mz_logo

Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Darmkrebs

Launiges Prosit auf die Krebsvorsorge

Unterhaltsamer Auftakt in Kelheim für ein ernstes Anliegen: Die Aktion „Das Bier danach“ soll nun in ganz Bayern vor tödlichem Darmkrebs retten.
Von Martina Hutzler, MZ

Dr. Michael Reng (re.) und Georg Schneider sind die Initiatoren der Aktion „Das Bier danach“. Foto: Hutzler

Kelheim.Gut 50 Gäste kamen am Freitag in den Festsaal des Weissen Bräuhauses – rein statistisch werden drei bis vier von ihnen irgendwann in ihrem Leben an Darmkrebs erkranken. Die Chancen genau dieser gut gelaunten Runde, der Statistik ein Schnippchen zu schlagen, sind aber hoch. Denn es war der Auftakt zur Darmkrebs-Vorsorge-Aktion „Das Bier danach“, der Vertreter von Krankenhäusern, Arztpraxen und Brauereien aus ganz Bayern nach Kelheim führte. Und die Zuhörer lauschten aufmerksam der Mahnung der Redner: Zur vorbeugenden Darmspiegelung zu gehen, mag Überwindung kosten – aber Darmkrebs kostet schlimmstenfalls das Leben.

Aktuell 16 Brauereien sowie 50 Praxen und Kliniken machen mit beim „Bier danach“, konnte Initiator Dr. Michael Reng bekanntgeben. Dabei stellen Brauereien den Medizinern alkoholfreies Bier zur Verfügung. Die überreichen die flüssige Kost als „Belohnung“ all denjenigen Patienten, die sich einer ambulanten Darmspiegelung zur Vorbeugung von Darmkrebs unterziehen. Die anfängliche Allianz von Goldberg-Klinik Kelheim, wo Reng als Gastroenterologe praktiziert, und der Kelheimer Weissbierbrauerei Schneider hat mittlerweile bayernweite Mitmacher gefunden; darunter in Regensburg die Uni-Klinik und die „Barmherzigen Brüder“.

Vielleicht schafft diese Aktion endlich den Lückenschluss zwischen dem exzellenten Vorsorge-Angebot in Deutschland und dessen mäßiger Nutzung durch die Bevölkerung: Diese Hoffnung äußerte Professor Helmut Messmann, Vorsitzender der bayerischen Gesellschaft für Gastroenterologie. Ab 55 Jahren (bei erblichen Risikofaktoren auch schon früher) ist die Darmspiegelung im zehnjährigen Turnus ein kostenloses Vorsorge-Angebot. Dabei wird der Darm nicht nur mit einer winzigen Kamera erkundet. Polypen – mögliche Vorstufen eines Karzinoms – werden gleich entfernt. „Mit diesem Vorsorge-Angebot sind wir Weltmeister“, und wer es nutzt, senke sein Krebsrisiko um 90 Prozent, sagte Messmann. Trotzdem sei Darmkrebs in Deutschland das zweithäufigste Karzinom und verantwortlich für über 25 000 Todesfälle jährlich. Umso bitterer, als es – früh erkannt – eigentlich gut heilbar wäre.

Diese tödliche Gefahr zu mindern, sei Sinn der Aktion „Das Bier danach“ – und wenn ein Lebensmittel mit so reicher Kulturgeschichte bei mithelfen könne, „dann bin ich als Weißbierbrauer froh, einen Beitrag leisten zu können“, erklärte Brauereichef Georg Schneider. „Eine ungewöhnliche Allianz, aber keine unheilige“, befand Landrat Dr. Hubert Faltermeier als weiterer Redner der Auftaktveranstaltung. Seinem Dank an die Initiatoren Reng und Schneider schloss sich Dr. Ruth Spranger namens der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns an.

Professor Hans-Jürgen Schlitt gestand für sich das ein, was Statistiker schon allgemein herausgefunden haben: „Ich hab’ mich von meiner Frau überreden lassen müssen“, selbst zur Darmspiegelung zu gehen. Frauen sind, auch bei Darmkrebs, vorsorgebewusster als Männer. Schlitt, Beirat in der Gastroenterologen-Gesellschaft, mahnte aus seiner Sicht als Chirurgie-Lehrstuhlinhaber zu besserer Vorbeugung: „Wir sehen leider immer noch zu viele Patienten mit fortgeschrittenen Darmkrebs-Stadien.“ Auf sie warten große Operationen, Chemotherapie und in der Folge ein Verlust an Lebensqualität.

Schlitts Appell schickten die „Tanngrindler Musikanten“ den unterhaltsamen Aufruf „Hört die Signale“ hinterher: Zu den Klängen der sozialistischen „Internationalen“ riefen sie ebenfalls zur Vorsorge auf.(hu)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht