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Regensburg
Freitag, 22. September 2017 21° 2

Verkehr

Ist der Autobahnausbau nur Flickwerk?

Noch herrscht Vorfreude auf die sechsspurige Verbreiterung der A3 bis Rosenhof. Doch das Regensburger Kreuz könnte sich als Spaßbremse herausstellen.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

  • Die Staus auf der Autobahn A3 zwischen Regensburg und Wörth nerven die Menschen in der Region zusehends. Foto: MZ-Archiv
  • Auch MdL Sylvia Stierstorfer und MdB Graf von und zu Lerchenfeld (rechts) zeigen dem Stau symbolisch die „rote Karte“. Über ihre Aktion informierten sie auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Foto: Partei

Regensburg.An der Kommunalpolitik liegt es nicht und auch nicht an den Planungen der Autobahndirektion: Mit dem dreispurigen Ausbau der A3 zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und der Abfahrt Rosenhof wird sich für die Autofahrer trotz der Millionenkosten nicht allzu viel bessern. Keiner weiß nämlich, wann die einspurigen Einfädelspuren am Knotenpunkt zwischen der A3 und der A93 mehrspurig ausgebaut werden. Besonders zu Stoßzeiten sind genau das die neuralgischen Punkte, an denen sich die Autos stauen.

Politiker aus der Region sind sich einig: Unter dem Motto „Zeig’ dem Stau die Rote Karte“ wollen sie den Bürger für den raschen Ausbau der Autobahn zwischen Nittendorf und Rosenhof und zwischen Autobahnkreuz und Pentling mobilisieren. Nur dass einfache Steuerzahler allein da am wenigsten ausrichten kann, zumal die nächsten Bundestagswahlen noch sehr weit weg sind.

Der große Verkehrskollaps droht

Es liege auch nicht an der Planung, betont Christian Unzner, Dienststellenleiter bei der Autobahndirektion Süd in Regensburg. Seit rund zehn Jahren ist ihm und seiner Behörde bewusst, dass etwas unternommen werden muss, um rund um Regensburg den Verkehr flüssig zu halten und Unfälle zu vermeiden. Nach einem Verkehrsgutachten im Jahr 2005 richtete man die „Lenkungsgruppe Regensburg“ ein, um gemeinsam nach Verbesserungen zu suchen. Im August 2013 ergab eine neuerliche Untersuchung, dass aus den früher „instabilen Verkehrsverhältnissen ein täglicher Stau geworden war. Spitzenreiter war dabei der Abschnitt zwischen dem Autobahn-Kreuz und der Ausfahrt „Regensburg Universität“. Hier rechnen die Experten bis 2030 mit einem Verkehrskollaps: Rund 80 000 Autos werden diesen Abschnitt täglich befahren.

Wie schnell die Regensburger eine bessere Autobahn bekommen, liegt einzig und allein daran, wie schnell der Bund Geld für den Ausbau der Autobahn in seinem Haushalt bereitstellt. Und bislang ist das noch nicht einmal für den Autobahnabschnitt bis Rosenhof geschehen. Denn der Eintrag im Bedarfsplan ist längst keine Garantie, dass der Posten bald im Bundeshaushalt auftaucht

Und die Mühlen im Deutschen Bundestag mahlen extrem langsam: Den letzten Bedarfsplan erstellten die Abgeordneten vor sage und schreibe zehn Jahren. Darin wurde der „vordringliche Bedarf“ bis zum Jahr 2015 und danach festgeschrieben. Zum Glück für Regensburg rangierte es unter „2015 und danach“, aber eben nur für die paar Kilometer nach dem Autobahnkreuz in Richtung Osten. „Momentan laufen die Arbeiten für die Fortschreibung des Bedarfsplans“, weiß Christian Unzner. Neu angemeldet wurde das Autobahnstück zwischen Nittendorf bis zum Autobahnkreuz. Ein zweites Mal angemeldet werden musste der Bedarf vom Autobahnkreuz bis Rosenhof. Neu angemeldet wurde auch der Abschnitt vom Autobahnkreuz bis nach Pentling.

Aber auch dann bekommen die Bundestagsabgeordneten noch nichts zur Abstimmung auf den Tisch: Erst muss nämlich das Bundesverkehrsministerium alle Ausbau-Wünsche nach Kosten und Nutzen bewerten.

Hat Regensburg Glück, werden die angemeldeten Autobahnabschnitte tatsächlich in den Bedarfsplan aufgenommen. Wann und ob das so auch im Haushaltsplan berücksichtigt wird, weiß keiner: „Es wäre unseriös, hier irgendwelche Zeitangaben zu machen“, sagt auf jeden Fall Christian Unzner. Zumal am 22. Oktober erst die Frist für das Planfeststellungsverfahren für den dreispurigen Ausbau nach Rosenhof abgelaufen ist. In der Folgezeit muss man sich um die Einwände kümmern, die von Anliegern gegen den Ausbau der Autobahn vorgebracht wurden – im Zweifelsfall müssen sogar Gerichte darüber entscheiden.

Eine Entzerrung am Autobahnkreuz Regensburg kann bei so vielen Wenn und Aber noch etliche Jahre auf sich warten lassen. Das Flickwerk ist daher vorprogrammiert. Erst müssten alle drei Teilstrecken tatsächlich per Bedarfsplan abgesegnet sein, bevor sich die Autobahndirektion überhaupt an die Planung machen könnte, sagt Christian Unzner.

Da hilft es nicht einmal, dass das Autobahnkreuz ohnedies in absehbarer Zeit „aus Erhaltungsgründen“ erneuert werden muss, wie der Dienststellenleiter weiß: „Auf Verdacht können wir die Größe nicht auf sechs Spuren erweitern. Wenn die Mittel dafür dann doch nicht da sind, wirft man uns am Ende auch noch Steuerverschwendung vor.“

Politiker sind optimistisch

Zu denen, die einen raschen Ausbau der Autobahn rund ums Regensburg wirklich vorantreiben können, gehören auch die Regensburger Bundestagsabgeordneten Graf von und zu Lerchenfeld und Astrid Freudenstein. „Für den Bundesverkehrswegeplan sind alle drei Autobahnabschnitte angemeldet, die das Kreuz Regensburg betreffen. Welche Abschnitte gebaut werden, wissen wir Anfang 2016, wenn der Plan vorliegt“, sagte Freudenstein zur MZ. Erst dann könne konkret geplant werden. „Ich war erst vergangene Woche in Berlin auf einer Verkehrstagung von Unionspolitikern aus Bund und Land – unser Anliegen stößt durchweg auf Verständnis. Ich bin für die A3 sehr zuversichtlich.“

„Eine ganze Region kämpft für den schnellen sechsspurigen Ausbau der A3“: Das war die Botschaft, die MdB Philipp Graf Lerchenfeld dem Bundesverkehrsminister bei dessen Besuch in Regensburg mit auf dem Weg nach Berlin gab. „Mir war wichtig, deutlich zu machen, dass Politik, Wirtschaft und die Bürgerschaft an einem Strang ziehen“, sagte Graf Lerchenfeld im Gespräch mit Alexander Dobrindt. Der Abgeordnete präsentierte dem Minister auch die von ihm gestartete A3-Initiative, bei dem Bürger im Rahmen einer Postkarten-Aktion oder via Internet-Formular dem Stau symbolisch die „rote Karte“ zeigen und sich als Unterstützter registrieren lassen können.

Anfang kommenden Jahres wird Lerchenfeld die Postkarten und Unterschriften aus seiner Aktion ihm direkt übergeben, kündigte Graf Lerchenfeld im Gespräch mit Minister Alexander Dobrindt an. Lerchenfeld hofft, dass möglichst viele Bürger in den kommenden Wochen die Möglichkeit nutzen, die Aktions-Postkarte auszufüllen oder sich unter www.lerchenfeld-koefering.de/a3-initiative direkt als Unterstützer zu registrieren.

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