mz_logo

Regensburg
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Religionen

Moschee-Debatte wird lauter

Bürger kritisieren die Ballung von islamischen Gebetsstätten im Regensburger Osten. Die Bürgermeisterin warnt vor Hetzern.
Von Julia Ried

Der Architektenentwurf des geplanten türkisch-islamischen Zentrums in der Maxhüttenstraße Visualisierung: Sedat Yilbirt/Dibit Regensburg

Regensburg.Toni Bauer ist „nicht einverstanden“, dass und wie die Stadt der türkisch-islamischen Gemeinde ihr neues Kulturzentrum am östlichen Stadtrand genehmigt hat. „Plötzlich“ kam das für den 77-Jährigen, der am Hohen Kreuz wohnt. „Und kein Mensch weiß was davon.“ Bauer wie auch Erich Muhlack, ehemaliger Werkleiter der Zuckerfabrik, beunruhigt die Entwicklung im Viertel am Hohen Kreuz, in dem der Ausländeranteil bei etwa 42 Prozent liegt. „Weil Integration immer schwieriger wird, wenn eine Häufung in einem Stadtgebiet passiert“, sagt Muhlack. Und nun komme zu den islamischen Gebetsstätten im Stadtosten – fünf sind dort aktuell bekannt –noch eine dazu.

Das Bauvorhaben treibt aber nicht nur Regensburger im Stadtosten um. Inzwischen haben sich auch Dr. Gustav Rosenstein, evangelischer Pfarrer in Rente, Gründer und ehemaliger Leiter der Regensburger Gruppe von „Religionen für den Frieden“, und der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss zu Wort gemeldet. Rosenstein verleiht in einem von ihm und Pfarrerin Christiane Weber, der zweiten Sprecherin der Gruppierung, unterzeichneten offenen Brief an den Stadtrat seiner Überzeugung Ausdruck, „dass die neue, als Kulturzentrum geplante Moschee im Stadtosten der Integration nur förderlich sein kann“. Er sei überzeugt: Die Ditib-Gemeinde, mit der „Religionen für den Frieden“ schon 1991 im Gespräch sei, wolle „ein wirklich offenes Zentrum, wo nichts im Verborgenen bleibt“, schaffen.

„Ein Anlaufpunkt ist gut“

Studentin Yael Feike wohnt in der Nähe des Moschee-Bauplatzes im Gewerbegebiet. Die 24-Jährige sagt, sofern sich die Gemeinde am neuen Standort nach außen öffne, könne das Zentrum zur Integration der Besucher in die Gesellschaft beitragen. „Ich finde es schon gut, wenn es einen Anlaufpunkt gibt, auch für Jugendliche.“

Regionalbischof Weiss hat dagegen noch Fragen an die Ditib-Gemeinde, speziell zu dem Minarett, das sie plant. „Wofür steht dieses Symbol?“, fragt er. „Steht es für den Wunsch, dass der Muezzin von hier aus zum Gebet ruft?“ Der Gebetsruf – ein solcher ist in Regensburg nicht vorgesehen – sei ein „Glaubensbekenntnis“ mit einem „Exklusivanspruch“ für das Areal um die Moschee. „Oder steht es für die Religionsfreiheit und die Religionsvielfalt?“ Dies schließe Achtung für alle, die anders glauben, ein. Eine Diskussion darüber sei bisher „noch zu wenig gelaufen“, sagt er. In der Verantwortung sieht er hier die Ditib-Gemeinde.

Bernadette Dechant, Sprecherin der Bürgerbewegung „Innerer Stadtosten-Hohes Kreuz“ und CSU-Stadträtin, kritisiert die Ditib-Gemeinde für „mangelnde Informationsbereitschaft“. Die CSU-Fraktion schreibt in einer Anfrage an Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer zudem: Die Häufung von Moscheegemeinden unterstütze „eine schon vorhandene Ghettobildung und macht eine Integration der Muslime nahezu unmöglich“.

Die Bürgermeisterin reagiert auf diese Kritik rigoros: „Den Gedanken, dass eine Moschee nicht gut sei für die Integration, halte ich für fehlgeleitet.“ Würde das Projekt an zu großer öffentliche Ablehnung scheitern, wäre das „gefährlich“: „Die Mitglieder dieser Gemeinde, die bislang in der Altstadt seit vielen Jahren ungestört zusammenkommen, würden sich ausgeschlossen, benachteiligt und ungerecht behandelt fühlen. Das wäre ein wirklich großer Schaden für die Integration.“

Beteiligung „nicht vorgesehen“

Stadtsprecher Rolf Thym erläutert: Eine Öffentlichkeitsbeteiligung sei bei „Anlagen für religiöse Zwecke“ vom Baurecht nicht vorgesehen. Die Bürgermeisterin sagt: Die Regensburger Medien hätten schon vor zwei Jahren über den Neubau-Plan berichtet; damals sei ihr keine kontroverse Diskussion bekannt geworden. Inzwischen aber hätten Populisten die Islam-Kritik zum politischen Programm gemacht: „Wir alle müssen uns ganz genau ansehen, aus welcher politischen Ecke die Kritik am Moschee-Bau der Ditib kommt, welche politischen Interessen damit verbunden sind und wo eine Gefahr liegt, Rechtsgerichteten auf den Leim zu gehen.“ „Diesen Leuten“ gehe es darum, „Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen“.

Die Mittelbayerische hat zuletzt am Donnerstag versucht, von der Ditib-Gemeinde mehr über den Verein und sein Bauprojekt zu erfahren, bekam aber bis Redaktionsschluss am Freitag keine Antworten auf ihre Fragen.

Die Ditib

  • Aufgaben:

    Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) koordiniert als Dachverband die religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der in ihr organisierten Vereine. Dies sind nach Ditib-Angaben deutschlandweit mehr als 960.

  • Organisation:

    Die Ditib ist die Auslandsorganisation des türkisch-staatlichen „Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten“. Dem Landesamt für Verfassungsschutz zufolge ist „eine gewisse politische Ausrichtung von Ditib unverkennbar“.

  • Einordnung:

    Dem Landesamt für Verfassungsschutz liegen keine „Erkenntnisse über regelmäßige salafistische Aktivitäten“ in der Ditib-Moschee in Regensburg vor. Die Al-Rahmann-Moschee dagegen beobachtet der Verfassungsschutz.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht