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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Regensburg-Trend

Kritik am Stadion: Falsches Profil?

70 Prozent der von Meinungsforschern Befragten halten die Entscheidung, eine reine Fußball-Arena zu bauen, für verkehrt.
Von Norbert Lösch, MZ

Die Continental-Arena ist in drei Monaten fertig. Foto: Lex

Regensburg.Es ist die größte Baustelle der Stadt und die größte Investition in die Infrastruktur für den Sport, die Regensburg je gesehen hat: das neue Stadion in Oberisling. Die Continental-Arena ist drei Monate vor ihrer Fertigstellung aber immer noch ein Zankapfel: Die Fußballfans können das Eröffnungsspiel kaum mehr erwarten, während Kritiker das Projekt gebetsmühlenartig infrage stellen – nach dem Motto: Die fast 53 Millionen Euro hätte die Stadt sinnvoller ausgeben können.

Die Frage der Meinungsforscher zielte auf die Nutzungsmöglichkeiten der Arena ab. Sie wurde von Anfang an als reines Fußballstadion konzipiert, was andere Veranstaltungen – wie etwa Konzerte – nur sehr eingeschränkt zulässt. Die Frage lautete: Halten Sie diese Entscheidung für richtig?

Breitseite gegen den Stadtrat

Das Ergebnis ist einmal mehr eine Breitseite gegen den Stadtrat. Denn 70 Prozent der Befragten halten den längst vollzogenen Beschluss, ein reines Fußballstadion zu bauen, für falsch. Nur 22 Prozent können sich damit anfreunden, acht Prozent waren unentschieden.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hatte in dieser Diskussion lange betont, er brauche keinen Plan B für alternative Nutzungen, weil der Jahn nicht absteigen werde. Als sich die sportliche Misere des Drittligisten zuspitzte, wollte er Konzerte und andere Großveranstaltungen in der Arena nicht mehr ausschließen. Tenor: Schon aus wirtschaftlichen Gründen müsse man über solche Zusatz-Nutzungen nachdenken.

Das Beispiel Essen gibt zu denken

Was die Kritiker allerdings oft vergessen: Selbst wenn ein Fußballstadion andere Nutzungen erlaubt, sind Veranstaltungen nur selten möglich. Denn unabhängig davon, in welcher Liga der Jahn spielen wird, dauert die Saison immer mindestens von August bis Mai. Veranstaltungen sind also allenfalls im Juni und Juli denkbar; diese Einschränkung gilt praktisch für alle Multifunktions-Arenen in Deutschland, in denen regelmäßig der Ball rollt.

Das Stadion von Rot-Weiss Essen gibt ein Beispiel. Obwohl sich dort eine Event-GmbH bemüht, für die fußballfreie Zeit Konzertveranstaltungen zu akquirieren, hat es im vergangenen Jahr ganze drei gegeben: eine Schlagernacht, eine Dancefloor-Party und ein Konzert von Black Sabbath. Essen hat übrigens ebenfalls ein nagelneues Stadion, das mit gut 20000 Plätzen noch um einiges größer ist als das Regensburger. Der Verein, für den es gebaut wurde, schlägt sich in der laufenden Saison ganz wacker – in der Regionalliga West.

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