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Regensburg
Mittwoch, 28. September 2016 24° 1

Projekt

Karibik-Gefühle beim Reggae

Bei einem generationenübergreifenden Projekt der Caritas sorgt eine Kolumbianerin für den nötigen Schwung. Das Ergebnis ist nun auf YouTube zu sehen.

  • Der Regensburger Gitarrist Olli Zangl (links) machte den Spaß von Anfang an mit.Fotos: Caritas Regensburg
  • Yamile gab den Tanztakt vor.
  • In den Drehpausen war Zeit zum Relaxen und Sonne tanken.
  • Die Schulfreunde Müller mit Sängerin Tesi (links) in Aktion

Regensburg. Es beginnt mit einer Blumenkette. Auf den ersten Blick vielleicht nur eine kleine Geste. Aber die bunten Blätter, aufgereiht an einer hellen Schnur, die den Heimbewohnern bei ihrer Ankunft im Strandbad Regensburg umgehängt werden, symbolisieren einiges: Freundschaft, Willkommen sein, Sommer, Freude am Leben und Karibik-Feeling.

Karibisch geht es auch an diesem heißen Tag im Juli im Strandbad Regensburg zu. Das liegt nicht zuletzt auch an Yamilé Hurtado Rocha. Ein wahrlich klingender Name; sie besteht darauf, nur mit ihrem Vornamen angesprochen zu werden. „Meinen Nachnamen kann keiner aussprechen“, sagt sie mit einem breiten Lächeln. Im alltäglichen Leben ist die gebürtige Kolumbianerin Pflegekraft im Caritas-Alten- und Pflegeheim Friedheim in Regensburg. Aber an diesem Tag bringt sie als Tänzerin und Choreographin die Senioren richtig in Schwung. Es sind jedoch nicht nur Senioren, die an diesem Tag von Yamilé zum Tanzen und Singen animiert werden.

„Mensch bleib in der Pflege“

In einem generationenübergreifenden Projekt der Caritas haben sich prominente Regensburger Musiker, die „Schulfreunde Müller“, ein Altenheimchor, musikbegeisterte Caritas-Mitarbeiter, Bewohner einiger Caritas-Alten- und Pflegeheime und Azubis aus der Caritas-Pflegeschule in Landshut zusammengetan, um gemeinsam Musik zu machen. Sie alle sind Teil dieser Idee, die bereits ins Ministerium nach München vorgedrungen ist: Die Caritas hatte 2010 den Pflegereggae „Mensch bleib in der Pflege“ veröffentlicht. Bisher war er nur zu hören, als Musik-CD erhältlich. Jetzt haben die Beteiligten das Musikvideo dazu gedreht und produziert. Regie führte die Berlinerin Ruth Stolzewski. Das Video ist jetzt auf YouTube veröffentlicht. Mit finanzieller Unterstützung des Katholischen Wohnungsbau- und Siedlungswerks Regensburg konnte dieses Vorhaben umgesetzt werden.

Und plötzlich kam das Ordnungsamt

Auf der offiziellen Release-Party im Pfarrheim St. Wolfgang wurde das knapp fünfminütige Video zum ersten Mal gezeigt. „Wir freuen uns, den Pflege-Reggae nun auch sehen zu können, um damit auch den wichtigen Beruf des Altenpflegers in Erinnerung zu rufen“, sagte Robert Seitz, Abteilungsleiter bei der Caritas Regensburg und Initiator des Pflege-Reggaes. Ludwig Gareis, Geschäftsführer des Katholischen Wohnungsbau- und Siedlungswerks Regensburg, war begeistert: „Wir waren froh hier finanziell helfen zu können. Meine einzige Bedingung war, dass ich nicht mittanzen muss.“

Beinahe wäre der Dreh bereits am ersten Tag gescheitert. Das Ordnungsamt stand plötzlich vor der Tür der Strandbar, um zu sehen, wer da um 9 Uhr morgens schon so laut Party macht. Mit einem Schmunzeln einigten sich beide Seiten, etwas leiser zu machen. „Wir wollen mit diesem Musikvideo die Lebensfreude der uns anvertrauten alten Menschen in unseren Häusern zeigen“, sagt Seitz. Er selber sei überzeugt, dass dies nichts Aufgesetztes sei. Die älteren Menschen seien viel besser drauf, als man glaubt.

„Alte Menschen brauchen Hilfe“

Genau das ist es auch, was die meisten Azubis in der Pflege antreibt. „Man bekommt so viel zurück, ein Lächeln, viel Dankbarkeit. Wir lernen gegenseitig voneinander. Die Arbeit ist richtig spannend, weil jeder Tag anders wird“, sagt eine Auszubildende, die beim Dreh des Videos mitmachte. „Der Pflegeberuf ist ein wichtiger Beruf mit Zukunft, bei dem man auch Spaß haben kann“, sagt Yamile.

Yamilé war Grundschul- und Tanzlehrerin in ihrer Heimat Kolumbien, bevor sie 2006 nach Deutschland kam. „Ich wollte auch hier mit Menschen arbeiten und natürlich anfangs in meinem Beruf bleiben und Kinder unterrichten“, gibt Yamilé zu. Das war aber nicht möglich und so entschied sie sich für die Altenpflege: „Alte Menschen brauchen wie Kinder auch unsere Hilfe, Unterstützung, Anleitung und vor allem viel Zuwendung“, so Yamilé. Seit März arbeitet die begeisterte Zumbatänzerin im Friedheim und fühlt sich im Haus total angenommen. Zum Pflege-Reggae kam die Kolumbianerin ganz zufällig. Ihre Begeisterung für Tanzen und Musik hat sich bis zum Caritasverband rumgesprochen.

Choreographie für Rollstuhlfahrer

Da war es naheliegend, dass sie am Videodreh als Tänzerin und Choreographin teilnehmen sollte. „Ich war sofort dabei. Beim Dreh freuten sich die Senioren besonders über meine Sitz-Choreographie. Sie ist bestens für die Bewohner im Rollstuhl geeignet“, sagte Yamilé. Nach den anstrengenden zwei Drehtagen mit stundenlangem Tanzen und Singen genossen die Schauspieler in der Lounge sichtlich den Feierabend.

Bevor es wieder zurück in die Einrichtung ging, ließen Jung und Alt gemeinsam in den Strandkörben den Tag bei Cocktails und karibischer Musik ausklingen. Die Blumenketten tragen sie immer noch.

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