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Regensburg
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Kriminalität

Mann soll heimtückisch zugestochen haben

Nach der Messerattacke am Kassiansplatz fordert die Staatsanwaltschaft die Unterbringung des Verdächtigen in der Psychiatrie.
Von Micha Matthes, MZ

Blick auf den Tatort am 29. März: Einem 23-Jährigen wird vorgeworfen, am Kassiansplatz einen 28-Jährigen aus Heimtücke niedergestochen zu haben. Foto: Steffen

Regensburg.Die Staatsanwaltschaft wirft einem 23-jährigen Mann versuchten Mord vor. Laut Angaben der Polizei soll er mitten in der Regensburger Fußgängerzone am St.-Kassians-Platz am 29. März einen jungen Mann mit einem Messer attackiert und verletzt haben. Weil der Tatverdächtige offensichtlich unter einer psychischen Krankheit leidet, hat die Staatsanwaltschaft beim Schwurgericht jetzt einen Antrag zur Durchführung eines sogenannten Sicherungsverfahrens eingereicht. Ziel dieses Verfahrens ist es laut Staatsanwaltschaft, den Mann in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen. Als zugrundeliegende Tat nimmt die Strafverfolgungsbehörde versuchten Mord aus Heimtücke an. „Heimtücke liegt unter anderem vor, wenn das Opfer arg- oder wehrlos ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage unseres Medienhauses. „Das ist zum Beispiel bei einem überraschenden Angriff der Fall.“

28-Jähriger war ein „Zufallsopfer“

Wie die Polizei mitteilte, hatte der Mann den 28-Jährigen offenbar am 29. März wie aus dem Nichts heraus gegen 11.15 Uhr attackiert und ihm mit einer zehn Zentimeter langen Messerklinge in den Rücken gestochen. Laut Staatsanwaltschaft haben sich Opfer und vermeintlicher Täter nicht gekannt. „Es ist überhaupt kein nachvollziehbarer Grund ersichtlich“, sagt Ziegler. „Es handelte sich wohl um ein Zufallsopfer.“ Noch im April konnte die Polizei einen extremistischen Hintergrund für die Tat nicht ausschließen. Jetzt bestätigt die Staatsanwaltschaft: „Dafür gibt es keinerlei Hinweise.“

Die Polizei sperrte den Kassiansplatz ab Foto: Steffen

Der 28-Jährige brach nach dem Angriff mit schweren Verletzungen zusammen, der mutmaßliche Täter – ein Asylbewerber, der seit 2013 in Deutschland lebt – warf sein Messer weg und lief davon. Einige Passanten leisteten Erste Hilfe, während andere den Angreifer packten und bis zum Eintreffen der Polizei festhielten. Schon kurz nach der Festnahme des Mannes habe sich gezeigt, dass die Tat wohl einen psychiatrischen Hintergrund hat, sagt Staatsanwaltschaftssprecher Ziegler. Auch die Ermittlungen der Behörde – insbesondere ein in Auftrag gegebenes psychiatrisches Gutachten – kämen zu dem Ergebnis, dass der Beschuldigte „ohne Schuld aufgrund seiner psychiatrischen Erkrankung“ handelte. Eine Freiheitsstrafe ist daher eher unwahrscheinlich. Stattdessen kommt eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht, die grundsätzlich unbefristet ist. „Wir haben beim Schwurgericht am Landgericht Regensburg eine Antragsschrift zur Durchführung eines Sicherungsverfahrens eingereicht“, sagt Ziegler dazu. „Das macht man dann, wenn der Täter schuldunfähig ist oder dies nicht ausgeschlossen werden kann.“

Innenminister ehrt Retter

  • Am 11. September

    hat Innenminister Joachim Herrmann in München 33 Bürgern die Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit verliehen – die sogenannte „Courage-Medaille“. Unter den Geehrten befanden sich auch neun Personen, die bei der Messerattacke am Kassians-Platz Zivilcourage zeigten.

  • Markus Breitfelder

    , der in unmittelbarer Nähe zum Geschehen war, versperrte dem flüchtenden Angreifer mit ausgebreiteten Armen den Weg. Er machte weitere Passanten durch Zurufe auf den Täter aufmerksam.

  • Rupert Politzka

    und Walter Hagemann konnten den vermeintlichen Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

  • Elfriede Hagemann

    suchte in der Kleidung des Täters nach dem Messer, um eine weitere Gefahr auszuschließen.

  • Ramona Fenk

    kam hinzu und kümmerte sich um die Ehefrau des Verletzten, die unter Schock stand.

  • Elena Elbert

    setzte sofort einen Notruf ab und ermöglichte das schnelle Eintreffen von Polizei und Notarzt.

  • Der Arzt Dr. Sebastian Rößger

    war zufällig privat in der Nähe. Mit Material aus einem Erste-Hilfe-Kasten eines Bauarbeiters, konnte er den Verletzten in den ersten entscheidenden Minuten fachgerecht versorgen.

Richter entscheiden über Prozess

Der Angeklagte selbst habe bislang keine Angaben gemacht. Er sei aber direkt nach der Tat überwältigt worden, daher sei die Beweislage gut, sagt Ziegler. Mehrere Zeugenaussagen dienten als Beweismittel.

Ein Bauarbeiter und viele andere Passanten bekamen den Überfall mit

Die Polizei sperrte den Kassiansplatz ab Foto: Steffen

Der verletzte 28-Jährige war am 29. März in ein Krankenhaus gebracht worden, sein Zustand stabilisierte sich daraufhin. Gegen den 23-jährigen Tatverdächtigen wurde daraufhin ein Unterbringungsbefehl wegen Verdachts des versuchten Mordes beantragt.

Der Antrag für das Sicherungsverfahren wird derzeit vom Schwurgericht geprüft. Ob es zum Prozess kommt, entscheiden die Richter voraussichtlich Anfang Oktober, sagt Landgerichtssprecher Thomas Polnik. Dann werde gleichzeitig auch über die Fortdauer der Unterbringung des Tatverdächtigen entschieden.

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