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Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 6

Mobilität

Lastenräder sind im Kommen

Immer mehr Regensburger entdecken die Transport-Bikes als Alternative zum Auto. Die Zahl der Förderanträge steigt.
Von Kathrin Robinson

Auch Familie Herrmann aus Ziegetsdorf nutzt ein Lastenfahrrad – unter anderem um Töchterchen Lilly zu transportieren. Foto: Lex

Regensburg.Seit wenigen Tagen hat Familie Herrmann aus Ziegetsdorf einen neuen fahrbahren Untersatz. Denn vor dreieinhalb Monaten haben Max und Katharina Herrmann Zuwachs bekommen. Schon vor der Geburt stellten sich die Herrmanns die Frage, wie sie künftig am besten Einkäufe in der Stadt erledigen oder das Töchterchen später mal in den Kindergarten transportieren sollen. „Wir wollten uns aber kein zweites Auto kaufen. Die Verkehrssituation in der Innenstadt ist angespannt genug“, sagt Max Herrmann. Eine Verwandte brachte das Paar dann auf eine Idee, die den beiden sofort zusagte: ein Lastenpedelec mit Hilfsmotor. „Weil wir in der Nähe des Fernsehturms wohnen und in der Stadt unten arbeiten, ist das genau die Alternative zum Auto, die wir gesucht haben“, sagt Herrmann.

So wie die Herrmanns legen sich offenbar immer mehr Familien ein Lastenfahrrad oder Lastenpedelec mit Elektrounterstützung zu, um in der Innenstadt von A nach B zu kommen. Die Transport-Bikes, die vor wenigen Jahren noch ein Nischendasein in Regensburg fristeten, sieht man nun regelmäßig im Stadtbild. „Man hat schon den Eindruck, dass immer mehr Leute mit Lastenrädern in der Stadt unterwegs sind“, sagt Michael Straube, Vorsitzender des Vereins Regensburger Eltern e.V. „Vor allem die dreirädrigen Lastenräder mit der großen Box vorne sieht man immer öfter.“

Anzahl der Anträge steigt

Im Umweltamt der Stadt sieht man dies mit Freude. Mit ein Grund für die Entwicklung dürfte sein, dass das von der Stadt aufgelegte Programm zur Förderung der Elektromobilität, das neben E-Autos und E-Rollern auch Lastenräder umfasst, seit August zum Teil auch auf Privatpersonen ausgedehnt wurde. Seither können Bürger, die sich ein Transport-Bike für den privaten Gebrauch zulegen wollen, Zuschüsse von der Stadt beantragen. So wird der Kauf von Lastenfahrrädern wird mit bis zu 400 Euro gefördert. Wer sich ein Lastenpedelec mit elektrischem Hilfsmotor zulegen will, kann in den Genuss eines Zuschusses von bis zu 1000 Euro kommen.

Seit der Erweiterung des Förderprogramms ist die Zahl der Zuschussanträge, die bei der Stadt eingehen, laut Rudolf Gruber, dem Leiter des Umweltamts, rapide angestiegen. Hatte die Stadt bis Ende März insgesamt nur drei Anträge bewilligt – zwei für ein E-Auto und einen für ein Lastenpedelec –, so waren es bis 30. November bereits 97 Regensburger, die von der Stadt bei der Anschaffung eines umweltschonenden Fahrzeugs finanziell unterstützt wurden. In 46 Fällen ging es dabei um den Kauf eines Lastenpedelecs mit Hilfsmotor. Zwei Anträge entfielen auf „normale“ Lastenräder und 15 auf Fahrradanhänger. Denn auch die Anschaffung letzterer fördert die Stadt mit bis zu 150 Euro. „Ob nun jemand mit Lastenpedelec, Lastenrad oder Anhänger unterwegs ist – jeder der auf das Auto verzichtet, wenn er etwas in der Innenstadt transportieren muss, ist eine Entlastung für den Stadtverkehr und trägt etwas bei zu sauberer Luft“, erklärt Gruber. Er ist zufrieden mit den aktuellen Zahlen. In seinem ersten Zuschnitt sei das Programm zur Förderung der E-Mobilität vor allem für die Zielgruppen Taxiunternehmer, Handwerker und soziale Dienste gedacht gewesen. „Mit dem Fokus auf den gewerblichen Einsatz haben wir nicht die erhoffte Wirkung erzielt“, gibt Gruber zu. „Die Akzeptanz war nicht so groß. Nun wirkt unser Förderprogramm. Das ist wichtig für unser Energie- und Klimamanagement.“

Lastenräder sind nicht billig

Dass Lastenräder immer mehr im Kommen sind, merken auch Händler wie Zweirad Stadler oder das Elektrofahrzeug-Geschäft „Electro Wheels“ in der Maximilianstraße. Seit die Stadt die Förderung ausgedehnt hat, ist die Nachfrage in beiden Geschäften gestiegen. „Wir werden im Laden von vielen Kunden auf die Förderung angesprochen. Außerdem informieren wir mit Plakaten und Flyern darüber“, erklärt Stephanie Sägenschnitter, die Store-Leiterin von „Electro-Wheels“. Etwa zehn Lastenrad-Modelle hat sie im Sortiment, die von der Stadt bezuschusst werden. Rund 2600 Euro kann ein Modell aus den Niederlanden kosten – viel Geld für die meisten Familien. „Da bringt die Förderung schon einiges“, sagt Sägenschnitter.

„Man merkt, dass die Stadt etwas anschieben will.“

Max Herrmann

Auch Familie Herrmann hat beim Kauf ihres Lastenpedelecs die Förderung der Stadt in Anspruch genommen. „Das ganze ist ja sonst schon eine recht teure Geschichte“, sagt Max Herrmann. Den Antrag zu stellen sei sehr einfach. „Alles ist einfach formuliert und nach circa drei Wochen war die Bewilligung schon da“, berichtet er. „Man merkt, dass die Stadt da was anschieben will.“ „Uns geht es darum, möglichst viele Anreize zu schaffen, damit die Leute das Auto stehen lassen“, bestätigt Rudolf Gruber. Den Bürgern, die aufgrund der Kosten noch am Zweifeln sind, ob sie sich ein Lastenrad kaufen sollen, will die Stadt daher unter die Arme greifen. Die Bewilligung des Förderantrags muss allerdings schon vor dem Kauf eines Transport-Bikes eingeholt werden. Eine nachträgliche Bewilligung ist nicht möglich.

Diese Fahrzeuge fördert die Stadt:

Mit dem Rad zum Kundentermin

Ofen- und Heizungsbauer Peter Straßberger fährt mit dem Lastenrad zu seinen Kunden in der Innenstadt. Foto: Robinson

Nachdem die Förderung bei Familien viel Zuspruch findet, zieht nun offenbar auch die Nachfrage bei Handwerkern und Betrieben an. Immerhin zwölf der 46 bewilligten Anträge auf Unterstützung beim Kauf eines Lastenpedelecs stammen von Unternehmen. Einer, der ein Lastenrad schon seit Jahren geschäftlich nutzt, ist Ofen- und Heizungsbauer Peter Straßberger, Inhaber von Kachelöfen Straßberger. „Mit dem Auto in der Innenstadt ist es doch ein Wahnsinn“, sagt er. Wenn er dort Beratungsgespräche bei Kunden oder Kundendienst-Termine hat, nimmt er deshalb lieber das Lastenrad. Dort passt alles hinein, was er braucht: seine Arbeitstasche, Kataloge und Unterlagen, Holzscheite und Anzünder. „Mit einem normalen Rad könnte ich das nicht transportieren“, sagt er. Für Handwerker, die oft kurze Strecken in der Stadt fahren, sind die Räder seiner Meinung nach eine gute Alternative.

Noch können sich Interessenten den Kauf von umweltschonenden Fahrzeugen wie Lastenrädern fördern lassen. Der Fördertopf der Stadt für das Elektromobilitätsprogramm umfasste insgesamt 250 000 Euro, rund 104 000 Euro sind verplant. „Es stehen also auch 2018 noch Fördergelder zur Verfügung“, sagt Rudolf Gruber vom Umweltamt.

Einen ZDF-Film zum Trendfahrzeug Lastenrad sehen Sie hier:

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