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Politik

Linksradikale setzen Wirt unter Druck

Die AfD trifft sich im Prüfeninger Schlossgarten. Antifaschisten drohen dem Pächter mit Protest. Der reagiert verärgert.
Von Micha Matthes, MZ

Durch einen Brief der linksradikalen Gruppe Anita F sieht sich Axel Franke, der Wirt des Prüfeninger Schlossgartens, unter Druck gesetzt. Foto: mt

Regensburg.Der Brief macht Axel Franke richtig sauer: Anfang November schickt ihm die – nach eigenen Angaben – linksradikale Gruppe Anita F eine E-Mail, in der sie feststellt, dass sich die Partei Alternative für Deutschland (AfD) regelmäßig im Prüfeninger Schlossgarten trifft. „Bevor wir medial veröffentlichen, dass sich in Ihren Räumen Rechte treffen, beziehungsweise Protest vor Ihrer Gaststätte anmelden, könnten Sie sich überlegen, ob Sie die Herrschaften in Zukunft noch weiter in Ihren Räumlichkeiten beherbergen“, schreibt die Gruppe. „Seien Sie versichert, wir werden es weiterhin im Fokus haben, ob sich die AfD weiterhin in Ihrer Gaststätte trifft, oder nicht. Sollten Sie uns anlügen oder sonst irgendwie hintergehen, werden wir das medial und auch aktionistisch beantworten.“ Für Axel Franke ist das eine klare Drohung, zumal der Absender nur den Namen „Lukas“ nennt und damit anonym bleibt. Die Antifaschisten sehen ihre Mail hingegen nur als einen Hinweis. Franke antwortet schließlich auf die Mail und am Ende fühlen sich beide Seiten in die Ecke gedrängt.

Das Ziel der Antifaschisten ist verständlich, die Vorgehensweise nicht: Wenn bei den AfD-Versammlungen rechtsextreme Äußerungen fallen, ist das der Polizei zu melden. Vor einem Geschäft zu protestieren bis der Wirt einlenkt: Dieses Verhalten geht nach Ansicht von Franke in Richtung Selbstjustiz – und damit zu weit. Selbst Markus Wagner von Anita F rudert auf Nachfrage der MZ ein wenig zurück: „Diese Mail ist vielleicht ein bisschen schärfer formuliert, sie war aber nicht als Drohung gemeint, sondern von uns aus nur ein Hinweis“, sagt er. „Wir wollen sensibilisieren.“

Wirt: Gangart absolut nicht okay

Viele Gastwirte seien froh über eine solche Alarmierung. Die Reaktion von Axel Franke habe ihn allerdings überrascht. „Dass er in seiner Antwort überhaupt nicht auf die AfD eingegangen ist und unser Schreiben sogar an die AfD weitergeben hat, sehen wir sehr kritisch“, sagt Wagner. Die AfD Bayern habe die E-Mail in Folge auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Rechtsradikale hätten sich der Informationen bedient und als Reaktion auf diese Veröffentlichung in Kommentaren Morddrohungen gegen Mitglieder von Anita F ausgesprochen.

Das Schreiben von Anita F:

„Der Wirt ist jetzt natürlich unter Druck – das verstehe ich“, sagt Wagner. Dass er das Schreiben veröffentlicht habe, zeige aber keinen Schritt des Entgegenkommens. „Meines Erachtens sympathisiert er mit der AfD.“ Das bestreitet Franke vehement. Privat sehe er sich als „links“ und „sozial“ positioniert. Die AfD würde er jedenfalls nicht wählen, sagt er. Trotzdem ist für ihn klar: Die Partei darf bleiben. „Ich lasse mir meine Gäste nicht vorschreiben. Und vor allem ist diese Gangart absolut nicht in Ordnung.“

Alle 14 Tage treffen sich nach den Angaben von Franke 15 bis 25 Mitglieder der AfD im Prüfeninger Schlossgarten. „Für mich ist das vollkommen uninteressant“, sagt er. Die Freien Wähler, die SPD und auch die CSU halten im Schlossgarten Versammlungen ab: „Wir haben bei uns fast alle Parteien zu Gast.“ Es stehe ihm nicht zu, politisch zu unterscheiden. In der Position, die demokratisch gewählte Partei mit Neonazis über einen Kamm zu scheren und sie generell auszuschließen, sieht sich Franke nicht.

Das Antwortschreiben von Axel Franke:

Natürlich ist die AfD kritisch zu sehen – spätestens seit ihrem Parteitag im Juli und dem damit verbundenen Rechtsruck. Das weiß auch Franke. Als Wirt wolle er jedoch – zumindest bis zu einer bestimmten Grenze – unpolitisch bleiben. Diese Grenze ist für Franke noch nicht überschritten. „Es ist eine komische Situation, dass die Antifa jetzt behauptet, ich verhalte mich rechtslastig“, sagt er. „Aufgrund von mündlichen Verdächtigungen kann ich jedenfalls noch niemanden rauswerfen.“ Sollte er einen Beweis erhalten oder selbst miterleben, wie sich jemand im Schlossgarten als Nazi outet oder sich verfassungsfeindlich äußert, werde er ihn aber sofort rauswerfen, versichert Franke. „Wenn mir die Antifa einen Nachweis – Fakten – vorlegt, dann werde ich auch reagieren.“

Anita F lehnt Podiumsdiskussion ab

Wagner findet die Argumentation von Franke generell „sehr löchrig“. Jeder Wirt habe ein Selbstentscheidungsrecht. „Zwischen der AfD und den übrigen Parteien gibt es gravierende Unterschiede – diese zu negieren, finde ich absolut falsch.“ Zwar will auch Wagner die AfD „noch nicht“ mit der NPD gleichsetzen. Dass sich in der Partei auch Neonazis bewegen und sie „in der Flüchtlingsdebatte einen Nährboden für rechten Terror schafft“, ist für ihn aber unbestritten.

Protest gegen die AfD

  • Hans-Olaf Henkel

    sprach am 7. November 2014 bei einer Versammlung der AfD im Leeren Beutel . Rund 80 Menschen versammelten sich damals zu einer Demo gegen die Partei.

  • „Das war sicher nicht gut“

    , sagt der Wirt Winfried Freisleben. „Ein Haus wie der Leere Beutel sollte eine Partei mit diesen Meinungen sicher nicht beherbergen.“

  • Er habe als Wirt

    damals aber nichts unternehmen können, sagt Freisleben. „Der Konzertsaal war unter der Vermietung der Stadt beziehungsweise der RTG als ihrer Tochter.“

  • „Ich bin kein Freund

    von dieser Geschichte und habe das den Organisatoren damals auch gesagt“, sagt Freisleben. „Aber ich war rechtlich dazu verpflichtet, die AfD zu bedienen.“

Die Drohung der Antifa bereitet Franke keine Zahnschmerzen, aber er will auch keine Randale vor seinem Haus. „Ich hätte mit diesem Brief auch zum Anwalt gehen können, aber dann schaukelt sich das ja nur hoch“, sagt er. Daher schlägt Franke in seiner Antwort an Anita F eine Podiumsdiskussion mit der AfD im Schlossgarten vor. Diesen Vorschlag lehnen die Linken aber ab. „Für uns ist klar: Wir treten nicht mit rechten Akteuren auf. Mit der AfD ist keine Diskussionsgrundlage vorhanden“, sagt Wagner von Anita F. Den Vorschlag der MZ, sich nur mit dem Wirt noch einmal an einen Tisch zu setzen, ziehen die Linken aber in Erwägung.

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