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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Kultur

Kein Platz für Kunst

Für Ateliers und Übungsräume junger Kreativer steigen die Mieten. Jürgen Huber von den Grünen fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.
Von Bettina Griesbeck, MZ

  • Auch konfrontiert mit den steigenden Mietpreisen: Der Kunstverein Graz hat seine Ausstellungsräume in der Altstadt.Foto: Christian Havlicek
  • Das H5 im Stadtosten ist ein gutes Beispiel für die Nutzung von leerstehenden Immobilien als kreative Plattform. In einer ehemaligen Halle der BayWa finden heute Konzerte statt. Foto: Säm Wagner

Regensburg. In der Stadt schrauben sich die Immobilienpreise nach oben. Dies geht zu Lasten der Wohnungsmieter. Gerade junge, noch nicht etablierte Künstler scheitern auf der Suche nach Übungsräumen oft an den immens hohen und für sie unbezahlbar gewordenen Preisen.

Jürgen Huber, der kulturpolitische Sprecher der Grünen Stadtratsfraktion, mahnt zum sofortigen Handeln. Die Situation, dass Kreative auf der Straße stehen, sagt Huber, vertreibe diese aus der Domstadt. Dadurch schmälert sich die kulturelle Vielfalt. „Manche Musiker, manches kleine Plattenlabel, manche Foto- oder Video-Künstler haben sich schon von Regensburg verabschiedet,“, sagt Huber.

Stadtosten als Kreativstandort

Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) geht mit der Meinung Hubers konform, dass es zu wenig bezahlbare Räume für Kultur gibt. Eine Lösung des Problems sieht er jedoch nicht. Der Schwerpunkt für die Zukunft liegt für Wolbergs im Stadtosten: „Dauerhaft könnte auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik ein Kultur- und Kreativzentrum integriert werden mit Proberäumen und Ateliers.“

Als Beispiel nennt Huber die Alte Mälzerei, die derzeit an ihre Grenzen stoßen würde. Die viel zu kleinen Räume sind vielfach belegt und es gibt wenig Platz für die Instrumente. Der Andreasstadel verfügt über wenige Ateliers auf Nebenkostenbasis. Das städtische Zentrum für junge Kultur W1 stellt zur Förderung Kulturschaffender und Kulturinteressierter Räume zur Nutzung und zur Miete zur Verfügung.

Säm Wagner, Musik- und Popularmusikbeauftragter, verweist als sinnvollen Umgang der Stadt mit der Raumnot auf Nürnberg, „wo die dortige Musikzentrale Proberäume zentral verwaltet und vermietet.“ Dort entsteht derzeit das Kreativzentrum „Z Bau“ in einer ehemaligen Militärkaserne. 2000 wurde seitens der Stadt für das Gebäude eine Zwischennutzung als Kulturzentrum genehmigt, die 2011 in eine Dauernutzung umgewandelt wurde.

Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der Nürnberger Musikzentrale, beschreibt den Weg dort bis heute als hart: „Während bei der Zwischennutzung des Gebäudes noch einige bürokratische Augen zugedrückt wurden, ist die Dauernutzung mit strikter Einhaltung von allen Vorschriften verbunden.“

Die Grünen fordern die Stadt auf, ein Atelier- und Übungsraumprogramm loszutreten zusammen mit der Entwicklung eines Mietförderprogramms. Beispielsweise wäre die Liegenschaftsverwaltung aufgefordert, leerstehende städtische Räume für eine Zwischennutzung freizugeben.

Dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Christian Schlegl liegen bisher keine besorgniserregenden Rückmeldungen bezüglich der Raumsituation für Künstler vor. „Sehr wohl aber beim Thema bezahlbarer Wohnraum für junge Familien sowie Bezieher kleiner oder mittlerer Einkommen bzw. Renten. Das Thema hat derzeit deshalb die allerhöchste Priorität“, sagt Schlegl. Allerdings fügt er hinzu, dass beispielsweise am Südzucker-Areal nach künstlerischen Nutzungen gesucht wird.

Konzerte in ehemaliger Baywa-Halle

Im Stadtosten tut sich bereits etwas: In einer ehemaligen Getreidelagerhalle der BayWa hat der Verein Scants of Grace einen Raum für nichtkommerzielle Veranstaltungen, Konzerte und Feiern geschaffen. Das H5, benannt nach der ehemaligen BayWa-Halle 5. Der Veranstalter will damit einen wichtigen Beitrag zur Kultur in Regensburg leisten, heißt es auf der Homepage.

In der Domstadt ist der Blick in die Zukunft aus der Sicht Hubers eher bescheiden: „Da die Stadt kaum nutzbare Industriebrachen vorweisen kann, tummeln sich an den wenigen Plätzen alle und wollen unterkommen.“ Sein Wunsch wäre es, dass die Stadt den Boom erträglich gestaltet für diejenigen, „deren Arbeit und deren Produkte das Salz in der Suppe einer Stadtgesellschaft sind.“

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