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Regensburg
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Gesundheit

Klimawandel Gefahr für Senioren

Fast 40 Grad und tropische Nächte brachte dieser Sommer bislang. Die Klimaerwärmung macht vor allem Alteren zu schaffen.
Von Ulrich Böken, MZ

Senioren gehören zu den Risikogruppen, die unter großer Hitze besonders leiden. Foto: dpa

Regensburg.Das Bundesumweltamt verweist auf seine Studie, wo die Wetterkapriolen am meisten zu spüren sein werden: in den Städten. Früher hieß es „Stadtluft macht frei“ heute macht Stadtluft auch öfter krank. Hitzewellen und Abgase belasten immer mehr Stadtbewohner. „Schon jetzt sind Strategien gefragt, in der medizinischen Versorgung, speziell der Altersmedizin, in Pflegeheimen und Krankenhäusern“, sagt Petra Mahrenholz, Sachgebietsleiterin im Umweltbundesamt.

Von den 76 bundesdeutschen Großstädten mit mehr als 100 000 Einwohnern haben die Hälfte auf Papier bereits Pläne erarbeitet, um die Folgen der Klimaerwärmung durch bauliche Maßnahmen und mehr Stadtgrün abzufedern. Regensburg ist dabei. Aber es wird, wie anderswo, Konflikte geben – und dauern. Denn die Stadt ist Wachstumszentrum mit hohem Verkehrsaufkommen, dichter Bebauung und versiegelten Böden. Also wird die Altenpflege und das Gesundheitssystem vorerst die Hauptlast des Klimawandels tragen müssen. Besonders betroffen: die Altersmedizin.

Durstempfinden nimmt ab

„Ältere Menschen gehören zu der Risikogruppe, die unter Hitzeereignissen am meisten gefährdet sind“, sagt Professor Dr. Roland Büttner, Direktor der Abteilung Innere Medizin am Regensburger Krankenhaus St. Josef. Übermäßig belastet würden das Herz-Kreislauf-System und durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr vor allem innere Organe wie die Nieren. Professor Büttner: „Das Durstempfinden nimmt im Alter ab. Wer zu wenig trinkt, riskiert schwerste Nierenschädigungen oftmals mit tödlichen Folgen. Hier ist großes Engagement der Pflege- und Fachkräfte gefragt, ob zuhause oder in Pflegeheimen.“

Weitere Hitzerisiken sieht Büttner auch in der mit Ozon belasteten Stadtluft und der intensiven Sonneneinstrahlung. Gute Durchlüftung der Wohnung und ausreichender Schatten kann Leben retten, im Notfall helfe da schon ein Sonnenschirm. Bei allein lebenden älteren Menschen ist das Risiko besonders groß, weil soziale Kontrolle und Hilfsangebote fehlen.

Wenn es unerträglich wird

  • Das Umweltbundesamt rät:

    Achten Sie auf Ihre Nachbarn, Freunde und Familienangehörige wenn diese zu einer der besonders gefährdeten Gruppen zählen.

  • Sprechen Sie

    mit gefährdeten Personen über Verhaltensweisen zum Gesundheitsschutz bei Hitze.

  • Organisieren Sie

    tägliche Telefonate oder Besuche.

  • Klären Sie

    Betreuungsmöglichkeiten durch Hilfsdienste während sommerlicher Hitzewellen.

  • Stellen Sie

    rechtzeitig die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken sicher – zum Beispiel durch eine Einkaufshilfe.

  • Platzieren Sie

    eine gut lesbare Telefonliste mit Ansprechpersonen und Ärzten in der Nähe des Telefons.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt inzwischen Hitzewarnungen an Pflegeheime, Krankenhäuser und Ärzte heraus. Gleichzeitig ruft er die Menschen zu gegenseitiger Hilfeleistung auf. Nachbarschaftshilfe müsse in solchen Fällen selbstverständlich werden, so der DWD.

Gesundheitsexperten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordern inzwischen einen Hitzeaktionsplan für Kommunen. Den befürwortet auch Professor Büttner. „Denn es wird Veränderungen geben, angefangen von der Aufbewahrung der Medikamente bis zur Gefahr neuer Infektionskrankheiten.“ Sollte nicht gegengesteuert werden. so die WHO, werde es Städte und Gemeinden viel Geld kosten, weil mehr Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen notwendig wird.

Lernen von südlichen Ländern

Armin Gayk ist Leiter des Johannesstifts im Regensburger Stadtsüden, einem Alten- und Pflegeheim für hochbetagte Seniorinnen und Senioren. Klimaerwärmung und Hitzewellen sind bereits Thema im Haus. Dabei, betont Gayk, habe er noch Glück. Das Gebäude sei Ost-West ausgerichtet. Die heiße südliche Sonneneinstrahlung an den Nachmittagen werde dadurch abgeblockt. Doch im Pflegealltag gibt es schon Neuerungen: „Gute Durchlüftung der Zimmer, leichtere Kost, beschattete Aufenthaltsflächen und Trinkprogramme, notfalls müssen wir Infusionen einsetzen“, sagt Pflegedienstleiterin Manuela Kurz.

Heimleiter Armin Gayk zu den Folgen: „Der Pflegeaufwand steigt, dies bedeutet auch für unser Haus mehr Personal und einen höheren medizinischen Einsatz, der zu höheren Kosten führen kann.“ Wegen der veränderten Klimasituation plädiert er für mehr Erfahrungsaustausch unter Heim- und Pflegeeinrichtungen, der Ärzteschaft und den Planern von Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Sein Vorschlag: „Wir sollten uns die Hitze-Erfahrungen unserer Kollegen aus südlichen Ländern, wie Italien, zunutze machen.“

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