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Migräne: Ja nicht mehr leiden als nötig!

Wie man Migräne meistert, erläuterte ein Spezialist. Sein Rat: Statt zu leiden frühzeitig Medikamente aus der Gruppe der Triptane einnehmen.

Dr. Jan Brand, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein erklärte, wie man Migräne meistern kann. Foto: Klein

Von Heinz Klein, MZ

Weil nicht alle Migränegeplagten in Deutschlands einzige Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein kommen können, kommt der Chefarzt der Klinik eben zu den Migräne-Patienten. Vor zehn Jahren begann Dr. Jan Brand seine Info-Tour. Im Regensburger Gewerbepark hielt er nun seinen 285. Vortrag. Seine Botschaft: Man kann Migräne zwar nicht heilen, aber man kann viel dafür tun, dass die Migräneanfälle weniger und weniger schrecklich sind. „Leiden Sie nicht mehr als unbedingt nötig“, bat Brand seine 130 Zuhörerinnen (und einige wenige anwesende Männer).

Schmerzmittel für eine Milliarde

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland (überwiegend Frauen) sind von drei, vier kurzen Migräneanfällen im Jahr geplagt. Das lasse sich mit den üblichen Schmerzmitteln in den Griff bekommen, sagte der Chefarzt. Anders sieht es bei den ebenfalls vier Millionen Patienten aus, die unter häufigen und massiven Migräne-Attacken leiden. Diese Patienten bräuchten gute und moderne Medikamente, die sogenannten Triptane, forderte Jan Brand. Dass manche Ärzte diese Medikamente aufgrund der Kosten (fünf bis sechs Euro pro Tablette) nur zögernd verschreiben, empört den Chefarzt. Die Folge sei, dass Migräne-Patienten gar nicht mehr zum Arzt gingen, sondern sich in der Apotheke mit handelsüblichen Schmerzmitteln versorgen. Im Jahr 2005 wurden in Deutschland für eine Milliarde Euro frei verkäufliche Schmerzmittel umgesetzt, wusste der Migräne-Arzt. Die Menschen schluckten viel zu viel Schmerzmittel, bis sie davon abhängig und krank werden. „Wer pro Woche acht oder mehr Schmerztabletten nimmt, kann darauf warten, bis das sein Magen nicht mehr mitmacht“, warnte Brand. Er empfahl, zumindest Schmerztabletten mit nur einer Wirksubstanz (ohne Koffein oder Codein) zu wählen. „Die machen wenigstens nicht so schnell abhängig.“

Was ist nun Migräne eigentlich? „Ihr Körper zieht die Notbremse. Migräne will sie lenken und fordert von Ihnen Bettruhe, Stille und Dunkelheit ein“, sagte der Chefarzt. Migräne ist nichts anderes als eine Überreizung des Gehirns: Der Hirnnerv feuert Impulse, die Gefäße weiten sich und entzünden sich dabei.

Man kann Migräne nicht messen, weder in der Röhre noch mit Hirnströmen, warnte Brand vor sinnloser Diagnostik. Doch es gibt ein untrügliches Zeichen: „Wenn Bewegung die Schmerzen verschlimmert, dann handelt es sich um Migräne. Der Anfall kann zwischen vier und 72 Stunden dauern und kündigt sich oftmals vorher an. Müdigkeit, Gähnen, Reizbarkeit, aber auch Euphorie und Heißhunger können Vorzeichen sein.

Etwa jeder zehnte Migräne-Patient durchläuft unmittelbar vor der Kopfschmerzattacke eine etwa halbstündige Aura-Phase. Halbseitige Störungen des Gesichtsfelds (Flimmern oder gezackte Linien sehen), aber auch Beeinträchtigungen des Sprachvermögens sind solche Aura-Phänomene. Wenig später kommt die eigentliche Migräne-Attacke mit meist halbseitig auftretenden, pulsierenden und pochenden Kopfschmerzen, begleitet von Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

Die Schmerzkurve flacher halten

„Es ist wichtig, früh genug mit der Schmerzbehandlung zu beginnen. Nur 15 Prozent machen das richtig“, schärfte Brand dem Publikum ein. Wer rechtzeitig Triptane einnehme, könne die Schmerzkurve viel flacher halten und sie zudem verkürzen. Es gibt sieben verschiedene Triptane mit unterschiedlicher Wirkdauer und Eigenschaften. „Sie müssen das für Sie richtige Triptan herausfinden“, ermunterte Brand seine Zuhörer, wies aber auch auf das Limit bei dieser Medikamentengruppe hin: „Pro Tag maximal zwei Tabletten, aber nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht öfter als zehn Tage im Monat.“

„Dokumentieren Sie ihre Migräne, gehen Sie zum Arzt, lassen Sie sich spezielle Medikamente verschreiben und setzen Sie diese frühzeitig ein.“ Mit diesem Rat entließ Dr. Jan Brand seine migränegeplagten Zuhörer.

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