Leben, das sich durchaus mit dem ihrer Altersgenossen ohne Handicap vergleichen lässt.

Beim gemeinsamen Organisieren von Veranstaltungen, beim Bringen und Abholen der Kinder und beim Zuschauen oder im Elternbeirat haben sich betroffene Eltern kennengelernt. In den Selbsthilfegruppen und Vereinen, dem „Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte“ (VKM), „GemeinsamLeben GemeinsamLernen“ und in der „Elternrunde Down-Syndrom“ wurden Informationen ausgetauscht und schließlich konkrete Pläne geschmiedet. Im November 2012 hat schließlich Urs Bürkle auf Einladung des Architekturkreises Regensburg ein Freiburger inklusives Wohnprojekt vorgestellt, das für die Regensburger Gruppe zum Vorbild wurde.

Behinderte werden selbst Genossen

Inzwischen haben sich etwa 20 betroffene Familien zusammengetan, um für ihre behinderten Kinder ein Wohnprojekt nach dem Vorbild der „Vaubanaise“ in Freiburg zu entwickeln. Urs Bürkle, der Projektleiter der Vaubanaise, hat fachkundige Hilfestellungen für die Gründung der Regensburger Genossenschaft geleistet. Und die hat sich bereits für ein Grundstück auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne beworben. 18 behinderte Menschen wollen dort in drei Gruppen mit verschiedenem Hilfebedarf zusammen mit etwa 60 Personen aus allen Lebensbereichen und allen Altersstufen in einer neuen Wohnanlage zusammenleben.

„W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg“ hat das Projekt den Fraktionen im Stadtrat vorgestellt. Alle waren sehr angetan und haben Unterstützung zugesichert. Schließlich will die Genossenschaft bezahlbaren Wohnraum für etwa 80 Personen schaffen. Nach der derzeitigen Planung sollen in der komplett barrierefreien Anlage 40 Prozent öffentlich geförderter Wohnraum entstehen. Dabei werden die Menschen mit Handicap selbst Genossen. Und ihre individuell notwendigen Unterstützungsleistungen werden sie mit Hilfe des trägerübergreifenden persönlichen Budgets einkaufen.

Hoffen auf ein Grundstück

Die neue Genossenschaft „hofft und ist zuversichtlich“, so Fischer, mit Hilfe der Stadt ein geeignetes Grundstück zu finden. „Das inklusive Wohnprojekt hat auch das Bayerische Sozialministerium überzeugt. Es gewährt im Rahmen der Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften eine Anschubfinanzierung von 30000 Euro“, freut sich Fischer. Mit der Anschubfinanzierung des Sozialministeriums habe „W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg eG“ eine „solide finanzielle Basis zur qualifizierten Weiterentwicklung des Projekts“, betont die Vorstandsvorsitzende.

Schon lange vorbereitet

Schon seit vielen Jahren treffen sich Eltern von behinderten Menschen und tauschen sich darüber aus, wie ihre Kinder später einmal wohnen möchten.

Inklusion: Mehr als 100 Fachkräfte aus ganz Bayern kamen zum ersten Regensburger Inklusionsworkshop, den „GemeinsamLeben – GemeinsamLernen“, der „Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte“ (VKM) und das Evangelische Bildungswerk am 2. April 2011 gemeinsam veranstalteten.

Die Genossenschaft ist eingetragen

Nach zahlreichen Treffen wurde am 28. April 2013 die Genossenschaft „W.I.R. Wohnen Inklusiv Regensburg“ gegründet, mit dem Ziel, in Regensburg eine inklusive Wohnanlage zu errichten. Am 19. November wurde die neue Genossenschaft beim Amtsgericht in Regensburg eingetragen.

Grundstück: Die Genossenschaft hat sich bei der Stadt Regensburg um ein Grundstück auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne beworben und hofft nun auf ein Angebot. (we)

Kontaktadresse E-Mail: annette.fischer@inklusion-regensburg.de, oder Tel. (09404) 961134

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