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Glaube

Karfreitags-Provokation stößt auf Kritik

Regensburger Theologen monieren die Werbung des Bundes für Geistesfreiheit für eine Party. Der weist die Vorwürfe zurück.
Von Julia Ried, MZ

Der Bund für Geistesfreiheit veranstaltet am Karfreitag eine Tanzparty in vier Lokalen. Seine Werbung dafür stößt auf viel Kritik. Foto: dpa

Regensburg.Einen „Heidenspaß“ will der Bund für Geistesfreiheit am Karfreitag veranstalten und wirbt für die Tanzparty mit dem Slogan „Wer am Karfreitag feiern will, muss früher auferstehen“ – der Bischof ist verärgert, wie wir gestern berichteten. Bistumssprecher Clemens Neck kritisierte den Bund für Geistesfreiheit dafür, den Glauben der Christen „in verachtender und hämischer Weise“ zu verspotten. Und viele geben ihm Recht – von der CSU bis zum Imam einer muslimischen Gemeinde in Regensburg.

So sagt CSU-Kreischef Dr. Franz Rieger: „Wir leben nun mal im christlichen Abendland und sollten daher solche herausragenden kirchlichen Feiertage hochhalten. Bei Veranstaltungen, die dazu gedacht sind, diesen christlichen Hintergrund zu verhöhnen, geht es offenbar um Provokation.“

Auf dem Werbeplakat für die Veranstaltung am Karfreitag ist eine Jesus-Figur mit Sonnenbrille, Schweinshaxe und Bierkrug zur Hand zu sehen, umtanzt von einer Frau und einem Mann in Unterwäsche. In einer Sprechblase steht: „Lass dich nicht auf’s Kreuz legen. Erwache schon heute. Tanze und liebe, wann du willst!“

Theologe Dr. Erwin Dirscherl, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Regensburg, sagt dazu: „Für mich ist eine Grenze überschritten.“ Er ergänzt: „Es gibt Provokationen, die müssen wir uns als Christen auch anhören.“ Das gelte aber nicht, wenn die Provokation Selbstzweck sei – und das sei sie hier. „Es wird uns etwas abgesprochen, was wir kurze Zeit später feiern“, sagt Dirscherl mit Blick auf das Osterfest. Nun gelte eben für Christen: „Alles zu seiner Zeit.“ Der Karfreitag sei dem Gedenken an den Tod und das Leiden Jesu gewidmet – und damit auch dem an das „Leiden und die Todesbedrohtheit“ von Menschen. Wer diesen Tag der Stille kritisiere, der solle sich die Mühe machen zu verstehen, „was wir als Christen eigentlich feiern“.

Die evangelische Pfarrerin Dr. Bärbel Mayer-Schärtel, stellvertretende Dekanin, findet das Vorgehen der „Freigeister“ „sehr provozierend“, das Plakat nennt sie „ein bisschen pubertär“. „Wir können uns nicht dagegen verschließen, dass ein Teil der Bevölkerung nicht christlich ist“, sagt sie und ergänzt: „Man sollte auf religiöse Gefühle anderer Menschen Rücksicht nehmen.“ Das sei hier nicht passiert.

Usman Naveed, Imam der Regensburger Ahmadiyya-Gemeinde, pflichtet seinen christlichen Kollegen bei. Religion sei für viele Menschen eine Herzensangelegenheit: „Man sollte das ernst nehmen und die Gefühle von Muslimen, Christen, Juden oder anderer nicht verletzen.“ Das sei sehr wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Ahmydiyya-Muslime glaubten nicht, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. „Aber trotzdem würden wir nicht Karfreitag oder andere Feiertage der Christen lächerlich machen.“

Armin Schmid, Mitglied des Vorstands des Bunds für Geistesfreiheit, bestreitet den Vorwurf, um der Provokation willen zu provozieren. „Wir haben bewusst ein Motiv gewählt, das auf harmlose humoristische Weise das Tanz- und Vergnügungsverbot darstellt“, sagt er. „Es ist nicht so, dass ich unbedingt religiöse Gefühle verletzen wollte. Im Vordergrund steht, dass über dieses Thema gesprochen wird.“ Es sei nicht zeitgemäß, Menschen, die nicht an „Märchengeschichten“ wie die Wiederauferstehung Jesu glaubten, solche Vorschriften zu machen.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer verteidigt die Entscheidung der Stadt, nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts die Meinungs- und Versammlungsfreiheit höher zu werten als den Schutz des Feiertags. Zudem finde die Veranstaltung in einem „streng begrenzten Zeitrahmen und außerdem in geschlossenen Räumen“ statt und könne somit niemanden direkt stören, „der sich nicht freiwillig dorthin begibt“.

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