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Infrastruktur

Kneitinger Brücke: Klares Nein gefordert

Die Stadt hat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Wegen eines ÖPNV-Gutachtens ist die Angst bei Anwohnern jetzt wieder da.
Von Micha Matthes, MZ

Schon lange ist die Kneitinger Brücke ein Streitthema zwischen Stadt und Landkreis. So könnte sie aussehen. Animation: Stadt

Regensburg.Eigentlich hatten sich Verwaltung und Stadtrat bereits gegen eine Kneitinger Brücke ausgesprochen. Jetzt kehrt die Angst der Anwohner zurück. 2015 hat die Stadt eine Untersuchung für ein höherwertiges ÖPNV-System in Auftrag gegeben. Eine hypothetische Variante des zuständigen Wiener Planungsbüros Komobile sieht eine ÖPNV-Brücke nur für die Stadtbahn, Radfahrer und Fußgänger von Kneiting über die Donau in den Stadtwesten vor. Bürger, die dort leben, befürchten nun eine „Kneitinger Brücke durch die Hintertür“ und fordern vom Stadtrat ein erneutes klares „Nein“ zu der ÖPNV-Variante.

Mit zwei Anträgen will die Interessengemeinschaft „Keine Kneitinger Brücke im Stadtwesten“ die ÖPNV-Idee im Keim ersticken. Bei einer Bürgerversammlung in der Grundschule Prüfening wurde das Projekt am Mittwoch heftig diskutiert. Antragsteller Oliver Wutz forderte, dass sich der Stadtrat noch einmal klar gegen die Brücke ausspricht. Eine Zusage von Bürgermeisterin Gertrud Malz-Schwarzfischer reichte den Anwesenden nicht. Entgegen der Absicht der Bürgermeisterin stimmten sie daher über die Anträge ab – auch damit diese garantiert noch einmal im Stadtrat behandelt werden müssen. Eine deutliche Mehrheit votierte für die Anträge.

Damoklesschwert über Stadtwesten

Seit Jahren hänge die Forderung nach einer „Kneitinger Brücke“ wie ein Damoklesschwert über dem Stadtwesten und deren Bewohnern, sagt Wutz, der selbst auch als Anwohner im Roter-Brach-Weg betroffen wäre. Stadt und Stadtrat hätten sich zwar bisher grundsätzlich gegen eine Kneitinger Brücke ausgesprochen. Wegen der ÖPNV-Variante müssten die Bürger nun aber wieder hellhörig werden. „Wir befürchten eine Kneitinger Brücke light“, sagt Wutz. „Mit den Anträgen wollen wir zeigen, dass wir wachsam sind.“

Diese Trasse werde derzeit nicht weiterverfolgt, versichert hingegen eine Pressesprecherin der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es geht derzeit nur um eine Y-Achse von Nord nach Süd: Ein Ast würde Richtung Uni führen, einer Richtung Burgweinting. Der dritte verliefe nach Wutzlhofen im Norden.“ Kneiting sei davon überhaupt nicht berührt. „Der hypothetische Ast Richtung Westen wird derzeit definitiv nicht verfolgt. Das ist im Moment der Stand“, sagt die Sprecherin.

Eine Tram (im Bild bei Straßburg) könnte vom Regensburger Stadtwesten über die Donau führen. Diese Variante thematisiert ein ÖPNV-Gutachten. Foto: dpa

Für Wutz hingegen ist entscheidend, dass der Planungsausschuss den Zwischenbericht zu der Studie Anfang Februar behandelt hat. Die Weiterarbeit an der Untersuchung lasse erkennen, dass eine „Kneitinger Brücke durch die Hintertür“ vonseiten der Stadt anscheinend nicht auszuschließen sei, sagt Wutz. „Außerdem findet keine Beteiligung der Bürger im Stadtwesten an der Untersuchung statt. Hier mangelt es an Transparenz.“

Schon jetzt gebe es große Verkehrsprobleme im Stadtwesten, sagt Wutz. „Zu den Stoßzeiten ist es prekär. Wenn man dann noch vom Landkreis her – egal ob bei Sinzing oder bei Kneiting – 3000 Autos an jedem Morgen zuleitet, kriegen wir einen Verkehrsinfarkt.“ Besonders kritisch sieht Wutz die Verteilung des Verkehrs aus dem westlichen Landkreis auf nicht leistungsfähige Straßen im hauptsächlich von Wohngebieten geprägten Stadtwesten mit allen negativen Auswirkungen wie Lärm, Abgasen und der Gefahr für Schul- und Kindergartenkinder.

In jeder Gemeinde würden höchste Anstrengungen unternommen, um den Berufs- und Pendlerverkehr aus Wohngebieten umzuleiten. Hier passiere genau das Gegenteil, sagt Wutz. „Verkehrsplanerische Grundsätze, den zwischenzeitlich zum überwiegend reinen Wohngebiet ausgebauten Stadtwesten nicht mit zusätzlichem Verkehr zu belasten, werden so auf den Kopf gestellt.“

Statt einer Brücke schlägt die Initiative eine Bündelung des Verkehrs aus dem nordwestlichen Umland auf der „nach wie vor leistungsfähigen vierspurigen B8 hin auf das städtische Verteilertangentenviereck aus Frankenstraße, A93, Kirchmeier-/ Furtmayrstraße, Weißenburgstraße und Nordgaustraße“ vor.

Anwohner wollen sich klar wehren

Maria Lindinger-Schledorn, Anwohnerin in der Killermannstraße, ist überzeugt: Bei dem Projekt geht es nicht nur um eine Schienen-Brücke für den ÖPNV. „Da würden vermutlich ja auch Autos drüberfahren“, sagt sie. „18600 Fahrzeuge am Tag durch ein reines Wohngebiet – das wäre ein Wahnsinn“, sagt Lindinger-Schledorn. Die Angst der Bevölkerung sei daher berechtigt. „Was machen die über unsere Köpfe hinweg? Warum werden wir nicht informiert?“

Forderungen der Bürger

  • In den Anträgen fordert

    die Interessengemeinschaft einen Verzicht jeglicher Anbindung des Stadtwestens durch eine Kneitinger Brücke.

  • Der Stadtrat habe den Verzicht

    zu bestätigen, um „seine Glaubwürdigkeit zu zeigen, die nicht nur eine lose Absichtserklärung sein kann“.

  • Bürger sollen

    an der Verkehrsplanungsstudie beteiligt werden, um Transparenz herzustellen. Die Beteiligung dürfe aber nicht als Zustimmung interpretiert werden.

Durch Mundpropaganda hätten sich die Anwohner und Nachbarn zusammengefunden und solidarisiert. „Deshalb waren auch so viele Leuten bei der Bürgerversammlung. Das war nicht wegen der zwei Aushänge der Stadt, sondern weil sich die Leute klar wehren wollen.“ Es gebe einen großen Zusammenhalt in der Bevölkerung. Auch aus Dechbetten seien viele Zuhörer zu der Versammlung gekommen. Und sie selbst würde sich im Ernstfall auch mit Anwohnern aus Sinzing solidarisieren, sagt Lindinger-Schledron. „Das Projekt darf nicht einfach zum nächsten geschoben werden. Keiner will die Brücke vor der Haustür. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung.“

Insbesondere der Landkreis Regensburg, die im Kreisrat vertreten Parteien, die IHK und Gemeinden im westlichen Landkreis wie Pettendorf befürworten eine Kneitinger Brücke. Sie drängen darauf, das Projekt zur realisieren, unter anderem um die A 93 besser zu entlasten.

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  • FH
    Franz Huber
    20.03.2017 20:52

    Zu den Befürchtungen der äußerst aktiven Interessengemeinschaften im Stadtwesten vor einem Verkehrsinfarkt, bei Realisierung von Brückenlösungen ist zu sagen, dass der Verkehrsinfarkt für die Pendler auf der A3 und A93 jetzt schon tägliche Realität ist. Die „Light-Version“ von Nahverkehrsbrücken in Kneiting und Sinzing, ausschließlich für den ÖPNV, Elektromobilität, Carsharing, Taxis und Sonderfahrzeuge (Polizei, Rettungsdienste) ist eine sinnvolle Entlastung der Autobahnen vom unverzichtbarem Regionalverkehr notwendig. Die Verkehrsbelastung der Anwohner im Stadtwesten ließe sich dadurch umweltverträglich realisieren und in Grenzen halten. Die Aufgabe der Stadt ist es auch für funktionierende Verkehrsinfrastruktur, auch für den angrenzenden Großraum, zu sorgen, sich nicht von einer aktiven IG den Handlungsspielraum begrenzen zu lassen und ohne Weitsicht sich ausschließlich um exzessive urbane Wohnbebauung zu bemühen. Die städteplanerischen Fehler der Vergangenheit an der Lilientalstr. und der Schlossstr. sprechen für sich.

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