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Regensburg
Montag, 25. September 2017 19° 5

Familie

Kinderbegeisterte Eltern suchen Gleichgesinnte

Eltern mit mehr als drei Sprösslingen fühlen sich oft als Außenseiter. In Regensburg können sie sich nun bei einem Stammtisch austauschen.
Von Bernadette Mittermeier, MZ

Mit drei Kleinen im Haus gilt man in Deutschland schon als Großfamilie. Foto: dpa

Regensburg.. Ungläubige Gesichter, Getuschel, verstohlene Blicke – Verena Muschner kennt das. Sie ist Mutter von drei Söhnen und fünf Töchtern. Wenn die ganze Familie zusammen unterwegs ist, wird sie schon mal fassungslos angestarrt. Mehr als zwei Kinder zu haben reicht in Deutschland, um als Exot zu gelten. Verena Muschner erzählt, in ihrem Freundeskreis sei sie die Ausnahme. In Regensburg hat sie aber bald die Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen. Am Mittwoch veranstaltet der Verband für kinderreiche Familien seinen ersten Stammtisch im Kolpinghaus.

Austausch unter Gleichgesinnten

Wie wichtig solche Treffen sind, kann Alexandra Gaßmann gar nicht oft genug betonen. Die Regensburgerin ist Landesvorsitzende des Verbands in Bayern und selbst Mutter von neun Kindern. Gaßmann erzählt von einer Frau, die sich bei einem der Stammtische unglaublich befreit fühlte, endlich Menschen mit gleichen Lebensbedingungen zu treffen. „Es geht um Fragen des Alltags. Welches Auto passt? Wie wird der Urlaub bezahlbar? Bei den Treffen können die Eltern praktische Tipps austauschen.“

Die Reaktionen auf kinderreiche Familien seien ganz unterschiedlich, erzählt Gaßmann. Zum Teil seien sie hoch angesehen, es falle aber auch immer wieder das Schimpfwort „asozial“. „Dabei sind Großfamilien so normal wie andere“, so Gaßmann. In Deutschland sind sie allerdings eher selten zu finden. Laut Statistischem Bundesamt (Zensus 2011) bekommt eine Frau hierzulande im Schnitt 1,36 Kinder. Paare mit Kind machen in der erwachsenen Bevölkerung gerade mal 24 Prozent aus. Die wenigsten Familien haben mehr als drei Kinder – die Mindestzahl, ab der man beim Verband ordentliches Mitglied werden kann. Darum fehlt auch eine politische Lobby für kinderreiche Familien. Diese Funktion möchte der rund zwei Jahre junge Verband nun übernehmen.

Zufriedenheit trotz Geldsorgen

Ziel ist nicht nur die politische Interessensvertretung. Gerade kleinere Probleme schaffen Frust: Gaßmann stören zum Beispiel die Familienkarten vieler Unternehmen, die nur für ein, zwei Kinder gelten. „Meine Familie zahlt für einen Tag im Schwimmbad rund 85 Euro“, rechnet sie vor. Hohe Kosten seien auch für Großfamilien der Mittelschicht ein ständiges Problem, meint Bernhard Meuffels. Der Sozialarbeiter, selbst vierfacher Vater, berät Eltern mit vielen Kindern kostenlos.

Bezahlbare Wohnungen seien schwer zu finden, erzählt er. „In meiner Kindheit gab es noch ein soziales Netz aus Nachbarn und Verwandtschaft. Das ist weggefallen“, berichtet er von seinen Erfahrungen als Kind mit neun Geschwistern. „Heute suchen Kinderreiche verzweifelt Unterstützung.“ Mitleid sei aber unangebracht, meint Gaßmann. „In einer Familie hilft man sich ja gegenseitig.“ Junge Paare machten sich zu viele Gedanken. Hätte sie die Wahl, sie würde alles wieder genauso machen.

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