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Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 6

Tiere

Kommissar Obersüß eilt zur Verstärkung

Der Regensburger Welpe Bruno wird zum Rauschgifthund ausgebildet. Wir waren bei einer Unterrichtsstunde in den Arcaden dabei.
Von Heike Haala

Regensburg.Rolltreppen sind Bruno suspekt: Der belgische Schäferhundwelpe schnüffelt an jeder Stufe, die aus dem Absatz hervortritt und sieht drei, vier von ihnen beim Hinabgleiten hinterher. Dann stellt er seine Vorderbeine auf die fünfte Metallstufe und das Schmalmassel nimmt seinen Lauf: Brunos Hinterbeine stehen noch auf dem Absatz, während ihn die Stufe, auf die er seine Vorderbeine gestellt hat, schon nach unten zieht.

Verhaftet wegen süß: Brunos unwiderstehlicher Hundeblick Foto: Haala

Bruno will am liebsten zurück und steigt mit den Vorderpfoten rückwärts auf jede neue Stufe, um nicht zu stürzen. Sein Herrchen Georg Fleischmann von der Hundestaffel am Polizeipräsidium Oberpfalz hilft Bruno und setzt sein Hinterteil auf eine der Stufen. Bruno fährt nun mit der Rolltreppe ins Erdgeschoß der Regensburg Arcaden und bekommt als Lob für seinen Mut den Kopf getätschelt.

Fleischmann ist einer von 27 Hundeführern am Polizeipräsidium. Anfang August hat er den damals zehnwöchigen Bruno vom Züchter geholt. Seither leben und arbeiten die beiden zusammen. „Ich verbringe mehr Zeit mit Bruno als mit meiner Familie“, sagt Fleischmann. Im September hat er mit der Ausbildung des Hundes begonnen. Zwei Jahre lang wird Bruno zum Drogenhund ausgebildet. So lange dauert die Ausbildung in Sachen Gehorsam und Nasenarbeit.

Das wichtigste Werkzeug beim Hundetraining: der Klicker. Foto: Haala

Bruno ist ein Star in den Arcaden

Im Moment bekommt Bruno gerade die Basics beigebracht: Sitz, Platz und Bei-Fuß-Gehen klappen schon ganz gut. Die Trainingsstunde in den Arcaden soll Bruno helfen, sich einmal auf jeder Art von Untergrund gleichermaßen sicher bewegen zu können. Das mit der Rolltreppe muss er zwar noch ein paar Mal üben, trotzdem behandeln die Kunden und Angestellten Bruno schon wie einen Star. Alle Augen sind auf den Welpen gerichtet. „Bruno, piccolo!“, ruft ihn etwa der Eishändler, als er gerade schnüffelnd und schwanzwedelnd das Streifegehen mit Fleischmann übt. Der Verkäufer hat einen Keks für Bruno und einen für sein Herrchen. Auch der Sicherheitsdienst kennt den Welpen schon und grüßt ihn.

Georg Fleischmann und Polizeihund Bruno beim Training in den Arcaden. Foto: Haala

Fleischmann bekommt zwar lange nicht so viel Aufmerksamkeit wie Bruno, trotzdem ist die Stelle bei der Hundestaffel ein „Traumjob“ für ihn. Und damit meint er nicht nur den Vorzug, dass es sein Job ist, den süßen Hundewelpen zu einem Helfer im Einsatz ausbilden zu dürfen. „Ein Hund ist eine Macht“, sagt er. Wenn es erforderlich ist, könne mit den Tieren sogar eine Straße abgesperrt werden. Ob die Polizeihunde nun Drogen, Sprengstoff oder Leichen aufspüren – die Mitglieder der Hundestaffel werden gerufen, wenn die Einsatzkräfte der Polizei mit ihrem Ermittlungslatein am Ende angekommen sind. Der Spürsinn der Polizeihunde legt dann noch eine Schippe in Sachen Ermittlungstaktik drauf und eröffnet den menschlichen Kollegen ganz neue Perspektiven.

Klick-klick, klick-klick, klick-klick

In zwei Jahren sollte Bruno das alles gelernt haben. Denn dann wird seine Vorgängerin Franka in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Auch sie wohnt und lebt mit der Familie Fleischmann. Dort darf sie auch ihre Zeit als Rentnerin verbringen. Zehn Jahre lang wird sie dann im Dienst als Polizeihündin gewesen sein.

So schön die Arbeit mit den Hunden für Fleischmann auch ist: Er weiß, dass er die Tiere überleben wird. Frankas Vorgänger Jack hat er bis zum Schluss gepflegt. Der Hund ist in seinen Armen gestorben. „Gott sei dank war Franka da schon da. Dadurch ist es gleich weitergegangen“, erinnert sich Fleischmann an diesen schweren Tag.

Ohne Leckerlis geht nichts. Sie sind Brunos größte Motivation. Foto: Haala

Das wichtigste Werkzeug bei Fleischmanns Erziehungsarbeit mit Bruno ist ein kleiner Klicker, den er bei den Übungen in der Hand hält. Zuerst musste er Bruno beibringen: Wenn es klickt, gibt es ein Leckerli. „Sobald der Hund verstanden hat, dass es nach dem Klicken Futter gibt, kann ich sein Verhalten trainieren“, sagt er. Er geht ein paar Schritte in der alten Kantine am Truppenübungsplatz in Oberhinkofen, die kurzerhand in Brunos Schulzimmer ungewandelt wurde. Bruno folgt ihm dabei stets bei Fuß. „Sitz“, sagt Fleischmann. Bruno folgt aufs Wort, hört den Klick und bekommt einen kleinen Leckerlisnack. „So kann ich ihm alles beibringen“, sagt Fleischmann. Er muss seine Arbeit immer wieder kontrollieren, um herauszubekommen, ob Bruno die Arbeitsschritte auch richtig in seinem Hirn verknüpft hat.

Sitz, Platz, bei Fuß – Bruno ist sehr gelehrig. Foto: Haala

Sollte sich Bruno etwas falsch gemerkt haben, kann das Konsequenzen bei einem späteren Polizeieinsatz nach sich ziehen. Deswegen muss Fleischmann diesen Lernfehlern zuvor auf die Schliche kommen. „Diese falschen Verknüpfungen wieder aufzulösen, ist schwierig“, sagt er. So gut die Arbeit mit Bruno läuft, Fleischmann kennt auch ein Tier, bei dem sich diese Verknüpfungen per Klicker erst gar nicht herstellen lassen – so viel Talent und Erfahrung er als Hundeführer im Umgang mit Tieren auch haben mag: Dieses Tier heißt Simor und ist seine Hauskatze. Katzen seien für diese Arbeit zu eigensinnig. „Simor ist bei uns daheim der Chef, auch wenn Bruno das jetzt noch anders sieht“, sagt Fleischmann.

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